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Heftige Kritik am hohen Unterrichtsausfall

Landtag Heftige Kritik am hohen Unterrichtsausfall

Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen liegt derzeit bei 98 Prozent. Während die Opposition dies heftig im Landtag kritisierte, rechtfertigte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) dies mit dem Flüchtlingszuzug rund 35 000 Kindern und Jugendlichen.

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Verwies bei der Unterrichtsversorgung auf die Flüchtlingszahlen, mit denen keiner gerechnet habe: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Quelle: dpa

Hannover. Einen Moment lang ließ der CDU-Abgeordnete Kai Seefried im Landtag nur die Presse sprechen: Er las die Überschriften aus einer Zeitung nach der nächsten vor, die über Unterrichtsausfall an Schulen in allen Ecken des Landes berichteten. „Das ist die Realität“, hielt er der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) entgegen. Die versuchte wiederum, in der hitzigen Debatte Mittwoch im Landtag, ihre Politik gegen die Kritik zu verteidigen.

Gerade einmal 98 Prozent Unterrichtsversorgung weist die aktuelle Schulstatistik aus – der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Was das bedeutet, rechneten die Oppositionspolitiker in ihren Reden vor und übertrafen sich dabei in den Ergebnissen: „Jede zehnte Unterrichtsstunde in Niedersachsen fällt aus“, sagte FDP-Schulexperte Björn Försterling. Insgesamt 26 000 Stunden würden pro Woche fehlen, selbst wenn kein einzelner Lehrer krank werden würde. Das würde sich auf das Schuljahr zu einer enormen Summe auftürmen, so Seefried: „Diese Landesregierung trägt die Verantwortung dafür, dass über eine Million Stunden ausfallen werden.“

Ministerin Heiligenstadt sah sich zu Unrecht an den Pranger gestellt: „Sie diskutieren einen einzigen statistischen Wert“, warf sie den Oppositionspolitikern vor. Man dürfe nicht vergessen, dass derzeit durch den Flüchtlingszuzug rund 35 000 Kinder und Jugendliche in den Schulen seien, mit denen keiner gerechnet habe. Das sei eine historische Herausforderung, der sich kein anderer Kultusminister je habe stellen müssen. Auch Ministerpräsident Stephan Weil attestierte, angesichts dieser Situation sei „die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen durchaus ansehnlich.“

Außerdem, so Heiligenstadt, habe man wirklich alles getan, um den Mangel an Lehrern abzuwenden: „Wir stellen so viele ein, wie wir nur können.“ Für knapp 700 freie Stellen hat das Land aber nach eigenen Angaben keinen geeigneten Bewerber gefunden.

Das sei ein Märchen, meint Försterling. In den vergangenen drei Jahren habe es immer mindestens rund 1000 Bewerber mehr gegeben als das Land schließlich eingestellt habe. Doch trotz Warnungen der Opposition habe das Land nicht vorgesorgt.

Dieser Rechnung widersprach Heiner Scholing von den Grünen: Der Bewerberüberschuss erkläre sich durch Doppelbewerbungen. Im Ergebnis helfe kein Jammern: „Wir müssen mit dem Lehrermangel umgehen“, betonte der ehemalige Schulleiter. Das sei derzeit auch kein rein niedersächsisches Phänomen.

Sprachkurs-Lehrer protestieren

Aus Protest gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen sind Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrer am Mittwoch in den Mittellandkanal gesprungen. „Die Integration geht baden“, lautete das Motto der Aktion, zu der das Aktionsbündnis Deutsch als Fremdsprache Hannover aufgerufen hat. Die freiberuflich oder angestellt tätigen Lehrer unterrichten überwiegend Flüchtlinge.

Das Bundesinnenministerium habe zwar die Mindestvergütung in Integrationskursen zum 1. Juli auf 35 Euro erhöht, teilten die Organisatoren mit. Allerdings hätten viele Bildungsträger die Honorare nicht angehoben, wenn die Kurse vom Land oder von Kommunen gefördert werden. Das Bündnis warnte vor einer Zweiklassengesellschaft der Lehrkräfte. Vor ihrem Sprung in den Mittellandkanal forderten die Honorarkräfte auf einem Banner: „Integration ist unser Job. Aber bitte fair statt prekär!“. Ein Plakat trug die Aufschrift: „Ich habe einen 5-Wochen-Vertrag ... und das seit 10 Jahren.“

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