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Andretta einstimmig zur Landtagspräsidentin gewählt

Neuer Landtag Andretta einstimmig zur Landtagspräsidentin gewählt

Die Abgeordneten des neuen Niedersächsischen Landtags haben am Dienstag einstimmig die Sozialwirtin Gabriele Andretta zur neuen Landtagspräsidentin gewählt. Die 56-jährige Sozialdemokratin löst den Christdemokraten Bernd Busemann in diesem Amt ab.

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Gabriele Andretta nimmt nach der Wahl Glückwünsche von Ministerpräsident Stephan Weil entgegen. 

Quelle: dpa

Hannover. Auf ihrem Wunschzettel zu Beginn ihrer Berufskarriere hat gewiss nicht Landtagspräsidentin gestanden. Eher Wissenschaftlerin, Professorin. Aber irgendwann hat Gabriele Andretta, promovierte Sozialwirtin, zu spüren bekommen, dass beides gleichzeitig geht – Politikerin und Wissenschaftlerin.

Die 137 Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags kommen erstmals zusammen. Es ist eine Doppelpremiere – es beginnt auch die Arbeit im erneuerten Landtagsgebäude.

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Seit Dienstag ist die hochgewachsene Frau, die nie ganz die Sprachmelodie des Hunsrück abgelegt hat, aus dem sie stammt, Landtagspräsidentin. Die erste Frau auf diesem Posten in Niedersachsen. Aber dass das nicht so bleiben soll, hat sie gleich in ihrer ersten Rede klargemacht. Denn 37 Frauen gegenüber 100 Männern im Landtag ist keine vielversprechende Quote. „Wir müssen überlegen, wie wir und die Parteien den Frauen mehr Chancen bieten“, sagte Andretta. Der Beifall klang nicht überschwänglich.

In zwei Schattenkabinetten

Seit 1998 sitzt sie, die zuvor am Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen und an der Universität gearbeitet hat, im Landtag. Ihre ersten Jahre dort hat Andretta als durchaus harte in Erinnerung. Denn damals war sie praktisch eine Alleinerziehende. Tochter Luna, die kurz nach Linus kam, musste noch gestillt werden, weshalb die junge Abgeordnete oft mit Baby am Bauch fotografiert wurde. „Heute eröffnet sogar der Landtag eine Kita“, sagt Andretta und lacht. Ein wenig grimmig. Denn die Sache der Frau muss ständig erkämpft werden. Andretta erwähnt in ihrer Antrittsrede Clara Zetkin, die Frauenrechtlerin und Kommunistin – ein neuer Ton im Landesparlament. Aber sie wolle, sagt sie sehr bestimmt, „eine Präsidentin für alle sein“ – fair, gerecht, unparteiisch.     

Die Niedersachsen haben ihren neuen Wahltag gewählt. Alle Abgeordneten von SPD, CDU, Grünen, FDP und AfD in der Übersicht.

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Lange Zeit galt Gabi Andretta („Gabriele“ sagt kaum einer zu ihr), als die Mehrzweckwaffe, pardon, Sprecherin der SPD, wenn es um Wissenschaftspolitik ging. In zwei Schattenkabinetten hat sie schon gesessen, jetzt auch mit der Union verhandelt. Aber der Gedanke reifte, auch noch mal die Rolle zu wechseln.

"Mehr Bildung wagen"

Dass sie vom Dorf kommt und aus einer Gegend, die der Regisseur Edgar Reitz in seiner „Heimat“-Trilogie bekannt machte, glaubt man kaum. Denn sie, die aus einem klassischen sozialdemokratischen Arbeiterhaushalt stammt, den es heute gar nicht mehr so gibt, hat sich hochgearbeitet. Sie war die erste, die ein Abitur erwarb, die studierte, die einen Doktortitel hatte, die ein Stipendium bekam. Der Vater, ein Maurer, staunte.

Auch wegen dieses Bildungsweges hat sie die Studiengebühren gehasst. Politisiert sei sie durch Willy Brandt: „Mehr Bildung wagen“. Für den Eintritt in die Juso-Hochschulgruppe in Göttingen reichte das, wo sie mit Stephan Weil und Thomas Oppermann politisierte, als die noch lange Haare hatten.     

Daten

Die 137 Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags kommen zusammen. Wer sitzt da eigentlich im Parlament?   Ein Blick auf die Zahlen.

Für den Eintritt in die SPD nicht, denn die stand damals für den Nato-Doppelbeschluss, die Nachrüstung. Beides kam. Irgendwann kam auch Andretta in die SPD. Sie gewann immer größeren Spaß an ihrem Landtagsmandat, das sie stets direkt gewann. Und wegen der Kinder war ein Sprung nach Berlin gar nicht drin. Denn Andretta ist ein Familienmensch. Nun macht Luna Abitur, und die Mutter ist Landtagspräsidentin. Die erste Rede hat sie natürlich selbst geschrieben. Überhaupt ist Andretta keine Frau, die sich etwas vorschreiben lässt, weshalb manche sie für schwierig halten. Sie wird, keine Frage, eine ambitionierte Präsidentin. 

Jahrelang wurde gebaut: Nun wird der neue Landtag eröffnet.

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Die Politik müsse die Bürger, die sich abgehängt fühlen, wieder zurückgewinnen, hat sie gesagt. Sie hat das Image der Politiker mit dem von Gebrauchtwagenhändlern verglichen, was man im Landtag selten hört. Man wird noch von ihr hören.   

Profilierte Wissenschaftspolitikerin

Gabriele Andretta  arbeitet seit fast 20 Jahren als SPD-Abgeordnete im Landtag in Hannover. Ursprünglich stammt sie aus der Moselregion in Rheinland-Pfalz. Zum Studium kam sie als junge Frau nach Göttingen, wo sie seitdem lebt. Andretta studierte Sozialwissenschaften, Volkswirtschaft und und Psychologie, während ihrer Studienzeit trat sie in die SPD ein. Später machte sie ihren Doktor und arbeitete danach am Soziologischen Forschungsinstitut und an der Uni in Göttingen, bevor sie 1998 erstmals in den Landtag einzog. Die 56 Jahre alte Mutter zweier Kinder kümmerte sich vor allem um Wissenschaftspolitik, im Landtagswahlkampf 2013 gehörte sie zum Schattenkabinett von Stephan Weil. Seit 2013 ist Andretta Vizepräsidentin des Landtags.

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