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Niedersachsen Sollen Schulen umbenannt werden?
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14:48 08.06.2013
Von Klaus Wallbaum
„Er wirkte an der Enteignung von Juden mit“: Hinrich Wilhelm Kopf. Quelle: HAZ (Archiv)
Hannover

Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) warnte indes vor „Schnellschüssen“ und regte eine gründliche Diskussion über Kopfs Rolle an.

Seit anderthalb Jahren ist bekannt, dass Kopf stärker in das NS-System verstrickt war als bisher bekannt. In den dreißiger Jahren hat Kopf Vermögen jüdischer Bürger verkauft, später verwaltete er in Polen das Vermögen geflüchteter Polen und Juden. Das Wirken von Kopf wird in einem Buch detailliert beschrieben, das am Donnerstag vorgestellt wurde. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte daraufhin gesagt: „Kopf wirkte an der systematischen Enteignung von Menschen mit, deren bürgerliche und wirtschaftliche Entrechtung in vielen Fällen ihrer physischen Vernichtung voranging.“ Weil bat die Historische Kommission, die Rolle Kopfs im Lichte der neuen Erkenntnisse zu bewerten.

Landtagsvizepräsidentin Andretta erklärte der HAZ: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schulen weiterhin den Namen Kopf tragen. Wegen Kopfs Wirken haben viele jüdische Kinder ihr Elternhaus verloren – er hat durch sein Handeln das NS-System unterstützt.“ Mehrere Straßen in Niedersachsen tragen den Namen Kopf, unter anderem der Platz vor dem Landtag. Mindestens vier Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schulen gibt es – in Hannover-Kleefeld, Peine, Neuenkirchen bei Cuxhaven und in Bad Münder.

Der hannoversche Politologe Joachim Perels, Experte für die Erforschung des NS-Systems, nannte die Umbenennungen von Straßen und Plätzen „das letzte Mittel“. Aufklärung über die Rolle des ersten Ministerpräsidenten Niedersachsens, der als Gründervater verehrt wird, sei wichtiger. Möglich sei, dass der Landtagspräsident zu einem Kolloquium von Wissenschaftlern einlade und dabei geklärt werde, wie man mit der Erinnerung an Kopf umgeht. Denkbar sei auch „ein erklärendes Hinweisschild“ unter den Straßenschildern, auf denen Kopfs Name steht.

Landtagspräsident Busemann hofft auf eine Empfehlung der Historischen Kommission des Landes. „Voreilige Vorverurteilungen verbieten sich ebenso wie unbedachtes Schönfärben“, sagte er. Grünen-Fraktionschefin Anja Piel erklärte, über Kopfs Rolle müsse sowohl wissenschaftlich als auch politisch intensiv diskutiert werden.

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