Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Krankheiten von Flüchtlingen keine Bedrohung
Nachrichten Politik Niedersachsen Krankheiten von Flüchtlingen keine Bedrohung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 13.09.2015
In vielen Unterkünften sind Flüchtlinge auf beengtem Raum untergebracht. Das birgt auch gesundheitliche Gefahren - die Experten allerdings für beherrschbar halten. Quelle: Dpa
Anzeige
Hannover

Es habe Brandbriefe von Landräten gegeben, die sich Sorge um den Gesundheitszustand der Flüchtlinge  machten, sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler bei der Sondersitzung des niedersächsischen Landtags am Donnerstag. Personen, die sich möglicherweise mit Windpocken angesteckt hatten, waren ohne Gesundheitsprüfung auf die Kommunen verteilt worden. "Das Land muss einen Gesundheitsschutz gewährleisten", forderte der CDU-Fraktionschef von der Landesregierung. Das sei derzeit nicht gewährleistet, weil offenkundig die Mitarbeiter in den Aufnahmeeinrichtungen nicht mehr hinterherkämen mit den Gesundheitschecks.

Es sind nicht nur Windpocken. "Unter den derzeitig zahlreichen eintreffenden Asylsuchenden kam es in den letzten Wochen zum vereinzelten Auftreten schwerer, seltener, zum Teil mit der Fluchtreise assoziierten Erkrankungen", schrieb das Robert-Koch-Institut vergangene Woche in einem Bulletin für medizinisches Personal in ganz Deutschland. So könne es sein, dass Asylsuchende mit einer Malaria-Infektion anreisen oder eine Tuberkulose-Erkrankung mitbrächten. Gerade wenn sie sich wochenlang irgendwie durch Europa geschlagen hätten, seien zudem hygienebedingte Erkrankungen wie Krätze oder Läusebefall denkbar. Grundsätzlich gelte aber, dass bei allen diesen Krankheiten "eine Ausbreitung in die Allgemeinbevölkerung sehr unwahrscheinlich" sei, betonen die Experten des Instituts.

Denn Malaria werde durch Mücken, nicht aber von Mensch zu Mensch übertragen. Krätze oder  Läuse seien leicht zu behandeln. Tuberkulose wiederum sei erst ansteckend, wenn es bereits Lungenveränderungen gegeben hat. Nach diesen Symptomen wird beim ersten Gesundheitscheck geschaut: "Flüchtlinge werden bei Aufnahme in eine Erstaufnahmeeinrichtung durch eine Röntgenaufnahme auf TBC hin untersucht", erklärte das Landesgesundheitsamt auf Anfrage. Außerdem erfolgen weitere Medizinchecks in den Kommunen - sollte eine latente Tuberkulose-Erkrankung bei der ersten Prüfung nicht festgestellt worden sein, würde sie spätestens dann erkannt werden.

Zusätzlich werden alle Flüchtlinge auf ihren Impfstatus gegen Infektionskrankheiten wie Masern oder Röteln untersucht. Im Zweifel sollten alle Asylbewerber gegen diese Krankheiten geimpft werden, auch um die Gefahr einer Epidemie in den überfüllten Aufnahmeeinrichtungen zu mindern.

von Heiko Randermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Niedersachsen Initiative für Flüchtlinge geplatzt - Parteien können sich nicht einigen

Noch vor der Marathon-Debatte im Landtag gab es eine Initiative, im Plenum auch Beschlüsse zu fassen und nicht nur endlos zu streiten. Doch die Idee scheiterte an der Parteipolitik.

13.09.2015

Wie geht Niedersachsen mit den steigenden Zahlen an Flüchtlingen um? Der Landtag berät heute in einer für mehrere Stunden angesetzten Sondersitzung über diese Frage. Ministerpräsident Weil räumte ein, dass die Aufnahmeeinrichtungen des Landes an ihre Grenzen gelangt seien. 

10.09.2015
Niedersachsen Innenminister Pistorius im Interview - "Wir tun alles, damit niemand friert"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius spricht im HAZ-Interview über die Flüchtlingshilfe, Kapazitätsgrenzen in den Notunterkünften und den kommenden Winter. Bis Ende des Jahres werde Niedersachsen über mehr als 15.000 Aufnahmeplätze verfügen, sagt Pistorius.

12.09.2015
Anzeige