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Niedersachsen Autobranche warnt: Krise beim Diesel bedroht Tausende Jobs in Niedersachsen
Nachrichten Politik Niedersachsen Autobranche warnt: Krise beim Diesel bedroht Tausende Jobs in Niedersachsen
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20:24 26.09.2018
Die Dieselkrise gefährdet Unternehmen und Arbeitsplätze – sagt der Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Hannover

Die Dieselkrise bringt die niedersächsische Autoindustrie immer mehr in Schwierigkeiten. Laut Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall müssen Zulieferbetriebe erste Betriebsstätten schließen, weil immer weniger Autos mit Dieselmotor verkauft werden. Der Verband warnt vor dramatischen Folgen für einen ganzen Industriezweig und dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen.

Die Zulassungszahlen für Dieselfahrzeuge seien binnen zwei Jahren von rund 1,54 Millionen Neuwagen auf etwa eine Million Autos zurückgegangen, sagte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt, der HAZ. „Wir sind im Begriff, eine tragende Säule der deutschen Industrie kurz und klein zu schlagen.“ Die Auswirkungen der Diskussion seien in der Realwirtschaft angekommen. Sie beträfen ganz konkret Arbeitsplätze und damit die Mitarbeiter der deutschen Automobilindustrie und der Zulieferer, sagte Schmidt. „Es soll doch keiner glauben, dass ein Absatzeinbruch um eine halbe Million Diesel-Pkw binnen zwei Jahren nicht auch auf die Beschäftigungslage in unseren Betrieben durchschlägt.“

Nach Angaben von Niedersachsen-Metall sind bei einzelnen Unternehmen bereits ganze Produktionslinien vorübergehend stillgelegt worden. Die Folge seien Kurzarbeit und der Abbau von Belegschaften bis hin zu Schließungen einzelner Betriebsstätten von kleineren Unternehmen, die einseitig an der Dieseltechnologie hängen. Jedes vierte Zulieferunternehmen in Niedersachsen ist nach Einschätzung des Arbeitgeberverbandes von der aktuellen Debatte betroffen.

In Niedersachsen sind rund 220 000 Menschen in der Autoindustrie beschäftigt, 110 000 bei VW und noch einmal 110 000 bei den Zulieferern. Das Münchner Ifo-Institut schätzt, dass rund 87 000 aller Industriearbeitsplätze in Niedersachsen an der Produktion von Verbrennungsmotoren und Komponenten wie Kühlern, Getrieben oder Abgasanlagen hängen – Teilen also, die nur in Verbrennungsmotoren verbaut werden. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) generieren die deutschen Zulieferer im Gegensatz zu den Herstellern den größten Teil ihres Umsatzes im Inland.

Schmidt nannte es ein „verheerendes Signal“, wenn ein deutscher Premiumhersteller wie Porsche aus einer deutschen Premiumtechnologie wie dem Diesel aussteige. Er warf der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vor, einen Feldzug gegen den Diesel und den Individualverkehr zu führen. „Heute ist es der Diesel, morgen ist es der Benziner.“ Von den Fakten her sei diese „Panikmache“ nicht zu rechtfertigen. „Im Gegenteil: Die Luft in deutschen Städten war noch nie so sauber wie heute“, sagte Schmidt. Das zeigten die Messungen des Umweltbundesamtes.

Um Fahrverbote zu vermeiden, ringen Bundesregierung und Autohersteller derzeit um eine Lösung. Diskutiert wird über eine technische Nachrüstung älterer und Kaufanreize für neue Dieselfahrzeuge.

Von Marco Seng

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