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Was geschah wirklich vor dem Tod des Soldaten?

Viele Fragen offen Was geschah wirklich vor dem Tod des Soldaten?

Nach dem Kollaps eines Offiziersanwärters während eines Übungsmarschs Mitte Juli in Munster hat die Bundeswehr einen vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt. Doch die Angaben bleiben vage. Die Bundeswehr räumt Fehler der Ausbilder ein – doch viele Fragen bleiben offen. Was wir bisher wissen.

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„Ungünstige Verkettung von Umständen und Faktoren“: Die Bundeswehr findet keine echte Ursache für die Tragödie bei einem Übungsmarsch.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Hannover/Berlin. Ein Offizieranwärter ist tot, drei weitere kämpfen noch immer mit den Folgen ihres Kollapses während eines Übungsmarsches Mitte Juli in Munster. Über Wochen hat eine Untersuchungsgruppe der Bundeswehr den Vorfall geprüft und nun einen vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt. Darin wird der Ablauf des Hitzemarsches nachvollzogen. Aber die Frage, wie es zu dem tragischen Todesfall kommen konnte, bleibt offen.

Was schreibt der Bericht über die Gründe für die Zusammenbrüche?

„Die Ursachen, die zum Tod des Offizieranwärters und zu den schwerwiegenden Erkrankungen von drei weiteren Soldaten führten, konnten bislang nicht vollständig aufgeklärt werden“, lautet ein zentraler Satz des 42-seitigen Berichts. Es habe sich in jedem einzelnen Fall um eine „ungünstige Verkettung von Umständen und Faktoren“ gehandelt. Ferner verweisen die Bundeswehr-Ermittler auf die laufenden Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg.

Wurden die Soldaten schikaniert?

Die Offiziersanwärter waren am Morgen des 19. Juli zu einer Übung „Tarnen und Täuschen“ gefahren. Weil sie Teile ihrer Ausrüstung vergessen hatten, mussten 29 Soldaten zurück zu der drei Kilometer entfernten Unterkunft marschieren, darunter die vier Offiziersanwärter. Einige mussten auf dem Weg zehn Liegestütze absolvieren. Das sei falsch gewesen, heißt es im Bericht, denn: „Die Soldaten sollen zu Beginn ihrer Ausbildung schrittweise an körperliche Belastung herangeführt werden.“ Zudem sei es falsch gewesen, sie mit Helmen und Splitterschutzwesten marschieren zu lassen. Gleichzeitig betont der Bericht immer wieder, dass die Ausbilder ihre Schützlinge bei den sommerlichen Temperaturen von 27 Grad ans Wassertrinken erinnert und sich nach deren Wohlbefinden erkundigt haben. Aus der Truppe in Munster hieß es, dass eine solche Belastung nichts Ungewöhnliches sei: 1500 Offizieranwärter hätten solche Ausbildungsmärsche absolviert, ohne Schaden zu nehmen.

Waren Drogen im Spiel?

Dafür gibt es keine Hinweise. Medikamente könnten gleichwohl eine Rolle gespielt haben. Der gestorbene Soldat und die drei schwer verletzten Rekruten hatten mehrere Schmerzmittel und Entzündungshemmer in ihren Spinden, außerdem ein Schilddrüsenhormon, Antiallergika und das bei Bodybuildern beliebte Kreatin. Zudem hatte der verstorbene Soldat in kurzer Zeit sehr viel Gewicht verloren. Vor Beginn seiner Ausbildung im Juli war er mit mehr als 100 Kilogramm bei 1,80 Meter Größe als zu dick befunden worden. Er sollte vier Kilo verlieren. Nach Angaben seiner Mutter hatte der junge Mann sich zu einer harten Diät entschlossen: Nur zwei Äpfel und zwei Brötchen am Tag.

Was ist mit der Blutvergiftung?

Die Obduktion der Staatsanwaltschaft Lüneburg hat ergeben, dass der Soldat an einer Sepsis und einem multiplen Organversagen verstorben ist. Eine Erklärung, wie es zu der Blutvergiftung gekommen sein könnte, gibt es in dem Bericht nicht.

Welche Konsequenzen zieht die Bundeswehr?

Die Untersuchungsgruppe empfiehlt, die Ausbildungsregeln zu ändern: Vor Eingewöhnungsmärschen sollen Rekruten über Maßnahmen gegen Hitzschlag geschult werden.

Von Jörg Köpke und Heiko Randermann

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