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Heftige Proteste gegen Windräder im Harz

Energiewende Heftige Proteste gegen Windräder im Harz

Die Idee, Mittelgebirge als Orte für Windkraftanlagen in Erwägung zu ziehen, hat heftige Proteste ausgelöst. Auch im Harz formiert sich der Widerstand gegen die Windräder mit einer Größe von 140 bis 200 Metern - das ist höher als der Kölner Dom.

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Gegenwind aus dem Harz - der Harzklub lehnt die Pläne für Windparks strikt ab.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Der Harzklub, mit rund 14 000 Mitgliedern der größte Heimat- und Naturschutzverband der Region, lehnt die Pläne für Windparks in Wäldern strikt ab. „Die modernen Windkraftanlagen sind 140 bis 200 Meter hoch, höher also als der Kölner Dom. Wenn die im Harz gebaut werden, ist die Schönheit der Landschaft dahin“, sagt der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Albrecht von Kortzfleisch.

Der frühere Leiter des staatlichen Forstamts Lautenthal versteht sich nicht als radikaler Gegner von Windparks. Aber im Naturpark Harz hält er sie für eine Katastrophe für das Landschaftsbild. „Riesige Rotoren in unseren Wäldern werden die Touristen vergrätzen“, fürchtet von Kortzfleisch. Dabei sei es gerade das ungestörte Naturerlebnis, das Besucher in den Harz ziehe.

Mit einer „Resolution gegen Windanlagen im Harz“ wendet sich der Harzklub nun an die Politiker in den drei betroffenen Bundesländern. Im gesamten Harz, so heißt es in der Entschließung, die in der nächsten Ausgabe der Verbandszeitung „Der Harz“ veröffentlicht wird, soll auf Windparks auch künftig verzichtet werden.

Nur im Nationalpark sind die Anlagen tabu

Der Harz ist als Naturpark zwar eine geschützte Landschaft, rein rechtlich gesehen ist der Bau von Windanlagen dort aber durchaus möglich. Nur im Nationalpark, der zehn Prozent des Harzes unter strengen Schutz stellt, sind die Anlagen tabu. „Wir sind von den Plänen nicht betroffen, Windräder im Nationalpark sind nicht geplant und auch nicht zulässig“, sagt Nationalpark-Sprecher Friedhart Knolle. Er sei froh, dass das erste im Oberharz errichtete Windrad am Stieglitzeck nahe dem Berg „Der Acker“ aus Altersgründen kürzlich abgebaut worden sei, sagt Knolle. Obwohl nur 40 Meter hoch, habe die Anlage optisch stark gestört.

Der Nationalpark-Sprecher kann die Sorgen des Harzklubs nachvollziehen. „Trotz aller Euphorie für die Energiewende – der Ausbau muss mit Augenmaß geschehen.“ Nach dem Wegfall der innerdeutschen Grenze hätten die Harz-Bewohner gemeinsam dafür gekämpft, dass die Spähtürme und Horchposten aus den Zeiten des Kalten Krieges wegkommen. Da wäre es doch eine Ironie der Geschichte, wenn jetzt die Landschaft mit Windtürmen vollgestellt werde.

Die Diskussion um Windräder im Harz war schon einmal in den neunziger Jahren aufgeflammt – damals ging es vor allem um Pläne für den Ostharz. Energische Bürgerproteste hatten die Pläne für Windparks bei Benneckenstein und Hüttenrode damals gestoppt. „Im gesamten Harz war man sich einig, zugunsten des harmonischen Landschaftsbildes auf Windkraftanlagen zu verzichten“, berichtet von Kortzfleisch. Die Idee, nun fünfmal so hohe Türme in die Wälder zu stellen, findet er „unerträglich“. Er verweist auf das Zukunftskonzept „Tourismus Harz 2015“, das 2006 im Auftrag von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstellt wurde. Darin wird die „erlebbare Natur der Region“ als die „wichtigste Säule des gesamten Harztourismus“ hervorgehoben.

Gefahr für etliche Tierarten

Auch aus ökologischen Gründen sind Windparks im Harz nach Ansicht des Harzklubs abzulehnen. So sei der Oberharz Durchzugsgebiet von Kranichen und anderen Zugvögeln. „Wenn die bei Dunkelheit über derart hohe Windanlagen fliegen, ist mit massiven Verlusten zu rechnen“, warnt von Kortzfleisch. Viele geschützte Arten lebten in den Harzwäldern. Greifvögel und Fledermäuse liefen Gefahr, von den Rotoren getötet zu werden, wie Studien aus den USA zeigten. „Konflikte mit dem Naturschutz sind vorgezeichnet.“

Trotz dieser Bedenken befürchtet der Harzklub-Vorstand, dass Planer mit vielen Standortangeboten rechnen können. Schon jetzt signalisierten ehrgeizige Lokalpolitiker, private und öffentliche Waldbesitzer großes Interesse, weil sie gute Geschäfte witterten. Solche energiepolitischen Alleingänge einzelner Kommunen könnten einen Dominoeffekt auslösen, warnt von Kortzfleisch. Wenn eine Gemeinde aus dem bisherigen Konsens ausschere und Teilflächen zu Windvorranggebieten erkläre, könnten andere mit Blick auf kurzfristige wirtschaftliche Interessen folgen.

Im niedersächsischen Umweltministerium hält man die Ängste des Harzklubs für übertrieben. Zwar will Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) im neuen Landesraumordnungsprogramm ab kommenden Jahr den Bau von Windparks in Nutzwäldern zulassen. Die Verspargelung des Harzes sei dadurch aber nicht zu befürchten, versichert Sander. Wertvolle Mischwälder oder Landschaften mit besonders markanten Aussichten würden ausgenommen.

Dennoch dürfte auch in anderen Naturparks Unruhe ausbrechen. Für die Windkraftnutzung kommen neben dem Harz auch der Solling, der Vogler, das Weserbergland und die Lüneburger Heide infrage.

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Foto: Im Zuge der Energiewende werden jetzt jedoch auch auf Waldflächen Windkraftanlagen geplant.

Der Bau von Windparks in Wäldern ist in Niedersachsen nicht erwünscht – soll künftig aber dennoch unter Auflagen gestattet werden. Dies sieht der Entwurf einer Novelle des Landesraumordnungsprogramms vor, der dieser Zeitung vorliegt. Die Neuerung soll im Jahr 2012 in Kraft treten.

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