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Dramatisches Tauziehen um 700 Jobs bei Alstom

Kampf um die Arbeitsplätze Dramatisches Tauziehen um 700 Jobs bei Alstom

Der nervenaufreibende Kampf um die Arbeitsplätze beim Bahntechnikhersteller Alstom in Salzgitter nimmt kein Ende. Nachdem die Verhandlungen über einen Vertrag zur Standortsicherung in der Nacht zum Freitag abgebrochen worden waren, äußerten sich Vertreter der Belegschaft, aber auch der Politik empört über das Alstom-Management.

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Quelle: dpa

Hannover. Was die Geschäftsführung aufführe, habe das Niveau eines „Kaspertheaters im Kindergarten“, schimpfte Betriebsratschef Bernd Eberle und drohte: „Wenn wir über das Wochenende keine Unterschrift bekommen, dann geht der Protest nächste Woche weiter, dann brennt hier die Hütte.“

Vertreter der 2500-köpfigen Belegschaft und die Geschäftsführung hatten seit Dienstag in Goslar über die Zukunft des Standorts verhandelt. Der Konzern hatte angekündigt, 700 feste Stellen zu streichen, Verträge von befristet Beschäftigten nicht zu verlängern und den Rohbau von Schienenfahrzeugen nach Polen zu verlagern. Nach Angaben der IG Metall gab es bereits einen unterschriftsreifen Standortvertrag. „Doch statt das Verhandlungsergebnis unter Dach und Fach zu bringen, reisten die Arbeitgeber ohne Kommentar ab.“ Die Gewerkschaft vermutet, dass die Geschäftsführer sich zerstritten hätten oder von der Konzernzentrale in Paris zurückgepfiffen worden seien.

SPD-Chef Sigmar Gabriel, in dessen Wahlkreis das Werk liegt, schlug vor, einen Moderator zu berufen. Er sprach gegenüber dieser Zeitung von einer „Riesenenttäuschung“, weil die Arbeitnehmer der Unternehmensleitung bereits sehr weit entgegengekommen seien und sich parteiübergreifend Politiker engagiert hätten, um Auftragslage und Wettbewerbsfähigkeit des Alstom-Standorts Salzgitter zu sichern. Das „Kernproblem“ liege offenbar in Paris. Stefan Wenzel, Chef der Grünen-Landtagsfraktion in Hannover, plädierte im Gespräch mit dieser Zeitung dafür, dass eine Delegation aus Niedersachsen zur Konzernzentrale reisen sollte – „am besten unter Führung des Ministerpräsidenten“. David McAllister selbst wollte sich nicht äußern.

Die Vereinbarung sah nach Darstellung der Gewerkschaft vor, dass das Unternehmen bis März 2017 auf Massenentlassungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet und es weiterhin den Rohbau in Salzgitter geben werde. Man habe sich auf einen Stellenabbau etwa durch Altersteilzeit oder Aufhebungsverträge, ein geringeres Weihnachtsgeld sowie wöchentlich eine Stunde Mehrarbeit für Qualifikation geeinigt. Doch dann hätten die Manager eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verlangt.

Alstom bestreitet dies. Die Verhandlungen seien konstruktiv gewesen, es seien allerdings nur „Teilvereinbarungen“ erzielt worden. Damit das Werk wettbewerbsfähig sei, fehle noch ein Beitrag der Belegschaft in Höhe eines „mittleren einstelligen Millionenbetrages“ jährlich. Alstom rechne damit, dass die Verhandlungen bald fortgesetzt würden und zu einem „positiven Ergebnis“ führten.

IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine forderte das Management auf, „endlich den Knoten durchzuschlagen und die Unterschrift unter den Vertrag zur Absicherung des Alstom-Standortes in Salzgitter zu setzen“.

Dirk Stelzl und Mathias Philipp

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