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Großprojekt in Niedersachsen

In Ostfriesland entstehen riesige Gasspeicher

In Ostfriesland entsteht das größte Erdgasspeicherfeld Europas. Die Dörfer Etzel und Marx werden dafür komplett unterkellert. Doch bei den Bürgern regt sich der Protest.

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„Protest aus der Mitte der Gesellschaft": Der Kavernenbau treibt die Bürger auf die Straße.

Die Ruhe, der weite Blick über das platte Land – das liebt Franz Kreutzburg am meisten an seinem Heimatort Horsten im Landkreis Wittmund. Doch mit der Beschaulichkeit ist es in Horsten und den Nachbardörfern Etzel und Marx in der Gemeinde Friedeburg vorbei. „Wir wohnen hier demnächst auf der größten Baustelle Europas“, sagt der Elektrotechnik-Ingenieur, „viel größer als der Bauplatz für den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven.“ Nun fürchten viele Anwohner den Lärm, sie bangen um ihre Lebensqualität und den Wertverlust ihrer Häuser, weil der Industriekomplex immer näher an ihre Dörfer heranrückt. Am meisten aber ärgert sie die „Horizontverschandelung“.

Das Großprojekt der ehemals bundeseigenen, seit 1993 aber privatisierten Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) treibt die Anwohner auf die Straße. „Bei uns kommt der Widerstand aus der Mitte der Gesellschaft“, berichtet Kreutzburg, der vor einigen Monaten die „Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten-Etzel-Marx“ ins Leben gerufen hat. Die Aktivisten seien nicht grundsätzlich gegen die Gasspeicher, „aber wir wollen uns nicht komplett von Industrieanlagen einkesseln lassen“.

Seit den siebziger Jahren schon werden im Salzstock Etzel Kavernen ausgehöhlt; 40 riesige unterirdische Hohlräume sind entstanden, in denen auch die nationale Erdölreserve des Bundes lagert. Seit Kavernen der IVG. Die Immobilienfirma, die die Kavernen an Energieunternehmen vermietet, hat große Pläne am Standort Etzel. 144 zusätzliche Speicher hat sich die IVG 2005 gehören die bereits genehmigen lassen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Im Juli 2009 beantragte das Unternehmen beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Ausspülung weiterer 90 Hohlräume.

Werden tatsächlich alle diese Speicher gebaut, entsteht bei Etzel das größte Kavernenfeld Europas. „Die Dörfer Etzel und Marx werden komplett unterkellert und von Verdichterstationen umzingelt“, kritisiert BI-Sprecher Kreutzburg.

Nicht nur bei der IVG ist man überrascht über die Proteste. Bislang habe es keine Konflikte mit Anwohnern gegeben, berichtet die Friedeburger Bürgermeisterin Karin Emmelmann. Das Kavernenfeld in Etzel gehöre zu den saubersten und umweltfreundlichsten Speicheranlagen, von dem Gelände gehe so gut wie keine Lärmbelästigung aus, versichert der Leiter des neu geschaffenen Kavernen-Informationszentrums der IVG, Hans Joachim Schweinsberg. Natürlich müsse für das Kavernenfeld ein großer oberirdischer Gasbetriebskomplex gebaut werden, räumt Schweinsberg ein. Die von den Anwohnern gefürchteten Verdichter, das sind Kompressoren, mit deren Hilfe das Gas in die Hohlräume gepresst wird, stünden in schallisolierten Hallen.

Die IVG reagiert mit der Erweiterung des Geländes auf den wachsenden Bedarf an Gasspeicherplätzen. Mit der Liberalisierung des Gasmarktes entwickele sich Niedersachsen mit seinen Salzstöcken immer mehr zur Erdgasdrehscheibe. „Die Gasspeicher dienen der Versorgungssicherheit“, erklärt Schweinsberg. Energiekonzerne nutzten die Kavernen als Zwischenlager, um das Gas von hier aus je nach Bedarf zu verteilen. Vor allem der Bau der Nordstream-Pipeline von Russland habe einen Kavernen-Boom ausgelöst, erläutert Klaus Söntgerath von der Genehmigungsbehörde LBEG. Das Speichervolumen werde sich in den nächsten Jahren um mehr als die Hälfte der bisherigen Kapazität erhöhen.

Für die IVG ist die Vermietung der Speicher an Dritte ein lukratives Geschäft. 1,3 Milliarden Euro wollen die IVG und ihre Kunden bis 2020 in Etzel investieren. Das Unternehmen verspricht Arbeitsplätze für die strukturschwache Region. Die Zahl der direkt bei der IVG Beschäftigten ist mit rund 50 allerdings gering. Sie soll nach Angaben des Unternehmens auf 100 bis 150 ansteigen. Allerdings profitierten viele Zulieferbetriebe von dem Ausbau.

Die Ratspolitiker haben angesichts der Proteste kalte Füße bekommen. Einstimmig sprachen sie sich gegen die jüngste Ausbaustufe aus. Eine Ausweitung um jeden Preis könne es nicht geben, sagt Bürgermeisterin Emmelmann.

Der Ärger um die Kavernenspeicher hat inzwischen auch die Landespolitiker alarmiert. Die Grünen-Abgeordnete Ina Korter, die aus der Region stammt, ist „entsetzt“, mit welcher Oberflächlichkeit der Landkreis Wittmund die Auswirkungen auf den Raum bisher geprüft habe. Es sei an der Zeit, dass die für Raumordnung zuständige Ministerin Astrid Grotelüschen die Verantwortung an sich zu ziehe und ein Raumordnungsverfahren für die Erweiterung einleite.

[Dr. Margit Kautenburger]

  • was steht denn hier Rechtschreibung??? – 26.05.10
    Vielleicht sollte über die Texte mal ein 2. rübergucken, bevor man Sie hier der Öffentlichkeit zugängig macht, was ja nicht schlecht ist! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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