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Niedersachsen Der Herr der Zahlen hat gekündigt
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18:21 12.09.2012
Von Klaus Wallbaum
Gekündigt: Bernd Ellerbrock hat von Zahlen die Nase voll. Quelle: dpa
Hannover

Man nennt ihn den „Graf Zahl der Landesregierung“ - weil er, wie die gleichnamige Figur in der Sesamstraße, sofort alle wichtigen Daten aus seinem Gedächtnis abrufen kann. Bernd Ellerbrock, Leiter der Haushaltsabteilung im Finanzministerium, hat diese seltene Fähigkeit, in Zahlengrößen denken zu können. Er weiß sofort, wie viel in der Kasse fehlt, wenn sich die Staatseinnahmen um ein paar Prozente verringern sollten. Er kennt den Landeshaushalt, dieses dicke Buch mit Unmengen an Einnahme- und Ausgabetiteln, wie kein Zweiter.

16 Jahre lang hat Ellerbrock an der Spitze einer 80-köpfigen Mannschaft den Etat aufgestellt, Ausgaben ermöglicht und verhindert - in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Finanzminister. Nun soll Schluss sein. Gestern hat der 57-Jährige seinen Minister Hartmut Möllring (CDU) die Kündigung auf den Tisch gelegt. Zum 1. Mai nächsten Jahres will Ellerbrock gehen - und neue Herausforderungen jenseits der Finanzpolitik suchen. Er pflegt seine Leidenschaft, die Fotografie, und schreibt Bücher über Schiffsreisen. Der Welt der Zahlen sagt er Lebewohl.

Damit geht Ellerbrock gemeinsam mit Möllring, und das kommt selbst für Insider überraschend. Der Leiter der Haushaltsabteilung gehört seit Jahrzehnten den Grünen an, und für den Fall von Rot-Grün nach der Landtagswahl hätte er Staatssekretär werden können. Einer wie er, mit intimen Kenntnissen der Landesverwaltung, ist für SPD und Grüne Gold wert. Doch Ellerbrock lehnte ab, was wohl vor allem zwei Gründe hat. Zum einen ist er ausgelaugt und amtsmüde, zum anderen verspürt er eine wachsende Distanz zur Finanzpolitik von Sozialdemokraten und Grünen, die beispielsweise von Verzicht auf Kreditfinanzierung und Schuldenbremse weit weniger halten als CDU und FDP.

Dabei begann Ellerbrocks Aufstieg mit einer Fehde zwischen ihm und Möllring. Anfang 1997 wurde der Angestellte Ellerbrock, damals Referent in der Staatskanzlei, zum Abteilungsleiter im Finanzministerium berufen. Möllring, damals Finanzexperte der CDU-Opposition im Landtag, bezeichnete die Personalie als „Beleg für Günstlingswirtschaft“. Ellerbrock fehle „jegliche Befähigung“, schimpfte Möllring. Heute würde er das nie wiederholen, denn in den vergangenen Jahren hat sich zwischen Abteilungsleiter und Minister so etwas wie eine Symbiose entwickelt: Ellerbrock bereitete das Zahlenwerk in den vielen Details vor und sortierte die Argumente, mit denen Möllring dann entschlossen jede Forderung nach Mehrausgaben der Minister abwehren konnte. Das Team war, gerade in den Anfangsjahren von Schwarz-Gelb, überaus erfolgreich. Es ist kein Geheimnis, dass Ellerbrock unter den sozialdemokratischen Vorgängern Möllrings längst nicht diesen Spielraum hatte. Später dann, nach 2007, wurde der anfangs so strikte Sparkurs von Schwarz-Gelb unter Ministerpräsident Wulff wieder aufgeweicht - ein Umstand, der vielleicht mitverantwortlich ist für die Entscheidung der beiden, künftig anderen die Haushaltspolitik zu überlassen.

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