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Schulreform

CDU und FDP setzen Turbo-Abi durch

In dem seit Wochen tobenden Schulstreit in Niedersachsen hat die CDU/FDP-Koalition am Dienstag Fakten geschaffen: Integrierte Gesamtschulen (IGS) sollen künftig – ebenso wie die Gymnasien – das Abitur nach Klasse zwölf ermöglichen.

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Legt ihr Amt nieder: CDU-Sprecherin Ursula Körtner.

Legt ihr Amt nieder: CDU-Sprecherin Ursula Körtner.

© Christian Behrens

Einen Gesetzentwurf, der noch im Juni im Landtag beschlossen werden soll, billigten am Dienstag beide Regierungsfraktionen ohne Gegenstimme. Gegen die Schulzeitverkürzung an der IGS hatte es erbitterte Proteste gegeben, unter anderem von Christdemokraten aus der Stadt Hannover.

Die Fraktionschefs von CDU und FDP, David McAllister und Jörg Bode, senden derzeit zugleich Verständigungssignale aus. So wird das Turbo-Abi an den IGS erst zum Sommer 2010 eingeführt. Auf diese Weise haben die Schulen Zeit für die Umstellung, wenn sie ab Klasse sechs die zweite Fremdsprache anbieten und ab Klasse sieben leistungsstärkere Schüler in Sonderkursen unterrichten. Auch die von der Koalition anvisierte Ausdünnung des Lehrerangebots an den 90 „Vollen Halbtagsschulen“, das sind bislang privilegierte Grundschulen, soll erst von 2010 an wirken. Anhänger der „Halbtagsschulen“ hatten zuvor gegen die Pläne protestiert.

Trotz der Friedensangebote an Kritiker wurde die Fraktionssitzung am Dienstag von einem Rücktritt überschattet: CDU-Bildungssprecherin Ursula Körtner aus Bad Pyrmont erklärte ihren Amtsverzicht – ohne Angabe von Gründen. Vergangene Woche war sie mit Ministerpräsident Christian Wulff aneinander geraten. Während Wulff für rasche Beschlüsse eintrat, soll Körtner gebremst haben. Wulff hielt den Bildungspolitikern der Koalition vor, mit immer wieder neuen Vorschlägen die Stimmung an den Schulen zu trüben. Dies nehme Körtner persönlich, sagen Weggefährten.

Die Atmosphäre in der Koalition ist auch deshalb angespannt, weil die Wirkung des im März beschlossenen „Notpaketes“ ungewiss ist. Mit 13 verschiedenen Schritten (mehr Feuerwehrlehrer, weniger Genehmigung von Teilzeitanträgen, mehr Unterrichtsverpflichtung für Referendare) will die Regierung den von August an drohenden Mangel von 1200 Lehrern ausgleichen, der wegen der Einlösung alter Arbeitszeitkonten entsteht. Ob das klappt, ist fraglich – zumal sich bei der derzeitigen Suche nach neuen Lehrern schon abzeichnet, dass man nicht genügend Bewerber für Mangelfächer (Physik, Chemie, Latein) findet. Manche in der Koalition werden ungeduldig, denn das neue Schuljahr startet bereits in drei Monaten. Ein Vorschlag lautet, man solle den Schulleitern jeweils ein festes Budget geben, damit diese notfalls Honorarkräfte engagieren. Allerdings wird dafür die Zeit knapp. Schon Ende Juni beginnen die Sommerferien.

[Klaus Wallbaum]

  • VHGS etc. Hans-Joerg Sorkalla – 06.05.09
    Es ist doch nicht zu glauben, was hier in den Kommentaren zu lesen ist.
    Glauben wirklich alle Wissenschaftler/innen zu dem Thema, Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Schulelternräte, Eltern, GEW Gewerkschaftler/innen, sie hätten mehr Ahnung von der Schule als die lieben Politiker?
    Das sind doch ( NOCH ) die von uns gewählten Vorturner...

