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„Unternehmerkinder, die sich zusammenrotten“

Grünen-Attacke gegen Gymnasiasten „Unternehmerkinder, die sich zusammenrotten“

Anja Piel, Fraktionschefin der Grünen, hat mit einer Verbalattacke gegen Gymnasiasten für einen Eklat gesorgt. Bei einer Diskussionsveranstaltung soll sie pauschal von „Unternehmerkindern, die sich zusammenrotten“ gesprochen haben. Eltern- und Lehrervertreter reagierten empört.

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Gymnasiasten in Niedersachsen – hier am Martino-Katharineum in Braunschweig.

Quelle: dpa

Hannover. Der rot-grünen Landesregierung droht in der Schulpolitik ein neuer Streit: Eltern- und Lehrervertreter von Gymnasien haben mit Empörung auf Äußerungen der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anja Piel reagiert. Piel hatte Ende vergangener Woche an einer Diskussion der Hamelner Grünen über die Schullandschaft des Landkreises Hameln-Pyrmont teilgenommen und die Gymnasien dabei mit scharfen Worten attackiert. „Eltern mit hohen Einkommen wollen ihre Kinder immer noch von den ,Schmuddelkindern’ fernhalten“, sagte Piel laut einem Bericht der Hamelner Zeitung „Dewezet“. Kinder aus einkommensschwachen Familien müssten aber die gleichen Bildungschancen erhalten wie die Unternehmerkinder, „die sich jetzt an den Gymnasien zusammenrotten“, so Piel weiter. Der Weg für den schulischen und beruflichen Erfolg der anderen müsse endlich freigemacht werden, forderte die Hamelner Landtagsabgeordnete.

Piel offenbare mit ihren Äußerungen eine „gymnasialfeindliche“ Haltung, kritisierte Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin des Verbands der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens. „Allein diese verächtlich machenden Formulierungen sind für mich ein Schlag ins Gesicht.“ Auf den Gymnasien gebe es Kinder aus allen sozialen Schichten, auch Migranten. Die Vorstellung, dass sich am Gymnasium eine elitäre Schülerschaft zusammenrotte, sei „menschenverachtend und herabwürdigend“.

Die Zitate sorgten auch während der am Dienstag zu Ende gegangenen Anhörung zum neuen Schulgesetz im Landtag für Aufregung. Piels „verleumderische Äußerungen“ seien von Hass gegen die in der Bevölkerung beliebte und erfolgreiche Schulform Gymnasium geprägt, kritisierte der Vorsitzende des Philologenverbands, Horst Audritz. „Da paart sich pure Ideologie mit totaler Faktenignoranz in geradezu sträflicher Weise.“

Piel selbst äußerte sich auf Anfrage nur schriftlich. „Es trifft zu, dass ich mich im Rahmen einer Debatte zur Schulentwicklungsplanung meiner Region Hameln klar dafür ausgesprochen habe, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben müssen“, schreibt sie. Sie habe sich dabei nicht auf die Anhörung zum Schulgesetz bezogen.

Das Kultusministerium wollte sich zu der Debatte nicht äußern. Der schulpolitische Sprecher der SPD, Stefan Politze, sagte, er habe Piel bislang nicht als polarisierend erlebt. Zu den zitierten Aussagen ging er aber deutlich auf Distanz: „Das ist nicht der Kurs der Koalition“, sagte der Abgeordnete. „Wir machen keinen Angriff auf das Gymnasium, sondern wir wollen eine breite Vielfalt sicherstellen.“ Auch der schulpolitische Sprecher der Grünen, Heiner Scholing, sagte: Ziel der Koalition sei nicht die Schwächung der Gymnasien, sondern der Abbau von Ungleichbehandlungen. „Es geht nicht darum, den einen groß und den anderen klein zu machen“, betonte Scholing.

Derweil will die FDP auf ihrem Parteitag am Wochenende einen neuen Vorstoß für einen „Schulfrieden“ beschließen. Es gebe bei der Weiterentwicklung der Schullandschaft große Gemeinsamkeiten mit der rot-grünen Koalition, sagte der Landeschef der Liberalen, Stefan Birkner. Er nannte die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren und den Ausbau der Ganztagsschulen.

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Kommentar

Der verbale Ausfall gegen Gymnasiasten kommt für die Grünen in Niedersachsen zur Unzeit. Denn die Landesregierung sieht sich ohnehin dem Vorwurf ausgesetzt, dem Gymnasium mit seinem Schulgesetz schaden zu wollen. Ein Kommentar von Heiko Randermann.

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