Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Flüchtlinge müssen im Winter in Zelten schlafen
Nachrichten Politik Niedersachsen Flüchtlinge müssen im Winter in Zelten schlafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 11.10.2015
Zelte als Notunterkunft: In Niedersachsen kommen jeden Tag 1000 Flüchtlinge an. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Die kalte Jahreszeit hat begonnen - und trotz frostiger Nächte mit Minustemperaturen müssen derzeit noch 4000 Flüchtlinge in Niedersachsen in Zelten leben. Nun müssen die Notquartiere schnell winterfest gemacht werden. Bis Ende Oktober sollen die Zelte entweder beheizt oder durch winterfeste Schnellbauhütten ersetzt werden, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Geräumt wird das als Notunterkunft genutzte Ferienzeltlager in Otterndorf an der Nordseeküste. Die 650 Flüchtlinge ziehen in Unterkünfte im Kreis Cuxhaven.

Auch in Bremen werden Flüchtlinge über den Winter in luftiger Behausung wohnen müssen. Dafür will das Land spezielle Zelte anschaffen, die isoliert und mit Fenstern ausgestattet sind. 1000 der fast 5000 Plätze in Bremer Notunterkünften sind zurzeit nicht winterfest. Das Sozialressort kann nicht ausschließen, dass normale Zelte für die kalte Jahreszeit nachgerüstet werden müssen. „Wir müssen unsere Standards ständig weiter absenken, um den Menschen überhaupt noch ein Dach über dem Kopf zu bieten“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). 

Die Sportvereine in niedersächsischen Städten und Gemeinden planen unterdessen mit Beginn der Hallensaison neu, denn in etliche Sporthallen sind inzwischen Flüchtlinge eingezogen. „Die Lage ist mittlerweile absolut dramatisch“, sagt Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. In Niedersachsen gebe es einen Zuzug von 1000 Flüchtlingen pro Tag, das mache allein bis zum Jahresende etwa 90 000 Menschen aus. „Vom Schul- und Vereinssport wird man sich flächendeckend verabschieden können - auf unbestimmte Zeit“, sagte Trips.

In Hannover sind 10 von rund 160 Hallen belegt, sagte der Geschäftsführer des Stadtsportbundes Hannover, Roland Krumlin. „Im Sommer war das einfacher, jetzt im Herbst ist es eine Herausforderung.“ Versucht wird, Ersatzzeiten in anderen Hallen anzubieten, doch im Winterhalbjahr sind die meisten Hallen ohnehin zu 100 Prozent ausgelastet.

In den Osnabrücker Sporthallen sind bislang keine Flüchtlinge eingezogen, doch auch in Braunschweig sehen sich die Sportvereine nach Lösungen um. Nach Angaben der Stadtverwaltung wird dort zurzeit eine Turnhalle als Unterkunft genutzt, zwei weitere sind für den Notfall vorgemerkt. Eine Sporthalle in Braunschweig sei zudem durch Brandstiftung zerstört worden, die Situation sei schwierig. „Was mit Punktspielen, dem Ligabetrieb und dem Training wird, bleibt abzuwarten. Wir müssen das Beste daraus machen“, sagte Wolfram Wehling vom Stadtsportbund Braunschweig.

Von Martina Steffen/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Sie wollen auch einen kleinen Beitrag leisten, um Flüchtlingen in der Region Hannover zu helfen? Dann sind Sie hier genau richtig: Das neue Web-Portal "Hannover hilft" bildet eine Brücke zwischen freiwilligen Helfern und professionellen Organisationen – damit die Hilfe genau dort ankommt, wo sie benötigt wird.

11.10.2015

Am frühen Sonntagmorgen ist am Laatzener Messebahnhof ein weiterer Sonderzug mit Flüchtlingen angekommen. Die rund 425 Menschen wurden von zahlreichen Helfern und Dolmetschern in Empfang genommen und anschließend von Laatzen aus mit acht Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gebracht.

11.10.2015

Unbekannte haben eine Asylunterkunft in Tostedt mit Hakenkreuzen und politisch motivierten Sprüchen beschmiert. Der Wachdienst habe am Sonnabendmorgen noch zwei Verdächtige bemerkt, die in einem Wohngebiet verschwunden seien, teilte die Polizei Harburg mit. Eine Fahndung verlief erfolglos.

10.10.2015

Sie leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland, sie lehnen darum Gerichte, Finanzämter und alle anderen Behörden ab. Die sogenannten „Reichsbürger“ nerven damit zunehmend auch die Justiz in Niedersachsen - wobei beim Land niemand so richtig darüber reden will.

Karl Doeleke 13.10.2015

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) hat am Freitag in Hannover Patenschaftsurkunden an Mehrlingsfamilien übergeben. Rund übernimmt seit einigen Jahren die Ehrenpatenschaft für Drillings- oder Vierlingskinder aus Niedersachsen.

09.10.2015

Das Grundgesetz auf Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch hängt seit Freitag in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt Celle. "Jeder und jede soll erkennen, was unsere Richtschnur ist, was Deutschland zusammenhält und leitet", sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). 

09.10.2015
Anzeige