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Fremdenverkehr

Gastwirte wollen Entlastung von der Steuer

Von Klaus Wallbaum

Die Urlaubsquartiere in Niedersachsen können derzeit zwar nicht über einen Mangel an Gästen klagen – doch das Gastgewerbe verlangt trotzdem dringend besondere Hilfen von der Politik.
Der Nordsee-Tourismus gedeiht bisher in diesem Sommer - wie hier in Hooksiel.

Der Nordsee-Tourismus gedeiht bisher in diesem Sommer - wie hier in Hooksiel.

© David Hecker/ddp

„Der Mehrwertsteuersatz für Angebote in den Gaststätten muss von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden“, forderte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes in Niedersachsen (Dehoga), Hermann Kröger. Leider verhalle diese Forderung in der derzeitigen Bundesregierung ungehört.

Nachdem Frankreich erst kürzlich als Reaktion auf die Wirtschaftskrise seine Mehrwertsteuer gesenkt habe, hätten die deutschen Unternehmen eine „in Europa einmalig hohe Belastung zu tragen“, sagte Kröger vor Journalisten in Hannover: „Der Gast bekommt sein Schnitzel zum gleichen Preis wie in den Niederlanden, aber während dort die Hotels genügend Einnahmen haben und investieren können, ist das den deutschen Unternehmen nicht mehr möglich.“ Enttäuscht sei der Dehoga in erster Linie von der Bundesregierung, als „zaudernd und wackelnd“ wird von ihm aber auch die Position von Ministerpräsident Christian Wulff in dieser Frage beschrieben. Die Verringerung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie hätte zur Folge, dass dem Staat Einnahmen von 3,8 Milliarden Euro jährlich verloren gingen. Kröger sieht allerdings 100.000 Jobs im Fremdenverkehrsgewerbe in Gefahr, sollte es beim hohen Mehrwertsteuersatz bleiben.

Aktuell leidet der Fremdenverkehr in Niedersachsen aber nach Ansicht des Dehoga-Chefs und des Vorsitzenden des Tourismusverbandes, Sven Ambrosy, nicht unter der Wirtschaftskrise. Von Januar bis April 2009 habe man in Niedersachsen 800.000 mehr Übernachtungen gezählt als in den ersten Monaten des Vorjahres. Vor allem der Harz habe profitiert. Der Dehoga-Präsident geht außerdem davon aus, dass die Nordseeküste in diesem Jahr ein „Profiteur von der Wirtschaftskrise“ sein könne. Die Nachfrage dort sei riesig, zumal viele Urlauber als eine Folge der Wirtschaftskrise auf Fernreisen verzichteten und lieber Ziele in der Nähe ansteuerten.

Der Tourismusverband hadert aber mit der Planung der Schulferien in den Bundesländern. Vor allem die Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hätten häufig zur gleichen Zeit Sommerferien, sodass in einer kurzen Zeit eine starke Nachfrage auf den Urlaubsquartieren an der Nordsee laste – und außerhalb dieser Wochen die Auslastung nicht mehr gegeben sei. Eine Entzerrung sei sinnvoll, bleibe aber Wunschdenken der Fremdenverkehrswirtschaft. „Die Politik insgesamt hat noch nicht erkannt, dass der Tourismus ein Pfund ist, mit dem man wuchern kann“, klagte Ambrosy, der im Hauptberuf Landrat in Friesland ist. Er rief die Niedersachsen dazu auf, nicht bescheiden zu bleiben, sondern selbstbewusster zu werben.

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