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Atommülllager

Der Asse-Ausschuss erstickt in Akten

Von Dr. Margit Kautenburger

Die Akten zum Atommülllager Asse füllen mittlerweile viele Meter Schrankwand. In rund 2000 Ordnern, die sich im ehemaligen Forum des Landesmuseums an der hannoverschen Marktkirche stapeln, suchen die Mitglieder des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses Antworten zu bohrenden Fragen.
Der Asse-Ausschuss erstickt in Akten.

Der Asse-Ausschuss erstickt in Akten.

© ddp

Wie konnte es zu den Missständen in dem maroden Bergwerk bei Wolfenbüttel kommen, und wer war dafür verantwortlich? Aber die Masse des Materials ist erdrückend, langsam dämmert den Aufklärern, dass dieser Überfluss an Informationen zum Problem wird: Der Ausschuss erstickt in Aktenbergen. „Das ist gewaltig viel Papier. Selbst mit einem riesigen Team könnte man das nicht alles lesen“, schätzt Stefan Wenzel, Grünen-Obmann im Untersuchungsausschuss. Selbstkritisch räumt Wenzel ein, dass der Untersuchungsauftrag zu breit angelegt worden ist. „Ein straffer gefasster Auftrag hätte die Arbeit erleichtert.“

Zwar könne der Ausschuss bereits Erfolge vorweisen. So sei klar geworden, dass der Wasserzufluss von Anfang an bekannt war, dass in der Asse mehr gefährliche Stoffe lagern als angegeben und dass Fässer falsch deklariert wurden. Doch das breite Themenspektrum führe auch immer wieder weg von den Kernfragen, bemängelt Wenzel.

Gegenstand der Untersuchungen ist ein Zeitraum von gut 50 Jahren. Damit handelt es sich wohl um einen der umfangreichsten Untersuchungsaufträge, den ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Deutschland je hatte. Fünf große Themenkomplexe mit 52 Einzelfragen haben die Mitglieder sich vorgenommen. Frühestens im Spätherbst 2010 kann der Ausschuss seine Arbeit beenden. Ob dann geklärt sein wird, wer für das Asse-Desaster verantwortlich ist, bezweifeln jetzt indes selbst Optimisten.

26 Zeugen sind seit Gründung im Juni in 21 Sitzungen bereits gehört worden. Damit ist jetzt schon die Dimension des Transrapid-Ausschusses mit 35 Zeugen in 30 Sitzungen erreicht. 30 weitere Zeugen sind bereits benannt; heute soll der „Endlagerpapst“ Prof. Klaus Kühn aussagen. Kühn hat die Wege der Endlagerforschung in Deutschland maßgeblich geprägt und gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Endlagerung in der Asse.

Dennoch erwartet Wenzel von Kühn nicht den Durchbruch. „Er könnte der Kronzeuge sein, der uns fehlt.“ Aber ob er die notwendigen Hintergrundinformationen liefern werde, sei fraglich. Was aber kann der Asse-Untersuchungsausschuss erreichen? Für Wenzel ist das Ziel klar: Fehler, die in der Asse begangen wurden, dürften sich bei der weiteren Endlagersuche nicht wiederholen.

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