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Durchgangslager Friedland nimmt Asylbewerber auf

„Tor zur Freiheit“ Durchgangslager Friedland nimmt Asylbewerber auf

Das Grenzdurchgangslager Friedland in Niedersachsen galt jahrzehntelang als „Tor zur Freiheit“ für Spätaussiedler – jetzt nimmt es auch Asylbewerber auf.

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Das Grenzdurchgangslager Friedland nimmt auch Asylbewerber auf.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Friedland. Die Geschichte von Khaled Y. und seiner Familie ist eine Geschichte von Leid und Vertreibung. „Zu Hause bekamen wir keine Papiere und durften nicht arbeiten. Unsere Nachbarn haben uns bedroht und wollten uns unser Grundstück wegnehmen“, sagt Khaled Y. Er ist gemeinsam mit seiner hochschwangeren Frau und den vier Kindern nach Deutschland geflohen. Bis vor Kurzem hat er als staatenloser Kurde in Syrien gelebt. Doch das Leben sei dort immer unerträglicher geworden, erzählt der 35-Jährige. Seine Familie gehört der Religionsgemeinschaft der Yeziden an, die von der muslimischen Mehrheit diskriminiert und verfolgt werde. Jetzt hat die Familie eine erste Zuflucht im Grenzdurchgangslager Friedland gefunden.

Seit Anfang des Jahres nimmt das „Tor zur Freiheit“, wie der frühere Bundesinnenminister Otto Schily das Lager einst nannte, auch Asylbewerber auf. Im ersten halben Jahr sind rund 750 Asylbewerber nach Friedland gekommen, die meisten von ihnen stammen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. „Bislang läuft alles ohne Probleme“, berichtet Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer. Für das Grenzdurchgangslager hat sich damit eine neue Perspektive eröffnet. In den vergangenen Jahren sind die Spätaussiedlerzahlen stetig gesunken. Bis Ende Juni kamen lediglich 901 deutschstämmige Aussiedler aus Osteuropa, 50 weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Mit der neuen Aufgabe ist die Existenz des Lagers gesichert. Friedland ist damit nicht nur Erstaufnahmestelle für Spätaussiedler und jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion, sondern auch für Asylbewerber.

Seit Januar hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusätzlich zu den Anlaufstellen in Braunschweig und Bramsche auch eine Außenstelle in Friedland, die derzeit mit einem Dutzend Mitarbeitern besetzt ist. Das Land Niedersachsen hat außerdem zur Betreuung der Asylbewerber zwei Sozialarbeiter eingestellt.

Für die Asylbewerber ist der Aufenthalt hier ein Leben im Wartestand. Anders als die Spätaussiedler wissen sie nicht, ob sie sich dauerhaft in Deutschland werden niederlassen dürfen. Sie stellen in Friedland lediglich ihren Asylantrag und erläutern bei einer Anhörung ihre Gründe. Nach sechs bis acht Wochen kommen sie in eines der niedersächsischen Sammellager für Asylbewerber oder in dezentrale Wohnunterkünfte. Dort wird ihnen dann die Entscheidung des Bundesamtes zugestellt.
Diese Verfahrensweise ist auch ein Grund dafür, dass es in Friedland bislang zu keinerlei Konflikten oder Spannungen gekommen ist. Die hier untergebrachten Asylbewerber hoffen alle noch, dass ihr Antrag positiv beschieden wird. „Die Folgen einer negativen Entscheidung, zum Beispiel eine drohende Abschiebung, bekommen wir nicht mit. Das ist auch gut so“, sagt Lagerleiter Hörnschemeyer.

Zwischen den einzelnen Gruppen im Lager gebe es nur wenig Kontakt. Zu groß seien die Sprachbarrieren – jedenfalls bei den Erwachsenen. „Die Kinder und Jugendlichen aber spielen gemeinsam“, sagt Hörnschemeyer. Derzeit sind 440 Bewohner auf die Unterkünfte verteilt – 220 Asylbewerber, 30 Spätaussiedler im Erstaufnahmeverfahren, 30 jüdische Zuwanderer sowie 160 Spätaussiedler, die einen mehrmonatigen Integrationskursus als Vorbereitung auf ihr künftiges Leben in Deutschland besuchen.

Dass viele Asylbewerber aus dem Nahen Osten kommen, hat sich auch auf die Lagerküche ausgewirkt: „Schweinefleisch ist fast vom Speiseplan verschwunden“, sagt Hörnschemeyer. Khaled Y. hat viele Verwandte und Freunde, die bereits seit Jahren in Deutschland leben. Er hofft, dass auch er mit seiner Familie hier bleiben kann. Und eines ist ihm besonders wichtig: „Hauptsache, die Kinder können zur Schule gehen.“

Heidi Niemann

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