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Niedersachsen Fünf Jahre bis zur Arbeitsmarktreife
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00:20 10.12.2015
Mit gezielter Qualifikation wollen Politik und Wirtschaft arbeitswillige Flüchtlinge auch arbeitsfähig machen.   Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

„Die Integration entwickelt sich zu der entscheidenden politischen Aufgabe der nächsten Jahre“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil bei der niedersächsischen Migrationskonferenz. Viele der Menschen, die zu uns kämen, würden lange bleiben. „Die Flüchtlinge von heute werden die Nachbarn und Arbeitskollegen von morgen“, so Weil. Das Qualifikationsniveau der Neuankömmlinge sei aber sehr unterschiedlich, räumte Weil ein. Es sei daher nicht unrealistisch, bei jedem Flüchtling mit einer Vorbereitungszeit von fünf Jahren zu rechnen, bis dieser für den deutschen Arbeitsmarkt bereit sei. „Ein Jahr Sprachkurs, drei Jahre Ausbildung, ein Jahr Berufsqualifikation - da kommen schnell fünf Jahre zusammen“, rechnet der Ministerpräsident vor. „Es bedarf einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung. Das ist keine Chance, die uns in den Schoß fallen wird.“

Dass die Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebraucht werden, glauben 62 Prozent der Niedersachsen - das hat eine Umfrage des NDR ergeben. 42 Prozent der Befragten sagten, sie hätten Angst vor vielen Flüchtlingen. 67 Prozent meinen zudem, dass die Verschuldung der öffentlichen Haushalte durch die Bewältigung der Flüchtlingskrise steigen wird.

Danach sieht es derzeit nicht aus, auch weil die Wirtschaft in Niedersachsen sich weiterhin robust zeigt. Die Arbeitslosigkeit sei stabil niedrig bei 5,8 Prozent. Um aber Wirtschafts- und Jobwachstum zu behalten, sei Deutschland auf Einwanderung angewiesen, sagte Weil, zumal 4,5 Millionen Arbeitnehmer in den nächsten Jahren in den Ruhestand gingen.

Zwei Drittel aller Flüchtlinge - die meisten davon Männer - seien unter 35 Jahre alt, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. „Wenn wir einen 35-Jährigen qualifizieren, hat der noch 30 Arbeitsjahre vor sich - das lohnt sich.“ Schlüsselkompetenz seien deutsche Sprachkenntnisse, deshalb will das Land hier seine Anstrengungen verstärken. Unter anderem sollen nächstes Jahr online audiovisuelle Sprachkurse für Flüchtlinge angeboten werden.

Gemeinsam mit der Handwerkskammer habe man sich außerdem für das Jahr 2016 vorgenommen, 500 Flüchtlinge in eine Ausbildung im Handwerk zu vermitteln, so Lies. „Mehr wäre schön, aber wir müssen das realistisch sehen“ - es sei wichtig, jetzt Erfolge statt Enttäuschungen zu produzieren. „Wir wollen keine angelernten Hilfsarbeiter produzieren“, sagte Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen.

Der Wirtschaftsminister sprach sich außerdem dafür aus, arbeitsmarktpolitische Instrumente zu lockern. Die Vorrangprüfung, die bestimmt, dass ein Job nur an einen Ausländer vergeben werden darf, wenn kein Deutscher oder EU-Bürger dafür gefunden werden kann, solle nicht starr angewendet werden. Außerdem brauche Deutschland ein Einwanderungsgesetz, das den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt regele.

Der Chef der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller, sprach sich bei der Berufsberatung für Flüchtlinge für das Prinzip „Fördern und Fordern“ aus. „Wir müssen in erster Linie dafür sorgen, dass Hartz IV nicht spannender ist, als in eine Ausbildung zu kommen“, sagte Müller.

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