Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 14° Gewitter

Navigation:
Erdkabel in Gabriels Wahlkreis?

Stromtrasse Südlink Erdkabel in Gabriels Wahlkreis?

Bürgerinitiative fordern, die geplante Stromtrasse Südlink unter die Erde zu legen – meist ohne Erfolg. In der Region Peine/Hildesheim soll es allerdings eine Ausnahme geben. Das Pikante: Ausgerechnet der Wahlkreis von SPD-Chef Sigmar Gabriel könnte demnach in den Genuss der Erdverkabelung kommen.

Unerwünscht: Bürgerinitiativen wollen statt Strommasten lieber Erdkabel.

Quelle: Julian Stratenschulte

Baddeckenstedt. Viele Anlieger der geplanten Tennet-Höchstspannungsleitungen Südlink und Wahle-Mecklar wollen Erdkabel haben - bislang sind solche in der Region Peine/Hildesheim aber nicht vorgesehen. Das könnte sich jetzt ändern - doch gerade deshalb ist der nächste Ärger bereits programmiert. Und er könnte auch bundespolitisches Gewicht bekommen, sollte der Verdacht vor allem südniedersächsischer Stromtrassen-Anrainer sich bestätigen: Demnach dürfte ausgerechnet der Wahlkreis von Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel in den Genuss der begehrten Erdverkabelung kommen.

In einem sogenannten Referenten-Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums heißt es unter anderem: „Um den Einsatz von Erdkabeln (...) auf einer längeren Strecke als Pilotvorhaben zu testen, kann zusätzlich ein zehn bis 20 Kilometer langer Teilabschnitt des Abschnitts Wahle-Lamspringe (...) auf Antrag des Vorhabenträgers als Erdkabel errichtet und betrieben oder geändert werden.“ Das bedeutet: Wenn Netzbetreiber Tennet das beantragt, kann auf dem 60 Kilometer langen Stück zwischen dem Umspannwerk Wahle bei Peine und Lamspringe im südlichen Landkreis Hildesheim eine neue Pilotstrecke für Erdkabel entstehen.

Teilabschnitt liegt in Gabriels Wahlkreis

Das Pikante daran ist: Genau in diesem Teilabschnitt liegt die Samtgemeinde Baddeckenstedt - und die wiederum gehört zu Gabriels Wahlkreis. Dass die Verantwortlichen vor Ort auf die Unterstützung des SPD-Chefs setzen, ist kein Geheimnis. Samtgemeindebürgermeister Jens Range hat dem Vizekanzler deshalb schon vor gut einem Jahr geschrieben - auch wenn er damals dafür warb, die gesamte Trasse von Wahle nach Mecklar mit Erdkabeln zu bestreiten. Das allerdings gilt derzeit technisch und politisch als kaum durchsetzbar. Klar ist aber auch, dass einige aus Naturschutzsicht besonders sensible Abschnitte von Wahle-Mecklar auf Baddeckenstedter Gebiet liegen.

Im Süden Niedersachsens regt sich jedenfalls schon Protest gegen die Pläne, nur auf der Strecke Wahle-Lamspringe ein Erdkabel zu legen. „Ebenfalls extrem belastete Bereiche wie Bad Gandersheim, Einbeck oder Northeim sind ausgeschlossen“, ärgert sich Michael Becke als Sprecher des Bürgerinitiativen-Verbundes Mittleres Leinetal. Auch die Hildesheimer Südkreis-Bürgerinitiative schließt sich dieser Kritik an: „Ich wüsste nicht, wie man das fachlich begründen will“, sagte ihr Sprecher Guido Franke gestern auf Anfrage. „Sinnvoll wären grundsätzliche, bundesweit gültige Kriterien für Erdkabel.“

Von Tarek Abu Ajamieh

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.