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Niedersachsen Arbeitslose haben häufig Migrationshintergrund
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11:34 22.11.2013
Studie:Ein Drittel der Arbeitslosen hat Migrationshintergrund. Quelle: dpa
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Hannover

Jeder dritte Arbeitslose in Niedersachsen hat einen Migrationshintergrund. In Bremen ist es sogar beinahe jeder zweite. Das besagt eine Erhebung der Arbeitsagentur, die nach Angaben der Behörde erstmals bundesweit untersuchte, wie groß der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Arbeitslosenstatistik ist. Die am Freitag in Hannover vorgelegte Statistik zeigt, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln besonders oft keine Arbeit finden.

"Die Kernproblematik ist eindeutig fehlende Qualifikation", sagte der Chef der Regionaldirektion, Klaus Stietenroth. Es mangele oft an Abschlüssen und Sprachkenntnissen. Auch Qualifikationen, die Deutschland nicht anerkenne und nicht zuletzt auch Diskriminierung - etwa bei eindeutig ausländischen Namen - seien ein Problem. Test mit anonymisierten Bewerbungen hätten diese Ungerechtigkeit belegt.

Rund 17 Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen haben einen Migrationshintergrund, was leicht unter dem Bundesdurchschnitt der 20 Prozent liegt. In der Gruppe der Arbeitslosen beträgt der Anteil aber 33 Prozent, was fast exakt Bundesniveau ist (34 Prozent). Bremen steht mit seinen 46 Prozent klar darüber. Größer ist die Problematik nur in Hessen und Hamburg (49 Prozent) sowie Baden-Württemberg (51). Im Osten - mit Ausnahme Berlins - ist die Problematik weit geringer.

Laut Definition ist ein Migrationshintergrund gegeben, wenn jemand keinen deutschen Pass besitzt - also Ausländer ist - oder im Ausland geboren wurde oder mindestens ein Elternteil von dort stammt. Auch die Spätaussiedler zählen dazu, nicht aber die Vertriebenen.

Rund 75 Prozent der Arbeitslosen mit Migrationshintergrund sind Hartz-IV-Empfänger und zwei Drittel haben keinen Berufsabschluss. Zum Vergleich: Bei den Arbeitslosen ohne Migrationshintergrund beziehen nur 60 Prozent Hartz IV und nur ein Drittel steht ohne Abschluss da. Doch selbst bei Akademikern - also Hochqualifizierten - besteht das Ungleichgewicht noch fort. Das Risiko keine Arbeit zu finden, ist doppelt so hoch.

Arbeitsmarktexperte Stietenroth sieht vorerst keinen besonderen Handlungsbedarf für seine Behörde. Die Jobcenter seien längst darauf vorbereitet, Arbeitssuchende individuell zu fördern. Berufsabschlüsse nachzuholen oder Sprachkurse anzubieten sei schon Förderschwerpunkt.

dpa

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