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Niedersachsen Hat Bernd Althusmann in seiner Doktorarbeit geschummelt?
Nachrichten Politik Niedersachsen Hat Bernd Althusmann in seiner Doktorarbeit geschummelt?
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17:04 06.07.2011
Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann soll in seiner Doktorarbeit falsch zitiert haben. Quelle: dpa
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Hannover

Nein, über die Folgen einer möglichen Aberkennung seines Doktortitels will sich Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann noch keine Gedanken machen. „Es werden sicherlich harte Wochen werden, aber für Konsequenzen wäre es zu früh“, sagt der 44-jährige CDU-Politiker, als er am Mittwoch im Landtag von Hannover vor die Medien tritt, um sich zu den Vorwürfen der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu äußern.

Ausgerechnet der amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz steht im Verdacht, in seiner Dissertation gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen zu haben. Auf 88 von 114 untersuchten Seiten sollen sich nach Recherchen der Wochenzeitung Hinweise darauf finden, dass Althusmann sich großzügig bei fremden Quellen bediente, ohne dies in der notwendigen Weise deutlich zu machen. „Der Leser wird getäuscht:
Und zwar über das Ausmaß der Fremdurheberschaft“, urteilt der Rechtswissenschaftler Volker Rieble.

Althusmann wirkt angespannt bei seiner kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Er entschuldigt sich für „mögliche handwerkliche Fehler“, weist aber einen Plagiatsvorwurf vehement zurück. „Einen Täuschungsversuch kann man hier wirklich nicht unterstellen“, sagt der CDU-Politiker, der vor gut einem Jahr noch vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff ins Amt berufen wurde und mit viel Ehrgeiz eine Schulreform anstieß.

Stolpert nach Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin nun auch ein Senkrechtstarter in der Bildungspolitik über seine Doktorarbeit? Nach Althusmanns Aussage wird die Universität Potsdam vier Wochen für die neuerliche Prüfung seiner Promotionsschrift über Prozessorganisation in der öffentlichen Verwaltung benötigen.

Mit der üblichen Plagiatssoftware waren in der Arbeit des Bildungspolitikers offenbar keine großen übernommenen Textpassagen erkennbar, sondern erst durch eine Feinanalyse, die die „Zeit“ vorlegte. Danach soll der Dienstherr der knapp 70.000 Lehrer in Niedersachsen nicht abgeschrieben haben, den Leser aber teilweise im Unklaren lassen, welche Passagen er wörtlich übernahm.

Wollte er verschleiern, dass die gedankliche Eigenleistung bei seiner Arbeit möglicherweise überschaubar war? Die 2007 eingereichte Doktorarbeit sei keine wissenschaftliche Höchstleistung, gibt der Politiker zu. Er erhielt die Note „rite“, genügend.

Nun sieht sich der Hauptmann der Reserve von Promotionsjägern unter Druck gesetzt. Aber Althusmann bereut die Dissertation nach eigenem Bekunden nicht. Trotz der Belastung als Landtagsabgeordneter und Familienvater habe er jahrelang vor allem in den Ferien an seiner Doktorarbeit gearbeitet. „Zwischendurch gab es Überlegungen, ob es noch zu vollenden ist. Aber ich wollte es auch, weil ich nichts mehr hasse, als etwas anzufangen und nicht zu Ende zu bringen“, sagt er.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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