    ... und trotzdem, der Widerstand formiert sich - ZUM GLÜCK
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  • pro Gesamtschulen Marcus – 06.05.09
    http://www.cdu-waehler-fuer-gesamtschulen.de Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Allgemeine Schulpolitik Andrea K – 06.05.09
    Ein wenig möchte ich auf den Kommentar von Kai eingehen. Eine Bekannte (Lehrerin) hatte mir vor vier Jahren schon von dieser Untersuchung berichtet und gesagt, dass die Regierung mehr Abituriennten möchte. Ich finde das kann nicht sein. Ich bin 62ziger Jahrgang und habe die Realschule besucht. Das war zu der Zeit eine sehr gute bodenständige Ausbildung, ich bin doppelte Kauffrau und habe einen guten Job und Verdienst in einem großen Krankenhaus. Eben dieses Krankenhaus stellt Abiturienten als KrankenspflegeschülerInnen ein. Was bringt das. Da steckt man 2,5 Jahre Geld in eine Ausbildung und dann gehen die jungen Leute studieren! Und gute Realsch´ler und auch hauptschüler finden keinen ausbildungsplatz. Das kann es doch auch nicht sein. Ich finde wir brauchen unser Bildungssystem wie es war - wir brauchen Handwerker (Hauptschule), Kaufleute (Realschulen) und Wissenschaftler (Gymnasien). Alle drei Bereiche sollen in Ihrem Bereich das höchste Niveau haben - nur dann kann die Wirtschaft gut existieren. Man hat nichts davon wenn man sich auf dem Gymnasium am Schwächsten orientiert, da wäre dann eine Realschule angebracht und hat nicht diskriminiert zu werden.
    Ich muss aber auch sagen, dass ich zu meiner Schulzeit oft das Gefühl hatte, dass die Gymnasiasten nicht viel mehr gelernt hatten...sie hatten mehr Zeit und hatten z. B. viele Sachen in Mathe (Dreisatz) erst in der 11. und konnten in Deutsch Shakespare lesen!?!?
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  • Machtworte, Klausurtagungen, Rücktritte, Chaos Jens Martin – 06.05.09
    Die CDU/FDP-Landesregierung demontiert sich schulpolitisch weiter selbst. Die Opposition könnte sich zurücklehnen und abwarten, was über diese Regierung hereinbrechen wird, wenn das, was, mal wieder mit heißer Nadel gestrickt, im Landtag beschlossen wird. Die Opposition besteht aus SPD, Grünen, Linken, vielen CDU-Wählern, Elternvertretern, Lehrerverbänden, Schülervertretern, Gewerkschaften - und der frisch zurückgetretenen schulpolitischen Sprecherin der CDU. Es ist schlicht undenkbar, dass diese Opposition, die inzwischen eine breite gesellschaftliche Mehrheit gegen das schulpolitische Chaos der Regierung Wulff darstellt, ihre Veräppelung und Entmündigung einfach hinnimmt. Der schulpolitische Kampf scheint erst an seinem Anfang. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Gesetzentwurf oder Armutszeugnis in der Schulpolitik Olaf Brokate – 05.05.09
    Ja nun ist er da, der Gesetzentwurf. Und der Paragraph, der die VHGS unter den Schutz den Kommunen stellt soll ohne Kompensation fallen (kein Wort von wegen Ganztagsschulen und Stundenersatz im Entwurf). Das würde bedeuten, dass die Landesregierung jederzeit die VHGS streichen könnte (und auch wird).

    Wenn das beschlossen wird ist auch klar, dass diese Landesregierung nichts mehr in die Grundschulen investieren will und auch nicht wie versprochen die Lehrerwochenstunden an den anderen Schulen anheben wird!

    Aber noch ist das Machwerk nicht beschlossen. Jetzt gilt es mit allen Grundschulen für die Verbesserung der Lehrerversorgung aller Grundschulen im Land zu kämpfen (Mittwoch 13.5. 5vor12 ZOB Hannover)!!

