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Niedersachsen In Niedersachsen fehlen 4200 Erzieher
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00:25 27.07.2014
Von Saskia Döhner
Frühkindliche Bildung ist wichtig, doch in Niedersachsen fehlen zahlreiche Erzieher. Quelle: dpa
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Hannover

„Die Personalschlüssel für unter Dreijährige in Niedersachsen weichen deutlich von einem kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnis ab", heißt es in der am Freitag vorgestellten Studie. Von allen westlichen Bundesländern ist dies der zweitschlechteste Personalschlüssel für Krippen. Durch die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern hingen die Bildungschancen von Kleinkindern vor allem vom Wohnort ab:  „Wir brauchen dringend einheitliche Qualitätsstandards, die in einem Bundes-Kita-Gesetz geregelt sind“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. 

Experten, dass in einer Krippengruppe eine Erzieherin höchstens für drei Kinder verantwortlich sein soll. In Niedersachsen kümmert sich eine Betreuerin aber tatsächlich rein rechnerisch um 4,2 Kinder. Damit liegt das Land im Ranking der West-Länder auf dem vorletzten Platz. Seit sechs Jahren beobachtet die Bertelsmann-Stiftung die Personalsituation in den Krippen und Kindergärten. Auffällig ist ein Ost-West-Gefälle:  Während in den ostdeutschen Krippen sich eine Erzieherin um durchschnittlich 6,3 Kinder kümmern muss, kommen im Westen 3,8 Kinder auf eine Erzieherin. Der Ländermonitor basiert auf Daten der statistischen Landesämter. Stichtag für die neue Erhebung war der 1. März 2013.

Im Kindergarten, wo Drei- bis Sechsjährige betreut werden, sollte der Personalschlüssel nicht schlechter sein als 1:7,5. Hier schneidet Niedersachsen etwas besser ab als der westdeutsche Durchschnitt (1 zu 9,1): Eine Erzieherin muss 8,7 Kinder betreuen. 

Dieses statistische Betreuungsverhältnis sieht im Kita-Alltag noch ungünstiger aus. Weil eine Erzieherin auch zu einem Viertel noch organisatorische Aufgaben hat, in Teamgesprächen, auf Fortbildung oder im Urlaub ist, kann sie eigentlich nur höchstens 75 Prozent ihrer Arbeitszeit für pädagogische Arbeit nutze. Dadurch wird der Personalschlüssel noch schlechter. So kümmert sich in Niedersachsen eine Betreuerin tatsächlich fast um zwölf Kinder. Vorzeigeländer bei der Erzieher-Kita-Kind-Relation sind Bremen (1 zu 7,7) und Baden-Württemberg (1 zu 8). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern, wo eine Erzieherin für fast doppelt so viele Kinder (1 zu 14,9) verantwortlich ist.

Wenn in Niedersachsen der von der Bertelsmann-Stiftung empfohlene Betreuungsschlüssel umgesetzt würde, sind nach Drägers Berechnungen rund  4200 zusätzliche Erzieherinnen nötig  – 3200 für unter Dreijährige und 1000 für die Kitas. Dies würde zusätzliche Personalkosten in Höhe von fast 182 Millionen Euro verursachen, was einem Anstieg der derzeitigen Personalkosten (fast 1,2 Milliarden Euro) um gut 15 Prozent entspräche. „Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt, weil die Kita-Qualität entscheidend ist für faire Bildungschancen aller Kinder“, sagte Dräger.

Die Bertelsmann-Stiftung fordert ein Bundes-Kita-Gesetz, in dem alle Standards verbindlich geregelt werden. Dort könnten auch Zeitbudgets für Leitungsaufgaben, Qualitätskriterien für Fortbildungen sowie die Mittagsverpflegung festgelegt werden. Vor Kurzem hatte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung beim Kita-Essen erhebliche Defizite offen gelegt. „Der Kita-Rechtsanspruch hat die Bundesländer gezwungen, die Quantität der Kita-Plätze zu erhöhen. Nun sollte ein Bundes-Kita-Gesetz dafür sorgen, dass auch überall die Qualität stimmt“, sagte Dräger.

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