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Niedersachsen Ministerin krempelt Schulsystem um
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerin krempelt Schulsystem um
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00:21 13.09.2014
Von Saskia Döhner
Alles neu im Schulsystem – und auch in vielen hannoverschen Schulen: Am Welfenplatz startet jetzt die ehemalige Albrecht-Dürer-Förderschule als Grundschule. Viele Neuerungen, die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt auf den Weg bringen will, könnten für die neuen Erstklässler künftig gelten. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Damit werden zudem die Weichen für mehr Ganztagsschulen, die Abschaffung der Laufbahnempfehlung am Ende der Grundschulzeit sowie die Rückkehr zum Abitur nach 13 statt zuletzt zwölf Schuljahren gestellt.

Kritik entzündet sich vor allem daran, dass die Hürden für Gesamtschulen deutlich gesenkt werden sollen. Bislang sind Gesamtschulen nur eine ergänzende Schulform, künftig sollen sie ersetzend sein. Das heißt, sie können andere Schulformen wie Haupt- und Realschulen verdrängen. Die Gegner des Konzepts befürchten, dass nun auch die Gymnasien ins Hintertreffen geraten. Die Opposition im Landtag spricht von einem „Angriff auf die Bildungsvielfalt“. Björn Försterling (FDP) prophezeit „ein Jahr der Unruhe“. Kai Seefried (CDU) befürchtet ein Chaos.

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Ministerin Heiligenstadt hält dagegen, es würden „nur irrationale Ängste geschürt“. „Wir werden die beliebteste Schulform des Landes nicht antasten“, verspricht sie mit Blick auf die Gymnasien. Durch die geplante Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren werde es vermutlich sogar noch Zulauf für die Gymnasien geben. In der Praxis ist das jedoch etwas kompliziert. So sieht die Gesetzesnovelle vor, dass jeder Schüler weiterhin in zumutbarer Entfernung ein Gymnasium erreichen können muss. Als zumutbar gilt ein Schulweg von jeweils einer Stunde. Weil immer mehr Schulen auf Ganztagsbetrieb umstellen, könnte dies bedeuten, dass Gymnasiasten auf dem Land morgens um 6.30 Uhr das Haus verlassen müssen und erst gegen 17.30 Uhr zurückkehren. Viele Eltern könnten sich dann doch lieber für die näher gelegene Integrierte Gesamtschule entscheiden, befürchten Gymnasialverbände und warnen vor Schulschließungen.

Gravierend ist auch die Abschaffung der Laufbahnempfehlung am Ende der Grundschulzeit: Es gibt damit keinen dokumentierten Hinweis mehr, welche weiterführende Schule die geeignetste für das Kind ist. Zwar gilt schon jetzt der freie Elternwille, und Kinder mit einer Realschulempfehlung können auch auf einem Gymnasium angemeldet werden. Wer jedoch in den ersten beiden Jahren zweimal sitzenblieb, konnte auf Basis der Empfehlung und gegen den Willen der Eltern auf eine Realschule geschickt werden. Künftig ist das nicht mehr möglich. Durch die Verbesserung der Lernbedingungen will die Ministerin das Sitzenbleiben ohnehin überflüssig machen. Auch will sie die Gründung neuer, vepflichtender Ganztagsschulen gesetzlich erlauben. Schon ab diesem Schuljahr erhalten die Ganztagsschulen eine deutlich bessere Ausstattung: Insgesamt stellt das Land 60 300 Stunden für den Ganztagsbetrieb zur Verfügung - „so viel wie noch nie“, sagte Heiligenstadt.

Weniger Schüler, mehr Lehrer

Für 850 000 Schüler in Niedersachsen beginnt heute das neue Schuljahr – das sind etwa 20 000 weniger als im Vorjahr. Die rund 70 500 Erstklässler werden am Sonnabend eingeschult. Das Land hat 2300 neue Lehrer eingestellt, die Zahl der Pädagogen steigt damit landesweit auf rund 86 000. Allein 300 Lehrer wurden für den gemeinsamen Unterricht aller Kinder im  Rahmen der Inklusion zusätzlich eingestellt. Bis Ende 2018 sollen zwei Drittel aller 2800 Schulen Ganztagsschulen sein. Zum neuen Schuljahr wurden 113 Anträge genehmigt, damit steigt die Zahl der Ganztagsschulen auf derzeit 1700. Heute starten auch zehn neue Integrierte Gesamtschulen – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Drei davon liegen in der Region Hannover – in Langenhagen-Süd, Uetze und Springe. In der Stadt Hannover nimmt Niedersachsens einzige neue Grundschule, die Grundschule am Welfenplatz, ihren Betrieb auf. Das Gymnasium bleibt die beliebteste Schulform; es wird von mehr als 35 Prozent der Fünft- bis Zehntklässler besucht.

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