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Dieser Kommissar verfolgt die Ex-RAF-Terroristen

Raubüberfall bei Bremen Dieser Kommissar verfolgt die Ex-RAF-Terroristen

Er leitet die Ermittlungen zu einem spektakulären Raubüberfall auf einen Geldtransporter bei Bremen. Seit klar ist, dass die Täter drei frühere RAF-Terroristen sind, bekommt die Arbeit von Kriminalhauptkommissar Jürgen Hage bundesweit große Beachtung.

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Jürgen Hage leitet die Sonderkommission gegen die ehemaligen RAF-Terroristen.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Diepholz. Als drei maskierte und schwer bewaffnete Täter am 6. Juni 2015 einen Geldtransporter in der Nähe von Bremen überfallen, sitzt Kriminalhauptkommissar Jürgen Hage mit seiner Frau am Kaffeetisch. Ein Kollege informiert ihn per Telefon, dann macht sich der 58-Jährige auf den Weg nach Stuhr im Landkreis Diepholz.

Als er am Tatort die Koordination der Beamten übernimmt, ist dem Mann mit den kurzen, silbergrauen Haaren schnell klar, dass es sich um eine besonders brutale Tat handelt. «Die Täter haben geschossen - mit scharfer Munition. Es wurden Kalaschnikows benutzt und eine Panzerfaust. Das hat man nicht jeden Tag», sagt Hage, der bei der Kriminalpolizei in Diepholz seit rund fünf Jahren ein Kommissariat im Bereich Schwerstkriminalität leitet.

Raubüberfälle sind für ihn und seine Teams Alltagsgeschäft. Die Professionalität und Brutalität der Täter aus Stuhr war für Hage, der seit rund 42 Jahren bei der Polizei ist, allerdings neu. Umso mehr wundert er sich, dass die Tat anfangs nur wenig mediale Beachtung findet.

Das ändert sich schlagartig, als das Landeskriminalamt DNA-Spuren auswertet. «Nach einem Monat war klar, dass unter den Tätern ein Ex-RAF-Terrorist ist», berichtet Hage, dem der Name Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) zunächst nichts sagte. Bald stellt sich heraus, dass neben Staub die früheren Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) Daniela Klette (57) und Burkhard Garweg (47) für den Überfall verantwortlich sind. Plötzlich ist Hages «Soko Real» jahrzehntelang gesuchten Terroristen auf der Spur.

Als Hage den Fall im Januar bei der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» vorstellt, schalten rund 5,8 Millionen Zuschauer ein. In Diepholz klingelt das Telefon seitdem noch öfter. Rund 300 Hinweise aus der Bevölkerung hat die «Soko Real» seit Ausstrahlung der Sendung bekommen.

Auch für den Moderator von «Aktenzeichen XY... ungelöst», Rudi Cerne, hat der Fall eine besondere Bedeutung. «Die drei großen Buchstaben RAF verleihen dem Ganzen eine andere Dimension – auch wenn hinter der Tat kein terroristischer Hintergrund steckt», sagt er am Telefon. Hage empfand er als hoch professionell. «Ich war sehr erstaunt über seine Coolness im Studio.»

Die Arbeitstage des Hauptkommissars und seinen Teams sind seit vergangenem Juni länger geworden. «Wir haben durchgearbeitet», erzählt Hage. Überarbeitet sieht der Mann, der seinen Job als seinen Traumberuf beschreibt, nicht aus. Vielleicht liegt es an seinen Lachfalten, vielleicht an der Begeisterung, mit der er von seiner Arbeit spricht.

Seinen Weg zum Polizeihauptkommissar begann Hage an der Polizeischule im niedersächsischen Bad Iburg. «Ich wollte schon als Jugendlicher zur Polizei», erzählt der dreifache Vater, der im Büro Jeans, Hemd und Krawatte trägt. Für die Karriere haben der gebürtige Niedersachse und seine Familie einiges in Kauf genommen. «Der Beruf ist nicht gerade familienfreundlich», sagt der Kommissar und berichtet, dass das Telefon nicht nur am Wochenende, sondern auch in vielen Nächten klingelt.

Dass sein Job gefährlich ist, war ihm von Anfang an klar. Die Auswirkungen auf das Leben seiner Frau und seiner drei Kinder hätte er gerne begrenzt. «Man selbst ist ausgebildet für brenzliche Situationen, die Familie nicht.» Dann erzählt er von Morddrohungen und einem auf ihn angesetzten Auftragskiller. Seine Kinder durften nie im Kindergarten- oder Schulbus fahren, seine Frau musste zeitweise eine Waffe tragen. «Für meine Frau war das sehr schwierig.»

An ihm selbst sind die vielen Erlebnisse als Kriminalpolizist auch nicht spurlos vorüber gegangen. «Ich habe unzählige Leichen gesehen. Das ist alles im Unterbewusstsein gespeichert. Schreckliche Bilder kommen nach Jahren wieder.» Dass ihm die Kraft für die Arbeit nicht ausgeht, liegt ihm zufolge an seiner Familie. «Hätte ich diese nicht, könnte ich meinen Dienst nicht so gelassen machen.»

Mit den Ermittlungen zur Suche nach dem Ex-RAF-Trio ist er zufrieden. «Der Fall ist im Grunde aufgeklärt», sagt Hage. «Wir wissen, wer es war und können es den Tätern auch nachweisen.» Er hoffe, dass die Drei bald gefasst werden. «Ich würde sie gerne vernehmen. Das ist mein Job und das ist unsere Geschichte.» Als Krönung seiner Karriere sieht er den Fall nicht. «Das sind Menschen wie andere auch. Sie haben nur in ihrer Jugend einen anderen Weg eingeschlagen.»

Von Helen Hoffmann

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