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Die Linke muss die Koffer packen
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Fraktion räumt Büros im Landtag Die Linke muss die Koffer packen

Nach ihrer Wahlniederlage muss die Linke ihre Fraktionsbüros im niedersächsischen Landtag räumen. Der Auszug ist mit Wehmut verbunden.

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Kann nicht schnell einpacken: Ursula Weisser-Roelle, scheidende Abgeordnete des niedersächsischen Landtags.

Quelle: Emine Akbaba

Hannover. Schon wieder so ein Stapel, den sie eigentlich wegwerfen müsste. Doch Ursula Weißer-Roelle bringt es nicht übers Herz. In den Mappen liegt ein Antrag der Linken-Fraktion zum Thema Mindestlohn, samt Protokollen der Ausschussberatungen und dazugehörenden Expertisen. Einige Dokumente, an denen sie selbst intensiv mitgewirkt hatte. In den Müll damit? „Nein, das geht doch nicht. Ich nehme das mit nach Hause“, sagt sie. Ebenso wie die beiden anderen Stapel daneben. Und die da drüben auch noch. Wieder wandert ein Stoß Papier nicht in den großen Container, sondern wird gerettet für die Ablage P. P wie Privatarchiv.

Aber mit P gibt es ein Problem: Daheim in Braunschweig haben Weisser-Roelle und ihr Partner eine bescheidene Drei-Zimmer-Wohnung. Ein Raum ist bereits vollgestopft mit Unterlagen. Eigentlich kann da nichts hinzukommen. Auf der anderen Seite bringt es die Politikerin nicht fertig, sich von so vielen Dingen zu trennen. Ein Zugeständnis immerhin macht sie: Der Briefverkehr wird nur elektronisch gespeichert. „Dazu habe ich mir eine externe Festplatte angeschafft.“ Das ist raumsparend.

Wie Weisser-Roelle geht es derzeit vielen der zehn Linken-Abgeordneten und ihren Mitarbeitern. Nach fünf Jahren im Landtag müssen sie wieder raus, die parlamentarische Erfahrung findet ein abruptes Ende. Was tut besonders weh? „Wir waren trotz mancher persönlichen Differenzen ein gutes Team, haben uns gut verstanden. Nun werden wir auseinander gerissen, jeder geht seine eigenen Wege“, sagt Weisser-Roelle. Sie selbst hat bei einem großen Konzern in Braunschweig als Betriebsratsvorsitzende gearbeitet und kann dort wieder anfangen. Gewerkschaftsarbeit, Betriebsratsarbeit kennt sie schon lange und weiß auch, dass dazu Rivalitäten gehören. Aber hier, bei den Linken, habe es immer eine „große Gemeinsamkeit“ gegeben.

So sitzt sie nun in ihrem Büro, umgeben von Kisten und schon leeren Schränken. Ganz fix, das hat sie gemerkt, ist ein solcher Abschied nicht zu machen. Da ist die Mappe mit den Unterlagen über die Nahost-Reise vor einem Jahr, bei der Weisser-Roelle für die Linken dabei gewesen ist. „Ich habe vorhin eine Stunde lang darin geblättert“, sagt sie. Das ruft Erinnerungen wach, weckt Wehmut. Wie war diese Zeit im Landtag, hat sie heute ein anderes Bild vom Parlament als damals, im Frühjahr 2008?

Ja, sagt Weisser-Roelle. „Naiv“ sei sie gewesen, als vor fünf Jahren alles begann. „Ich dachte, alle arbeiten irgendwie zusammen an einem gemeinsamen Ziel.“ Dann begannen Ausschussitzungen, in denen die schwarz-gelbe Mehrheit alle Anträge der Linken unbesehen niedergestimmt hat - weil es Anträge der Opposition waren. Das war ernüchternd. Nach Ablauf der fünf Jahre jedoch wird Weisser-Roelle rückblickend milde: In allen Fraktionen habe es Leute gegeben, mit denen sie gut zurechtkam, mit denen man offen habe sprechen können. Der Landtag werde von Außenstehenden „unterschätzt“, und die Wehmut besteht auch darin, dass sie viele der politischen Akteure kennen- und schätzen gelernt habe. „Nun beginnt eine neue Zeit - man gehört ja leider nicht mehr dazu.“

Auch Fraktionschef Manfred Sohn, als Hardliner in Auseinandersetzungen bekannt, wird zum Abschied versöhnlich: „In vielen Fraktionen habe ich Leute erlebt, die ehrlich mit sich ringen um die richtigen politischen Antworten. Vor denen habe ich Hochachtung.“

Sohn hat schon fast alles ausgeräumt. Kurt Herzog aus dem Wendland ist fertig, hat nur seine Krawatte zurückgelassen. Andere haben noch gar nicht begonnen, schieben den Abschied vor sich her. Eine traurige Mischung ist das. Fraktionsgeschäftsführer Jörn Jan Leidecker versucht, dem Ganzen zu entfliehen: Er hat erst einmal einen Urlaub gebucht, Gran Canaria. Sieben Tage Sonne.

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