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Niedersachsen Hartmut Möllring ist zurück in Niedersachsen
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08:02 12.05.2016
Von Michael B. Berger
Hartmut Möllring (CDU) Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

 „Hallo, du wieder hier?“ Ja, so ist es, antwortet Hartmut Möllring, und blinzelt in die Frühlingssonne auf dem Hildesheimer Marktplatz. Obwohl das Zentrum am Morgen noch nicht sehr belebt ist, bleiben immer wieder Menschen stehen, schauen, rücken näher ans Straßencafe und begrüßen ihn, den früheren Finanzminister Niedersachsens und späteren Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts. Er ist immer noch bekannt wie ein bunter Hund und es scheint ihn zu vergnügen, wenn ihn die Leute freudestrahlend begrüßen. „Ich stehe jetzt wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung“, sagt Möllring.

Zehn Jahre lang stand er an der Spitze des niedersächsischen Finanzministeriums; nach dem Regierungswechsel 2013 wurde er zum Doppelminister in Magdeburg berufen. „Drei Jahre und drei Tage“, sagt Möllring, „am 22. April 2013 bin ich ernannt und am 25. April 2016 ausgeschieden.“ Das sei eine interessante, schöne Zeit gewesen. Und jetzt mit gut 64 Jahren in den endgültigen Ruhestand? Nein, es müsse ja kein 50- bis 60-Stunden-Job sein. Aber nur auf dem Sofa sitzen oder Tennis spielen? „Zu langweilig“, sagt er knapp, während sein Handy klingelt. Dirk Roßmann ist dran, der hannoversche Drogeriekonzernchef, der kürzlich mit Möllring in einem Dokumentarfilm über Hannover zu sehen war. Man kennt sich, man schätzt sich. Man verabredet sich.

In dem Film übrigens ist Möllring seinem Ruf, die Dinge besonders sarkastisch oder auch schnoddrig auf den Punkt zu bringen, wieder einmal treu geblieben. Für einen guten Witz würde er vermutlich auch heute noch seine Großmutter verkaufen. Wenn er sie denn noch hätte und dies nicht gegen die Loyalität verstoßen würde, die den Juristen auszeichnet. Irgendwann schwärmten auch Magdeburger Zeitungen von der Verlässlichkeit und Berechenbarkeit des Doppelministers und notorischen Hardliners, der in Sachsen-Anhalt zunächst als Schrecken aller Hochschulrektoren und Rambo des Wissenschaftsbetriebes beschrieben worden war. „Meine Ernennung galt damals als eine Kriegserklärung. Die Folge: zwei Großdemonstrationen mit jeweils 10 000 Teilnehmern.“ Aber das sei kein Wunder gewesen, schließlich sei er nach Magdeburg geholt worden, um Sparbeschlüsse der Regierung umzusetzen. So schlimm kam es dann doch nicht.

Auch weil, wie Möllring sagt, wohl niemand daran gedacht hatte, dass die Hochschulen volle Autonomie in Sachsen-Anhalt haben. Heute hat Möllring sogar einige Freunde unter den Hochschulprofessoren in und um Magdeburg.

Bis es so weit war, hat er viel lernen müssen: Die Namen der Magdeburger Landtagsabgeordneten etwa paukte er wie Vokabeln, erst die der CDU, dann die der SPD. Bei der Linken erlahmte der Lerneifer. Auch Rücksichtnahme musste er lernen – auf einen völlig anderen Politikstil im Osten. „Hier im Landtag habe ich eine Anfrage der Opposition zu Christian Wulff beantworten müssen, das zog sich über vier Stunden hin.“ In Magdeburg habe es höchstens mal eine Zusatzfrage gegeben, „und das war es“. Deutlich moderater sei der Ton dort gewesen, bis hin zur Langeweile.

Und jetzt? Eine Anwaltskanzlei werde er nicht eröffnen, sagt der frühere Landesfinanzminister, der vor drei Jahren gern Mitglied des Staatsgerichtshofes geworden wäre, was aber seiner CDU nicht passte. „Ist gottlob nichts geworden“, sagt er heute. Die CDU in Hildesheim aufmischen will er, der 29 Jahre im Rat der Stadt agierte, auch nicht mehr.

Die Kinder sind aus dem Haus, Gregor, der mittlere Sohn, ist immer noch bei den Grünen, Referatsleiter für Grundsatzangelegenheiten im hessischen Umweltministerium. Dabei habe der doch auf „Hartz IV“ studiert, sagt der Vater und meint das Studium der Politik- und Sozialwissenschaften. „Der ist das bürgerlichste unter unseren drei Kindern.“ Möllring strahlt. „Hallo, wieder hier?“, fragt schon wieder jemand. Ja. „Ich bin wieder auf dem Arbeitsmarkt.“

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