Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Osterode, Roswitha Hoffmannbeck, ist im Südharz dafür bekannt, dass sie sich vehement gegen Schwarzarbeit ausspricht und die Bedeutung des ehrlichen Handwerks preist. Jetzt hat ihr Bild allerdings einen heftigen Kratzer bekommen: Der Landkreis Osterode ermittelt gegen sie und ihren Ehemann wegen des Vorwurfs der Förderung der Schwarzarbeit. Sie sollen in ihrem Privathaus mehrere Maler beschäftigt und diese in bar entlohnt haben, so dass keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden. Die Behörde hat deshalb einen Bußgeldbescheid in Höhe von mehr als 7500 Euro erlassen.
Ein Außendienstmitarbeiter des Landkreises habe kürzlich einen entsprechenden Hinweis auf den Verdacht der Schwarzarbeit erhalten, sagte am Donnerstag der Erste Kreisrat Gero Geißlreiter. Zuvor sei bei einer Innung ein anonymes Schreiben eingegangen. Die Ermittlungen hätten dann den Verdacht bestätigt. Demnach habe der Ehemann der Geschäftsführerin einem Vorarbeiter einer Malerfirma den Auftrag für die Arbeiten in dem Privathaus erteilt. Dieser habe dort mit vier Kollegen gearbeitet. Am Ende soll der Maler vorgeschlagen haben, die Arbeiten nicht regulär mit Rechnung, sondern „schwarz“ zu bezahlen. Auf diesen Vorschlag sei das Ehepaar eingegangen.
Der Landkreis hatte zunächst nur gegen den Ehemann ermittelt, weil dieser den Auftrag zu den Arbeiten erteilt hatte. Inzwischen habe man die Ermittlungen auch auf die Ehefrau sowie die beteiligten Handwerker ausgeweitet, sagte Geißlreiter.
Die Geschäftsführerin war am Donnerstag für keine Stellungnahme zu erreichen. Nach Angaben des Büros der Kreishandwerkerschaft befindet sie sich im Urlaub. Gegenüber der örtlichen Zeitung hatte sie erklärt, dass sie als „Privatperson“ gehandelt habe. Dort wird sie außerdem mit dem Satz zitiert: „Hätte ich vorher gewusst, dass es ein Fehler ist, hätte ich ihn nicht gemacht.“ Sie sei „da irgendwie so reingeschlittert“. Sie und ihr Mann hätten eine „Ordnungswidrigkeit begangen und ein Bußgeld bezahlt, das ist erledigt“.
Die 61-jährige Betriebswirtin ist seit 1989 Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Sie ist dort bereits seit dem Beginn ihrer Ausbildung beschäftigt.
Kreishandwerksmeister Eberhard Eggers sagte zu dem Vorfall, der Vorstand habe bereits in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen, die Geschäftsführerin wegen des Fehlverhaltens eindeutig abzumahnen. Im Wiederholungsfalle müsse sie mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Demission rechnen. Die Angelegenheit sei sehr bedauerlich. Die Geschäftsführerin leite die Geschicke der Kreishandwerkerschaft bereits seit 20 Jahren zur allgemeinen Zufriedenheit.
Heidi Niemann / dpa

Kommentare
Der HWK Hildesheim zugehörig MIchael Pramann – 25.07.10
[… Link von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungen …]Biedermann und Brandstifter Rubber Duck – 25.06.10
Das übliche Spiel: von anderen wird Ehrlichkeit eingefordert, aber wenn es um den eigenen Vorteil geht wird gnadenlos beschissen.Im Knast ist noch ein Zimmer frei, Frau Hoffmannbeck.
Rausschmeißen Benno – 25.06.10
Ich mal mal was theoretisches:Der Boss von VW, Herr Winterstein, würde privat einen BMW fahren, den ihm BMW mit Rabatt und an der Steuer vorbei zur Verfügung gestellt hätte. Reicht da eine Abmahnung, oder muss man nicht sofort entlassen, weil da das Ansehen des eigenen Unternehmens nachhaltig mit den Füßen getreten wird?
Also lieber Kreishandwerksmeister: wenn das staatstragende Gedröhne der Handwerkerschaft, endlich gegen Schwarzarbeit vor zu gehen, nicht nur reines Lippenbekenntnis gewesen ist, dann schmeiß die Frau raus!
Es läuft doch schon seit Jahren das Gerücht herum, dass Handwerksunternehmen die Unterschlagung von Steuern und Sozialabgaben bei gewissen Aufträgen kraftvoll unterstützen.
Stimmt das Gerücht?
Es ist wie immer Wolfhart – 25.06.10
In Sonntagsreden wird den normalen Leuten ins Gewissen geredet, um möglichst alle handwerklichen Arbeiten für fast unbezahlbare Stundensätze ausführen zu lassen.Wenn es dann an das eigene Portemonaie geht, erinnert man sich nicht mehr an die eigenen Worte.
Und wenn man dann zur Überraschung aller der Vergabe von Schwarzarbeit überführt wurde, kommt im Nachhinein das Bedauern, die Einsicht und der Schwur zur Besserung.
Da handelt die kleine "Elite" nicht anders als die großen Steuerverweigerer á la Zumwinkel.
Hauptsache ist, dass die aktiven Schwarzarbeiter - die sich zu ihrem mageren Netto-Lohn etwas dazu verdienen müssen - und die Wanderarbeiter, die von modernen Sklavenhändlern als Billigst-Leiharbeiter skrupellos vermittelt werden - gnadenlos bestraft werden.
Weltmeister sind wir schon: in der Doppelmoral!!!
Schwarzarbeit icke – 25.06.10
Haben die Schwarzarbeiter auch alles in schwarzer Farbe angepinselt?