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FH Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven vor unsicherer Zukunft

Ein Reformprojekt zerbröselt FH Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven vor unsicherer Zukunft

Im Streit um Standorte wird Niedersachsens größte Fachhochschule zerrissen.

Die Stimmung an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven (FH OOW) ist gedrückt. Die seit Jahren schwelenden Rivalitäten zwischen den einzelnen Standorten und die Abwahl der amtierenden Präsidentin Vera Dominke zehren an den Nerven der Studierenden und Professoren. Viele Studierende machen sich Sorgen um ihre Zukunft, denn wie es mit der FH weitergeht, ist nach wie vor ungewiss. Jeden Tag überlege man, was nun morgen passiere, „das ist ungeheuer belastend“, sagt Matthias Christian Bullmahn, Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Nordwest. Er und der studentische Senator, Alexander Schumacher, fordern jetzt, die Standorte Wilhelmshaven und Oldenburg (mit Elsfleth) vom Standort Emden mit Leer (FH Ostfriesland) zu trennen und zwei externe Präsidenten einzusetzen, die „mit eiserner Hand durchgreifen“, wie Bullmahn sagt.

Mit etwa 10 000 Studierenden ist die FH OOW die größte in Niedersachsen, entstanden aus einer vom Land veranlassten Fusion im Jahr 2000. Bislang sei es noch keinem gelungen, „diesen Ameisenhaufen zu bändigen“, sagt Bullmahn. Mit Vera Dominke scheitert bereits die dritte Präsidentin der Fachhochschule daran, an den fünf Standorten eine gemeinsame, klare Linie zu etablieren. Machtspiele und Rivalitäten gibt es besonders zwischen Emden und Wilhelmshaven: Beispielsweise ist der Wilhelmshavener Wirtschaftsbereich in vieler Hinsicht besser aufgestellt als der in Emden, muss aber im kommenden Jahr um den bislang von der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA) nur vorläufig beglaubigten Bachelor-Studiengang fürchten. Der Grund: Das Wissenschaftsministerium blockiert fünf Professorenstellen, die zur Einhaltung der Normzahl fehlen. 2003 gab es dort noch mehr als 30 Professoren für 1000 Studierende, jetzt sind es 20 Dozenten für 1400 Lernende.

So war es auch eine Emder Professorin, die Dominkes Abwahl beantragt hatte. Unter Verschluss bleibt aber, warum der FH-Senat die 55-Jährige mit einer Dreiviertelmehrheit geschasst hat. Der Antrag war nicht begründet: Nach dem Hochschulgesetz ist das erlaubt, spiegelt aber einmal mehr die internen Streitigkeiten wider.
Bullmahn ärgert vor allem, dass die Machtspiele „auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen“ werden und die Bildung darunter leidet. Der RCDS fordert, Wissenschaftsstaatssekretär Josef Lange (CDU) die Zuständigkeit für die niedersächsischen Fachhochschulen zu entziehen. Er habe als „graue Eminenz im Hintergrund die Fäden gezogen“ und gemeinsam mit Vizepräsidentin Christiane Claus die Streitigkeiten geschürt, sagte Bullmahn. Lange selbst und mittlerweile auch der Landesverband des RCDS distanzieren sich von den Vorwürfen.

Dass der am 19. Dezember in Hannover tagende Hochschulrat Dominkes Abwahl bestätigt, gilt als sicher. In letzter Instanz entscheidet dann Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU). Wie es mit der Hochschule selbst weitergeht, wird sich erst Ende Januar herausstellen. Dann tagt die von Stratmann eingesetzte unabhängige Strukturkommission.
Eigentlich hätte das Gremium im Dezember über die Zukunft der FH entscheiden sollen, doch wegen der schwierigen Lage brauche sie noch einen Termin mehr, sagte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Dann werde auch über die Besetzung der Professorenstellen entschieden.

von Susanne Wallentin

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