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Wird der Schutz vor Einbrechern Pflicht?

Innenminister Pistorius Wird der Schutz vor Einbrechern Pflicht?

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat angesichts steigender Einbruchszahlen einen gesetzlich vorgeschriebenen Schutz für Neubauten ins Spiel gebracht. Es müsse darüber nachgedacht werden, Schutzvorrichtungen an Fenstern und Türen künftig gesetzlich vorzuschreiben, sagte er.

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Einen gesetzlichen Schutz gegen Einbrecher regt Innenminister Boris Pistorius an.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. Um die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser zu senken, fordert Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius strengere Vorschriften für Bauherren. Die sollten gesetzlich verpflichtet werden, bei Neubauten bestimmte Schutzvorrichtungen an Fenstern und Türen anzubringen. „Wir wissen, dass Einbrecher sehr häufig abbrechen, wenn sie merken, dass sie nicht innerhalb sehr kurzer Zeit in die Wohnungen und Häuser gelangen“, sagte der SPD-Politiker.
Im vergangenen Jahr sind in Niedersachsen 14 654 Einbrüche bei der Polizei angezeigt worden. Etwas mehr als jeder dritte davon geschah tagsüber. In rund 40 Prozent der Fälle blieb es beim Versuch – die Täter schafften es nicht, Fenster oder Türen zu knacken. Gelingt aber der Einbruch, sinken die Chancen der Opfer deutlich, ihr Hab und Gut jemals wiederzusehen. Nur einer von vier Einbrüchen wird in Niedersachsen aufgeklärt. Im Ländervergleich ist das allerdings eine sehr gute Quote: Bundesweit wird nur jeder sechste Fall aufgeklärt.

Verknüpft mit staatlichen Förderprogrammen könne Einbrechern das Handwerk gelegt werden, sagte Pistorius. „Beispiele aus anderen Ländern, etwa den Niederlanden, belegen das eindrucksvoll.“ Es dürfe angesichts der enormen Auswirkungen von Einbrüchen auf betroffene Menschen keine Denkverbote geben. Die Verletzung der Privatsphäre, das verlorene Sicherheitsgefühl – nach Angaben von Experten können nach Einbrüchen auch schwerwiegende psychische Folgen auftreten.

Beim Eigentümerverband Haus und Grund stieß der Vorschlag aus dem Innenministerium auf Ablehnung. „Jeder Eigner sollte selber entscheiden, was er einbauen will“, sagte Jürgen Lindner, Justiziar bei Haus und Grund in Niedersachsen. Eine gesetzliche Verpflichtung wäre eine weitere Auflage, von denen es für Haus- und Wohnungseigner bereits genug gebe.

„Der Vorschlag von Innenminister Pistorius entspricht dem steigenden Sicherheitsbedürfnis insbesondere der älteren Menschen“, meint dagegen Heiner Pott, Präsident des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen. Pott warnt aber gleichzeitig vor „gesetzlichen Anforderungen, die übers Ziel hinausschießen und den Wohnungsneubau weiter verteuern.“

Beide Verbände loben die bereits bestehende Beratung durch Sicherheitsexperten des Landeskriminalamts. „Die sagen dann auch: Dieses Schloss reicht nicht aus“, so Lindner. Wichtig sei auch die bauliche Situation: Wenn Grundstücke vom Nachbarn oder der Straße aus eingesehen werden könnten, steige das Risiko für die Einbrecher, erwischt zu werden. „Eine aufmerksame Nachbarschaft ist ohnehin der beste Einbruchschutz“, meint auch Pott.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen fünf Jahren in Niedersachsen um ein Drittel angestiegen. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft haben in dieser Zeit deutschlandweit die Schäden um 35 Prozent zugenommen. Die Hausratsversicherer zahlten im vergangenen Jahr insgesamt 490  Millionen Euro.

Abschließen und aufmerksam sein: Das Landeskriminalamt gibt Hausgemeinschaften folgende Tipps für ein sicheres Wohnen:
Halten Sie die Hauseingangstür auch tagsüber geschlossen. Prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie öffnen.
Achten Sie auf fremde Personen auf dem Grundstück und sprechen Sie diese gegebenenfalls an.
Die Wohnungstür nie einfach nur zuziehen, sondern immer zweimal abschließen, auch bei kurzer Abwesenheit.
Haus- und Wohnungsschlüssel niemals außerhalb der Wohnung verstecken – Einbrecher kennen jedes Versteck.
Fenster und Balkontüren nicht gekippt lassen, sondern immer schließen.
Während eines Urlaubs Briefkasten leeren lassen und Zeitschaltuhren einsetzen, damit die Wohnung nach außen einen bewohnten Eindruck macht.
Mit Nachbarn Telefonnummern austauschen, um im Notfall schnell erreichbar zu sein.
Keine Fremden in die Wohnung lassen.
Achten Sie darauf, ob ältere Nachbarn Besuch von Fremden bekommen, und fragen Sie nach, was diese Personen wollen.
Wenn Sie einen Einbruch mitbekommen, rufen Sie die Polizei. Versuchen Sie nie, die Einbrecher selbst festzuhalten.

Von Oliver Pietschmann und Heiko Randermann

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