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Niedersachsen-CDU will Alters-Check für Flüchtlinge

Prüfung per Röntgenbild Niedersachsen-CDU will Alters-Check für Flüchtlinge

Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge sollen nach den Vorstellungen des niedersächsischen CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann künftig zur Röntgenuntersuchung geschickt werden. Dadurch soll ihr Alter bestimmt werden. Althusmann nimmt an, dass viele von ihnen älter sind als angegeben.

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Das Alter liegt auf der Hand: Über Röntgenbilder kann eingeschätzt werden, ob ein Mensch ausgewachsen ist.

Quelle: Felix Kästle

Hannover. Der CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann fordert für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge eine genauere Überprüfung des Alters über Röntgenbilder des Skeletts oder des Kiefers. „Es liegt der Verdacht nahe, dass eine erhebliche Zahl von jungen Flüchtlingen, die sich als minderjährig ausgegeben hat, es nicht mehr ist“, sagte Althusmann der HAZ. Ärztekammer und Flüchtlingsrat lehnen den Vorstoß ab.

Aktuell leben in Niedersachsen 5136 unbegleitete minderjährige Ausländer. Ihre Betreuung und Unterbringung, die aufwändiger ist als bei erwachsenen Flüchtlingen, kostet rund 5000 Euro monatlich. 2016 hat Niedersachsen rund 193 Millionen Euro dafür ausgegeben. In diesem Jahr sind im Landeshaushalt sogar 278,25 Millionen Euro für diesen Posten eingeplant.

80 Prozent haben keinen Pass

Für Althusmann sind die hohen Kosten ein Hauptgrund, die Altersangaben kritisch zu hinterfragen: „Wenn man hier genauer hinschauen würde, könnte man größere Beträge einsparen“, so der CDU-Landesvorsitzende.

Über die Röntgenbilder einer Hand, des Schlüsselbeins oder der Zahnentwicklung können der Entwicklungsstand und auch das ungefähre Alter einer Person nachgewiesen werden. Diese Methode ist in Niedersachsen möglich, wird aber laut Sozialministerium nur selten angewandt. Knapp 20 Prozent der jungen Flüchtlinge, die zwischen November 2015 und Januar 2017 nach Niedersachsen kamen, haben ihr Alter mit einem Pass nachgewiesen. Bei zwei Dritteln aller Flüchtlinge beruht die Altersfeststellung auf der Selbstauskunft der jungen Flüchtlinge. Nur 3 Prozent der minderjährigen Flüchtlinge (157 Fälle) wurden ärztlich auf ihr Alter untersucht. In 90 Fällen wurde dabei ein höheres Alter festgestellt. Alle Untersuchungen sind freiwillig.

Für den Menschenrechtsbeauftragten der Ärztekammer Niedersachsen in Hannover, Professor Nils Frühauf, sollten diese Tests die Ausnahme bleiben: „Es gibt nach aktueller Studienlage keine einzige zuverlässige Methode, die präzise Schätzungen für eine Altersfeststellung erlaubt.“ Das „Deusche Ärzteblatt“ zitiert Mediziner, die von einer Schwankungsbreite zwischen einem und drei Jahren sprechen. „Eine Beteiligung von Ärzten an diesen Untersuchungsverfahren ist abzulehnen“, meint Frühauf.

Auch Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, ist gegen die ärztlichen Untersuchungen: „Sie sind zu vage.“ Wenn es Zweifel an Altersangaben gebe, sei die jetzt schon übliche Begutachtung durch erfahrene Jugendamtsmitarbeiter präziser als jede Röntgenuntersuchung - die schließlich auch noch Geld koste. „Da stehen Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis“, kritisiert Weber.

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