    Gerade jetzt wäre es so wichtig mehr in die Zukunft des Landes zu investieren und die Kinder sind unsere Zukunft und deren Bildung ist das A & O für unsere aller Zukunft und die Grundschulen nunmal das Fundament, das stark sein muss!!
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  • Das hat System Kai – 05.05.09
    Das alles nur, um die Zahl der Abiturienten zu senken:
    Abschaffung der ref. Oberstufe
    Abschaffung der Orientierungsstufe
    Abschaffung der IGS (wenns denn direkt nicht geht, dann über das Turbo- Abitur)
    Ach ja, das Turbo-Abitur selbst
    Drüber hinaus: Studiengebühren


    Alles, damit es den Kindern immer schwerer gemacht wird. So dumm kann keiner sein, dass das nicht beabsichtigt ist.

    Ich weiss nicht genau, was das Motiv für diese Sabotage unseres Bildungssystem ist. Es gibt da mehrere Möglichkeiten:
    -Die Herren da oben wollen die Konkurrenz für Ihre Söhne/Töchter gering halten
    -Ein Volk voller Bildungsverlierer lässt sich leichter regieren
    -Wulff und seine Freunde haben Aktien von Privatschulen gezeichnet
    -noch ein paar Vorschläge?

    Nee, mal im Ernst
    Wenn ich an meine Rente denke, frage ich mich, ob ein Heer von Bildungsverlierern diese zahlen werden können.

    Es gibt eine Untersuchung:
    In Japan und USA haben ca 40% der Erwerbstätigen einen Hochschulabschluß, Deutschland liegt mit 20% im letzten Drittel. Das wird mit diesen Maßnahmen nicht besser. Wenns dann irgendwann mal 10% sind, wird Deutschland im internationalen Vergleich nicht mehr bestehen können, aber dann werden die Verantwortlichen bereits eine fette Pension kassieren. Jedenfalls konnten sie jetzt ihre ältlichen Kumpels in den ländlichen Schützenvereinen zufriedenstellen, die seit Jahren sagen: "Es gibt zu viele Abiturienten"

    Ich habe fertig !
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  • Turbo-Abi an den IGS Frank Litterscheid – 05.05.09
    Die Begründung für den Gesetzentwurf der CDU kommt einer Entmündigung der Eltern und Schüler gleich. Dort heißt es [Anmerkungen in Klammern von mir]:

    "Da die IGS Schülerinnen und Schüler aufnimmt, die von ihrer Leistungsfähigkeit und von ihren Leistungsbeurteilungen her gesehen wie Gymnasialschülerinnen und Gymnasialschüler beschult werden können [Das könnten sie in der Tat. Sie oder ihre Eltern haben aber bewusst entschlossen, dass sie es nicht wollen], muss diesen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden, ihrem Leistungspotenzial entsprechend die allgemeine Hochschulreife nach 12 Jahren zu erreichen [Wenn die Schüler das gewollt hätten, wären sie auf ein Gymnasium gegangen. Nochmal: Wer auf eine IGS geht, hat sich zuvor klipp und klar gegen den 12-jährigen Weg entschieden. Das muss die CDU nicht mögen, aber sie hat es als freie Entscheidung mündiger Bürger zu akzeptieren!]. Obwohl die Erlasslage seit 2004 die Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife nach 12 Jahren ermöglicht, wird von den Integrierten Gesamtschulen hiervon kein Gebrauch gemacht [Das ist ja nun auch wirklich unverschämt, von diesen bösen Schulen]. Eine gesetzliche Regelung erscheint daher als geboten. [So legt man seine Bürger und die Schulen - welche Bedeutung hat der Begriff "eigenverantwortliche Schule"? - an die Kette. Nur zu ...]
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  • Durchgepeitscht Hermann – 05.05.09
    Die unausgegorene Schulpolitik wird weiter durchgepeitscht, koste es was es wolle. Dass die Regierung längst bei Lehrern, Eltern und Schüler ihr Gesicht verloren hat, werden sie erst bei der nächsten Wahl wahrnehmen... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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