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Niedersachsen Werden ARD und ZDF ihren Aufgaben gerecht?
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19:06 17.01.2019
„Aufgaben erfüllen – nicht mehr und nicht weniger“: Stephan Weil. Quelle: Foto: Dpa
Hannover

ZDF als reiner Nachrichtensender, ARD als Ideenschmiede, Spielfilme unbegrenzt in der Mediathek – Ideen für die für die Nutzung der Rundfunkbeiträge gab es viele beim Mediensymposium der Landesregierung in Hannover. Und gute Ideen tun Not, denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Druck. Der Grund: In Kürze steht die Entscheidung an, ob der Rundfunkbeitrag ab 2021 steigt. Wäre das gerechtfertigt? Diesen Fragen sollte das Symposium nachspüren.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) konstatierte in seiner Eröffnungsrede, wichtige Kriterien wie Unabhängigkeit, Politikferne und Reichweitenstärke seien nicht bedroht. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten zu einer „aufgabengerechten Finanzierung“ beitragen. ARD und ZDF sollten also so viel Geld bekommen, wie sie brauchen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. „Nicht mehr und nicht weniger“, sagte Weil. Aber wie viel ist das?

Während der anschließenden Diskussion herrschte Uneinigkeit darüber, ob ARD und ZDF mit ihrem derzeitigen Programm ihre Aufgaben tatsächlich erfüllen, oder ob die finanziellen Mittel nicht besser genutzt werden könnten. Ist die Fülle an Seifenopern, Quizshows und Liebesfilmen tatsächlich nötig? Sollen die Sender nicht viel mehr nachrichtliche Inhalte bringen?

Medienwissenschaftler Bernd Gäbler kritisierte, was bei den Sendern so alles als „Information“ durchgeht: „Wenn sechs Stunden lang eine royale Hochzeit übertragen wird und jemand dazu kommentiert, dann sind das sechs Stunden Information“, sagte er. Die Medienanstalten dürften ihren Zuschauern nicht „immer den gleichen Brei“ vorsetzen. Zudem seien die öffentlich-rechtlichen Sender nicht innovativ, vernachlässigten junge Zuschauer und seien bei fiktionalen Produktionen international nicht wettbewerbsfähig.

NDR-Intendant Lutz Marmor widersprach: „Wir müssen auch die Interessen der älteren Menschen berücksichtigen.“ Er bezog sich dabei auf die vielen Seifenopern im Nachmittagsprogramm der ARD. Außerdem verwies er auf eine Befragung, bei der mehr als 70 Prozent der Menschen angaben, der Norddeutsche Rundfunk sei „sein Geld wert“. In den nächsten Jahren wolle er mit dem Geld zum Beispiel die Mediathek verbessern.

Der Landtagsabgeordnete Jens Nacke (CDU) mahnt an, darüber nachzudenken, ob die Öffentlich-Rechtlichen einige Sendungen sogar ausschließlich im Internet anbieten könnten. Auch sein Kollege Christian Meyer von den Grünen, sprach sich für eine Fokussierung auf das Onlineangebot aus. Der n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel wiederum meint, der Fokus von ARD und ZDF müsse vor allem auf Informationssendungen liegen, die Sender sollten sich stärker auf die Kernbereiche konzentrieren. AfD-Politiker Jens Ahrends sprach sich gegen die verpflichtende Zahlung des Rundfunkbeitrags aus. Dieser müsse freiwillig sein, sagte er.

Medienwissenschaftler Gäbler plädierte bei der Verteilung des Beitrags hingegen für eine Einbindung von anderen Anbietern. Denkbar sei, dass der Rundfunkbeitrag nicht komplett an die Sender gehe, sondern ein bestimmter Anteil in Höhe von beispielsweise 10 Prozent in einen Topf fließe. Daraus könnten dann hochwertige Inhalte finanziert werden. Das würde den „Wettbewerb fördern“ und „Innovation erleichtern“.

Von Lisa Neugebauer

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