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Gegen Keime

In Ems-Dollart Region startet vorbildliches Hygieneprojekt

Von Dr. Margit Kautenburger

Im Euro-Verbund gegen Keime: Niedersächsische Kliniken wollen an den Erfolg von unseren holländischen Nachbarn anknüpfen und bauen ein Präventionsnetz auf.
Projektkoordinator: Matthias Pulz.

Projektkoordinator: Matthias Pulz.

© Nico Herzog

Beim Kampf gegen Keime in Krankenhäusern haben unsere Nachbarn die Nase vorn. Der Anteil von Erregern, denen die gebräuchlichen Antibiotika nichts mehr anhaben können, ist in holländischen Kliniken 20-mal niedriger als in deutschen. An diese Erfolge sollen nun auch niedersächsische Kliniken anknüpfen: Hygienebedingungen verbessern und Bakterieninfektionen vorbeugen heißt das Ziel des EU-Projekt „Eursafety Health-net“, zu dessen Auftakt sich am Donnerstag in Oldenburg Ärzte, Pfleger und Gesundheitsfachleute in Oldenburg trafen. Die englische Abkürzung steht für Euroregionales Netzwerk für Patientensicherheit und Infektionsschutz. In den Landkreisen entlang der gesamten deutsch-niederländischen Grenze, der sogenannten Euregio, soll das Präventionsnetz aufgebaut werden. „Es geht darum, gemeinsam gegen multiresistente Keime vorzugehen und damit die Patientensicherheit zu erhöhen“, erklärt Projektkoordinator Matthias Pulz, der Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes.

Pulz erwartet, dass viele Krankenhäuser bei dem grenzüberschreitenden Verbund mitmachen. Die Teilnehmer verpflichten sich, in den kommenden fünf Jahren zehn Qualitätsziele zu erfüllen. Dafür erhalten die Einrichtungen am Ende ein Qualitätssiegel.

Ein zentraler Baustein des Projektes ist nach Angaben von Pulz das sogenannte Eingangsscreening. „Wir wollen Risikopatienten, die vor der Aufnahme in die Klinik bereits krank waren oder offene Wunden haben, vorsorglich auf multiresistente Bakterien untersuchen“, erklärt Pulz. Search and destroy, suchen und zerstören, nennen dies die Fachleute. In den Niederlanden wird die Methode schon seit Jahren praktiziert. Mithilfe eines Abstrichs von der Nasenschleimhaut lasse sich eine Belastung mit Keimen, gegen die Antibiotika machtlos sind, leicht feststellen. Ist ein Patient Träger der gefürchteten Erreger, soll er zunächst in einem Einzelzimmer isoliert und dort keimfrei gemacht werden, bevor er mit anderen Kranken in Kontakt kommt.

Zwar ist nicht jeder, der mit diesen sogenannten MRSA-Keimen besiedelt ist, selbst krank, aber er stellt eine Gefahr für die anderen Patienten dar. Rund 500.000 Menschen stecken sich jedes Jahr im Krankenhaus mit solchen Erregern an, etwa 40.000 sterben daran. In niederländischen Kliniken konnte der Anteil von MRSA vor allem durch die Screenings auf unter ein Prozent gesenkt werden, in Deutschland liegt er bei 10 bis 25 Prozent

Das Eursafety-Projekt hat nach Ansicht von Pulz Vorbildfunktion für ganz Deutschland. Auch Fortbildungen in der in Oldenburg eingerichteten Hygieneakademie gehören dazu. Die Prävention ist aufwendig und teuer, zahlt sich nach Ansicht der Fachleute aber langfristig aus. Das niedrige Belastungsniveau des Nachbarlandes wird in Deutschland nicht innerhalb weniger Jahre erreicht werden. Die Dimension der Keimbelastung sei so groß, dass sie schwer in den Griff zu bekommen sei, räumt Pulz ein. So könnten nicht alle Kliniken genügend Einzelzimmer für belastete Patienten bereitstellen. Risikopatienten sollten daher am besten schon vor der Klinikeinlieferung keimfrei gemacht werden – bei den niedergelassenen Ärzten. Dies scheitert bislang an den Kosten, denn diese ärztliche Leistung wird nicht vergütet.

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