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Hildesheimer Hochschulpräsidentin hört auf

Antisemitismus-Streit Hildesheimer Hochschulpräsidentin hört auf

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst zieht sich Präsidentin Christiane Dienel aus der Führung zurück. Zuvor hatte der Senat der Hochschule beschlossen, Dienel nicht länger für eine zweite Amtszeit als Präsidentin zu empfehlen.

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Präsidentin Christiane Dienel

Quelle: dpa/Montage

Hildesheim. Mit bitteren Worten hat Christiane Dienel, die bisherige Präsidentin der Hildesheimer Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), ihren Rauswurf kommentiert – bisheriger Höhepunkt im Antisemitismus-Streit, der seit Monaten die Hochschule belastet. „Was ich in den letzten Wochen erleben musste, ist eine von Furcht und Verantwortungslosigkeit geprägte Reaktion fast aller Beteiligten“, schrieb Dienel.

Kurz zuvor hatte der Senat der Hochschule der 51-Jährigen den Stuhl vor die Tür gesetzt. Eine im Mai dieses Jahres vom Senat beschlossene Verlängerung des Präsidentenvertrages um weitere acht Jahre zog das Hochschulgremium am Mittwochabend wieder zurück. „Mit dem Beschluss des Senats ist die Grundlage für die Ernennung von Frau Prof. Dienel für eine zweite Amtszeit ab dem 1.1.2017 entfallen“, notierte am Donnerstag lakonisch Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), die gerade in Israel auf Dienstreise ist.

Mit der Nichtverlängerung des Vertrages für Dienel zog der Hochschulsenat einen vorläufigen Schlussstrich unter eine Affäre, die im August dieses Jahres öffentlich geworden war, doch schon wesentlich länger schwelt. Bereits vor Jahren gab es begründete Beschwerden über ein Doppelseminar an der Hochschule, das sich unter anderem mit der sozialen Lage von Jugendlichen in Palästina beschäftigte und deutlich antisemitische Tendenzen hatte. Es führte zu massiven Beschwerden der jüdischen Gemeinschaft. Als die Hochschule im Sommer dieses Jahres in Israel als „Hassfabrik“ bezeichnet wurde, twitterte Dienel zurück: „Wer ist hier die Hassfabrik?“

Dienel stellte sich damals hinter ihre Hochschule, ihre Twitter-Nachricht ließ die Wellen der Empörung aber erst recht hochschlagen. Später bedauerte die Präsidentin ihr Verhalten. Doch eine im September in Hannover durchgeführte Podiumsdikussion zum Antisemitismusstreit geriet zum Tribunal über die Präsidentin. Sie warf jetzt den zahlreichen, mit dem Konflikt befassten Gremien der Hochschule vor, „durch die Fokussierung des Konflikts auf meinen Kopf die eigene Verantwortung zu leugnen“.

In der Landespolitik wurde die „Kündigung“ Dienels mit Erleichterung, aber auch mit Verwunderung aufgenommen. „Der Senat bereinigt eine Situation, die eigentlich die Wissenschaftsministerin geklärt haben sollte“, meinte der CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer. Doch dafür habe der Ministerin die Kraft gefehlt. Es sei „haarsträubend“, wie man mit dem Zentralrat der Juden umgegangen sei, der sich über das Seminar beschwert, aber lange Zeit kein Gehör gefunden hatte.
Überrascht zeigten sich die Wissenschaftsexperten Silke Lesemann (SPD) und Ottmar von Holtz (Grüne) über den Rauswurf. „Eigentlich sollte noch ein Gutachten abgewartet werden.“ Lesemann wies auch auf die großen Leistungen Dienels hin, die die HAWK nach vorn gebracht habe. Holtz merkte an, dass Dienel auch schon vor dem Antisemitismus-Streit umstritten war. „Der Rückzug war wohl nötig“, meinte FDP-Landtagschef Christian Dürr. Nun müsse die Affäre „vernünftig aufgearbeitet“ werden.

Ausgetwittert

Kommentar von Michael B. Berger

Wenn Dinge völlig schief laufen, muss der Chef oder die Chefin den Kopf hinhalten. Das ist jetzt in Hildesheim so, wo eine engagierte Hochschulchefin an den Abwehrreflexen ihres eigenen Hauses scheiterte. Die Hochschule hat Klagen von Studentinnen und Studenten nicht ernst genommen, dass Lehrveranstaltungen auch propagandistische Züge trugen. Und die Präsidentin hat zu spät und dann zu heftig reagiert. Sie hat sich aus dem Amt getwittert. 

Der Senat hat für die Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajic die „Drecksarbeit“ geleistet. Denn für die Politikerin stand die Frage an, was sie tut, wenn ein bald erscheinendes Gutachten der HAWK bescheinigt, antisemitisches Gedankengut verbreitet zu haben. Die Ministerin hätte dann kaum den Vertrag für die Präsidentin verlängern können, ohne selber zur Zielscheibe der Kritik zu werden. So muss die Präsidentin gehen, damit die Ministerin (ruhig) bleiben kann.

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