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Ex-SPD-Landeschef Karl Ravens ist tot

Im Alter von 90 Jahren Ex-SPD-Landeschef Karl Ravens ist tot

Der ehemalige Landesvorsitzende der SPD in Niedersachsen, Karl Ravens, ist tot. Er starb am 8. September im Alter von 90 Jahren. Das bestätigte der SPD-Landesverband der HAZ.

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Quelle: Archiv

Hannover. Er hat in der Politik nie zu den ganz Mächtigen gehört, an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere war er sogar der große Verlierer. Und doch zählte Karl Ravens zu den prägenden Figuren der niedersächsischen SPD, weil er die eigene Karriere hinter das große Ganze zurückstellte. Und verlor - und gewann. Am Freitag ist Karl Ravens, der frühere Staatssekretär, Bundesbauminister, Oppositionsführer im Landtag gestorben - im Alter von 90 Jahren und „friedlich“, wie es in der SPD heißt.

Es ist wenige Wochen her, dass die SPD „ihren“ Karl Ravens zum 90. noch einmal hochleben ließ, denn der in Achim bei Bremen geborene Politiker war sehr beliebt, hoch angesehen nicht nur in der SPD. Er hat sich stets eine einfache, einprägsame Sprache erhalten - auch weil der Sohn eines Eisenbahnbauers keinen ganz einfachen Weg ging, sondern den sozialdemokratischen Aufstiegstraum verkörperte. Nach dem Krieg ließ er sich vom Metallflugzeugbauer zum Kraftfahrzeugschlosser umschulen und arbeitete lange als Lehrlingsausbilder bei der legendären Firma Borgward in Bremen, weshalb er zu hohen Geburtstagen schon mal ein Modellauto geschenkt bekam. Von den sozialistischen Falken war Ravens in die SPD gekommen, der er 67 Jahre lang angehörte.

Seine große Zeit hatte Ravens im Bonn der sechziger und siebziger Jahre, als er vom Parlamentarischen Staatssekretär (erst im Bundesbauministerium, dann im Kanzleramt Willy Brandts ) zum Bundesbauminister in das Kabinett Helmut Schmidts einzog. Die SPD-Oberen Brandt, Schmidt und Herbert Wehner schickten ihn 1976 nach Hannover, um die Macht im Leineschloss zu retten. Den „Befehl“ habe er ohne großes Tamtam angenommen, berichtete er einmal, obwohl sein Marschbefehl riskant war. Denn trotz einer sozialliberalen Mehrheit im Landtag von Hannover hatte SPD-Kandidat Helmut Kasimier bei der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht zweimal die Mehrheit verfehlt. So erging es auch Karl Ravens, auch er unterlag - dank „Abweichlern“ im sozialliberalen Lager, die niemals entdeckt wurden. Nicht wenige erinnerte der Machtverlust von Rot-Grün in diesem Sommer an die bewegten Tage im Jahre 1976. „Den Gang nach Hannover habe ich damals nicht als Opfergang empfunden, er war schlicht notwendig“, sagte Ravens im Gespräch mit dieser Zeitung. Zum Notwendigen zählte, dass er die SPD-Landtagsfraktion als Vorsitzender übernahm (1978 bis 1986) - als Oppositionsführer.

Er hat, obwohl schon seit 1990 raus aus der aktiven Politik war, nie von der Politik lassen können, war stets mit Leidenschaft dabei. Auch wenn ihm eine schwere Krankheit immer wieder zusetzte. In der SPD nannten sie ihn, diesen leisen, nachdenklichen Mann, der für seine Sache aber auch kämpfen konnte, den „Anständigen“. „Er hat sich nie gedrückt, sondern seine eigenen Belange hintangestellt“, sagt SPD-Landesgeschäftsführer Georg Brockmeier. Noch zum letzten Landesparteitag am 3. September hatte sich Karl Ravens angemeldet.  

"Die SPD hat ein Vorbild verloren", würdigte Ministerpräsident Stephan Weil den Verstorbenen.

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