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Niedersachsen Celle ringt bei Straßennamen um Umgang mit Nazi-Größen
Nachrichten Politik Niedersachsen Celle ringt bei Straßennamen um Umgang mit Nazi-Größen
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09:52 08.12.2010
Von Gabriele Schulte
Frühestens im Januar wird der Celler Stadtrat entscheiden, ob der Helmut-Hörstmann-Weg umbenannt wird. Quelle: Müller

Werden ehrenwerte Persönlichkeiten an den Pranger gestellt? Oder ist es vielmehr höchste Zeit, die Ehrung historisch belasteter Politiker endlich zurückzunehmen? Beim Streit um Straßennamen in Celle gehen die Meinungen nach wie vor weit auseinander. Auch ein Historikergutachten samt Nachgutachten sowie die Empfehlung einer von der Stadt eingesetzten Kommission lassen viele Fragen offen. Das wurde am Dienstag bei einer fast dreistündigen Informationsveranstaltung in Celle deutlich. Die Kommission hat vorgeschlagen, den Helmuth-Hörstmann-Weg vor dem Rathaus und zwei weitere an örtliche Größen aus der NS-Zeit erinnernde Straßen umzubenennen. Kommissionsmitglied Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, stellte klar: „Es geht um die Vorbildrolle.“ Ausschlaggebend sei, ob die Personen für die Zukunft beispielgebend sein können. Da werde heute manches anders als früher bewertet.

Entscheiden wird frühestens im Januar der Rat der Stadt. Die Ratsmitglieder konnten sich gestern mit ihren Fragen an den Gutachter, den hannoverschen Historiker Bernhard Strebel, sowie an die Kommission wenden. Die mehr als 100 Celler Bürger mussten sich dagegen aufs Zuhören beschränken. Ein ehemaliger Berufssoldat wollte sich damit nicht zufriedengeben und verließ nach einem empörten Zwischenruf wütend den Saal. Auch einige Ratspolitiker hätten gern eine kontroverse Diskussion speziell um die Rolle von Helmuth Hörstmann geführt, der bis 1986 zehn Jahre Oberbürgermeister in Celle war. Strebel hatte in seinem Gutachten dessen langjährige SS- und NSDAP-Mitgliedschaft hervorgehoben, ihm aber kein konkretes Fehlverhalten etwa gegenüber jüdischen Mitbürgern nachgewiesen. „Das Gutachten ist keine Anklageschrift“, betonte der Historiker mehrfach.

Im Namen der Kommission stellte Prof. Jörn Ipsen aus Osnabrück klar, dass das Verhalten nach dem Krieg ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung sei. Hörstmann habe sich nicht ausreichend vom Nationalsozialismus distanziert. So habe er noch 1983 anlässlich eines Treffens der rechtsextremen „Stahlhelm“-Gemeinschaft in Celle ein Grußwort verlesen lassen.

Udo Hörstmann, Sohn des früheren Oberbürgermeisters und selbst Ratsherr (bis vor einigen Wochen für die CDU, inzwischen fraktionslos), sprach von einer „Entehrung“ seines Vaters. Dieser habe 1938 sogar zwei Juden zur Flucht verholfen. Die Kommission indes war zum Ergebnis gekommen, dass entsprechende Hinweise nicht stimmen. Strebel wirft Hörstmann vor, vertriebene Juden zu Falschaussagen aufgefordert zu haben, um sich selbst vor Angriffen zu schützen.

Deutlich wurde gestern auch, dass auch innerhalb der Fraktionen noch kein klares Meinungsbild besteht. „Bis zur Entscheidung im Rat werden wohl noch Monate vergehen“, meint Bernd Zobel von den Grünen. In den Vorjahren hatten es die Politiker leichter. Nachdem eindeutige Verbrechen aus der Nazizeit bekannt geworden waren, erhielten gleich zwei Straßen einen neuen Namen – darunter 2008 die ebenfalls nach einem früher beliebten Oberbürgermeister benannte Kurt-Blanke-Straße.

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