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Detlef Ahting ist 100 Tage Verdi-Chef in Niedersachsen

Gewerkschaft Detlef Ahting ist 100 Tage Verdi-Chef in Niedersachsen

Zeltlager waren seine Elementarschule. Für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft, für die Übernahme von Pflichten, für das Einstehen für andere. Alles Eigenschaften, die Detlef Ahting als Chef von Verdi in Niedersachsen gebrauchen kann. Seit 100 Tagen ist er im Amt.

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Seit rund hundert Tagen an der Verdi-Spitze in Niedersachsen: Detlef Ahting.

Quelle: dpa

Hannover. „Mit dem Organisieren von Zeltlagern hat alles angefangen“, sagt Detlef Ahting. „Alles“ das ist die Gewerkschaft Verdi – ein Kürzel, das für Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft steht, die in Niedersachsen 260.000 Mitglieder hat. Seit März ist Detlef Ahting ihr „Boss“ oder besser Landesleiter. Und als er bei den Falken noch Zeltlager organisierte, hat er gewiss nicht auf dem Zettel gehabt, irgendwann Gewerkschaftschef zu werden. Obwohl er in seinem nun bereits 50 Jahre zählenden Leben fast nichts anderes gemacht hat als Gewerkschaftsarbeit.

Seit Ende März steht Ahting, der die Haarprachtmode der achtziger Jahre ins 21. Jahrhundert hinübergerettet hat, an der ver.di-Spitze in Niedersachsen. Die Anfrage, ob er nicht der Nachfolger Siegfried Sauers werden wolle, der aus Gesundheitsgründen früher als eigentlich geplant als Vorsitzender abtrat, kam überraschend. Denn mit seinem Job als ver.di-Regionalchef in Braunschweig war Ahting, der selbst gerne anpackt („wie ein Hausmeister“), sehr zufrieden. Aber den Ruf nach Hannover hat er, ein „Beute-Braunschweiger“ aus dem nordniedersächsischen Brake, natürlich auch nicht ausgeschlagen. Und fühlt sich, nach mehr als hundert Tagen im Amt, mittlerweile auch in der Landeshauptstadt und in der Landespolitik zu Hause. Natürlich, nicht alles ist so übersichtlich wie in Braunschweig, aber die entscheidenden Akteure trifft man auch in Hannover relativ schnell.

Obwohl durch Heirat früh an Braunschweig gebunden, pflegt Ahting noch immer den etwas gedehnten Slang der Leute, die an der Unterweser groß geworden sind. Eher norddeutsch-gelassen sind auch seine Betrachtungen der Konfliktlinien, die ver.di mit der konservativ-liberalen Landesregierung hat. Die richtig zugespitzten Konflikte, etwa um die Privatisierung der Landeskrankenhäuser, seien eher in der Anfangszeit der Landesregierung ausgetragen worden.

Natürlich gibt es eine Menge Einsprüche von Ahtings Seite zur Landespolitik – von der Schuldenbremse bis zur Bildungspolitik. Ein ganz großes Problem verbirgt sich nach seinen Worten hinter dem Begriff „Aufstocker“: „Wir haben in Niedersachsen 130.000 Menschen, deren Einkommen staatlicherseits aufgestockt wird, weil es einfach nicht reicht zum Leben, davon sind 30 000 vollzeitbeschäftigt.“ Ein Missstand in Ahtings Augen: „Wie kann sich eine Gesellschaft das leisten, Menschen voll zu beschäftigen und sie dann noch mit ‚Stütze‘, wie man es früher nannte, versorgen zu müssen?“ Die 1,1 Milliarden Euro, die der Staat dafür aufbringe (davon 800 Millionen das Land), könnten wahrlich sinnvoller ausgegeben werden, findet der ver.di-Mann – etwa für neue Kita- und Krippenplätze. „Da fällt mir eine ganze Menge ein.“

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