Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
SPD-Parteirat

Hoffnung auf einen neuen Gabriel

Von Klaus Wallbaum

Am Sonnabend tagt der Parteirat der Niedersachsen-SPD, und zwar hinter verschlossenen Türen. „Da wird Tacheles geredet“, meinen Insider. Auch das Für und Wider zur geplanten neuen Doppelspitze der Bundespartei – Vorsitzender Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles – werde sicherlich zur Sprache kommen, heißt es.

Nahles ist vielen Sozialdemokraten im Lande wenig bekannt, dafür haben die meisten von Gabriel, dem früheren Landespolitiker, ein sehr konkretes Bild. Dass einer wie er, der als Fraktionsvorsitzender und Ministerpräsident nicht selten einsame Entscheidungen liebte, nun die mangelnde Beteiligung der Parteibasis rügt, stößt bei manchen unangenehm auf – zumal Gabriel in der Nachfolgefrage beim SPD-Bezirksvorsitz in Braunschweig wieder von oben einen Namen vorgegeben hat. Alle, die sich öffentlich zu Gabriel äußern, drücken dies aber positiv und freundlich aus.

„Ich glaube schon, dass er als Bundesvorsitzender der SPD anders agieren wird als früher in seiner Zeit als Ministerpräsident“, sagt Olaf Lies aus dem Kreis Friesland, der als künftiger Chef der Landtagsfraktion gehandelt wird. „Gabriel muss jetzt das Sammeln ernst nehmen und Schluss damit machen, dass die Basis nur noch Vorgaben von oben nachvollzieht“, betont Lies.

„Das Sprunghafte und zu wenig Nachdenkliche“, sagt Landtagsvizepräsident Dieter Möhrmann aus Schneverdingen, sei früher Gabriels Problem gewesen. Er hoffe, dass der Mann sich seit seiner Zeit als Bundesminister positiv entwickelt habe. „Er war früher eben sehr beweglich in seinen Ansätzen.“ Walter Meinhold, Vorsitzender des Landesparteirats der SPD, gibt Gabriel einen guten Rat mit auf den Weg: „Er muss das Teamspiel organisieren“. Gerade jetzt hätten große Teile der Bevölkerung ihr Vertrauen in die SPD verloren und hielten deren Spitzenpolitiker nicht mehr für glaubwürdig. Hauke Jagau, hannoverscher Regionspräsident, erwartet von der Parteispitze vor allem „Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit“. Sie müsse „zuhören und die Partei mitnehmen“ können: „Jedem muss klar sein, für welche Werte die Sozialdemokratie steht.“

Der Chef des SPD-Unterbezirks Hannover, Matthias Miersch, wirbt um eine „Chance für Gabriel“: „Er scheint als nächster Vorsitzender alternativlos zu sein.“ Seine Positionen zu einer verstärkten Einbeziehung der Basis seien richtig und angebracht. „Allerdings hat er als Ministerpräsident die Menschen in seiner Bildungspolitik nicht mitgenommen.“ Er sehe Gabriel nun „nicht mit Euphorie entgegen“, aber „jeder kann dazulernen“, betont Miersch.

Ein langjähriger Weggefährte von Gabriel, der Schaumburger SPD-Politiker Heiner Bartling, hat einen wichtigen Rat: „Er sollte sich mit klugen Ratgebern umgeben und deren Hinweise nicht nur anhören, sondern sie auch beherzigen.“

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Artikel

Anzeige

Politik kompakt

Aus meinem Papierkorb

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Testen Sie Ihr Wissen

Madsack im Gespräch

Das Madsack-Hauptstadtstudio.

Unsere Redakteure im Hauptstadtbüro führen TV-Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

Angst vor Austritt
Foto: Die Angst vor dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone belastet die europöäische Währung.

Auch an den Devisenmärkten wächst die Sorge um einen möglichen Euroaustritt Griechenlands. Anleger flüchten in sichere Häfen, der Euro geht auf Talfahrt. Wann und wo diese endet, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Wahlen in Griechenland ab - und vom Erfolg der Brandmauern.

Anzeige


Top