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Interesse am Bildungspaket für arme Kinder steigt

Mittagessen, Verein, Musikschule Interesse am Bildungspaket für arme Kinder steigt

Die Leistungen aus dem sogenannten Bildungspaket sollen Kindern aus bedürftigen Familien bessere Startchancen geben. Niedersächsische Kommunen bemängeln jedoch zu hohen bürokratischen Aufwand.

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Quelle: dpa

Hannover/Osnabrück. Warmes Mittagessen, Fußball im Verein, Gitarre in der Musikschule: Trotz Startschwierigkeiten steigt die Nachfrage nach den Angeboten aus dem Bildungspaket für bedürftige Kinder in Niedersachsen zusehends. Jede Woche gehen mehr Anträge bei den Behörden ein. Die niedersächsischen Städte und Landkreise sehen in dem Bildungspaket einen Gewinn für Jungen und Mädchen aus sozial schwachen und armen Elternhäusern, kritisieren aber bürokratische Hürden bei der Umsetzung. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Insgesamt können landesweit knapp 300.100 Kinder und Jugendliche vom Bildungspaket profitieren, sie stammen aus Familien, die Hartz IV, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. 121 Millionen Euro stellt der Bund dafür bereit. Gut angenommen werden bisher Gutscheine für Sportvereine, Kulturangebote sowie der Zuschuss zum warmen Mittagessen in Schule oder Kindergarten. Die Eltern müssen beim Essen einen Euro beisteuern. Hier wünschen sich viele Kommunen jedoch einfachere Regelungen. „Eine pauschale Gewährung beziehungsweise eine Förderung von Leistungsanbietern, Schulen und Kitas könnte Erleichterung bringen“, sagte Hartmut Kaiser, Sprecher der Stadt Göttingen. So sehen es auch die Städte Braunschweig und Hildesheim.

„Die Eltern müssen die Unterstützung beantragen, da liegt die Haupthürde“, sagte die Osnabrücker Sozialdezernentin Rita Maria Rzyski. Bei rund 6300 Antragsberechtigten seien in ihrer Stadt bisher 2400 Anträge gestellt worden, Tendenz steigend. Nachbesserungsbedarf sieht sie bei der Nachhilfe. So heißt es im Bildungspaket, Förderung sei dann notwendig, wenn die Versetzung gefährdet sei oder das Lernziel nicht erreicht werde. „Was macht man aber, wenn es nicht um die Versetzung geht, aber eine bessere Note den Zugang zum Gymnasium ermöglichen würde?“ Bei aller Detail-Kritik dürfe man nicht die Potenziale des Bildungspakets verkennen, betonte Rzyski.

In Wolfsburg wurde nach Angaben der Stadt bisher für rund 50 Prozent der bedürftigen Kinder ein Antrag gestellt. „Bürokratischer Aufwand entsteht natürlich immer bei Transferleistungen, die nur auf Antrag gewährt werde können. Allerdings profitieren die Kinder aus Familien mit geregerem Einkommen deutlich durch das Bildungs- und Teilhabepaket“, sagte Werner Bone, Leiter des Geschäftsbereichs Soziales. In Braunschweig haben bisher nur 20 Prozent der 10.000 Betroffenen Leistungen beantragt. In der Region Hannover liegen bei knapp 60.000 Leistungsberechtigten 11.000 Anträge vor.

Weil die Nachfrage zu Anfang eher verhalten war, haben die Städte und Landkreise mit Elternbriefen und Plakat-Aktionen, Faltblättern und im Internet für das Bildungspaket geworben. Die Stadt Emden hat sogar eine „Mach-mit! Karte Emden“ eingeführt, die die Eltern der bedürftigen Kinder als „Zahlmittel“ vorlegen können. „Man spürt eine positive Wirkung. Das ist eine gute Nachricht, gerade bei dieser Gruppe“, sagte die Sprecherin des Niedersächsischen Landkreistages, Sonja Markgraf. Landesweit profitierten inzwischen etwa 30 Prozent der bedürftigen Kinder vom Bildungspaket, sagte der Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Christian Geiger.

“Über die Parteigrenzen hinweg wird die Individualförderung als viel sinnvoller angesehen als Geld direkt den Familien zu geben“, betone Geiger. Lediglich die Region Hannover hält eine direkte Förderung der Familien für eine sinnvolle Alternative, die laut Sprecher Nils Meyer vieles vereinfachen würde. „Bei Direktzahlungen an Antragsteller wäre fraglich, ob diese bei den Kindern wirklich ankämen. Die Praxis zeigte in der Vergangenheit, dass dieses nur eingeschränkt zutraf“, hieß es dagegen aus dem Sozialamt des Landkreises Aurich.

Im Bundesland Bremen ist das Mittagessen in den Kitas und Grundschulen schon lange kostenfrei, danach kostet es einen Euro. In der Stadt mit 30 Prozent Kinderarmut (Stand Ende 2008) sind etwa 29.500 Kinder und Jugendliche anspruchsberechtigt, bisher wurden nach Angaben des Senats für Soziales zwischen 6000 und 7000 Anträge gestellt. „Bremen hat versucht, einen für die Eltern möglichst unbürokratischen Weg zu wählen“, sagte Sprecherin Petra Kodré.

dpa

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