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Kabinett beschließt neues Schulgesetz

Abitur nach 13 Jahren Kabinett beschließt neues Schulgesetz

Das Abitur ist in Niedersachsen wieder nach 13 Jahren möglich: Am Dienstag beschloss das Kabinett die Änderung des Schulgesetzes. Die Umstellung zurück soll mit dem neuen Schuljahr in diesem Sommer beginnen. Der Landtag muss dem Gesetz noch zustimmen.

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Das Abitur ist in Niedersachsen wieder nach 13 Jahren möglich.

Quelle: dpa

Hannover. Als erstes Bundesland verabschiedet sich Niedersachsen vom Turbo-Abitur an den Gymnasien. Das Kabinett hat gestern den geänderten Schulgesetzentwurf verabschiedet, der in der nächsten Wochen erstmals im Landtag diskutiert werden wird. Verabschiedet werden soll er spätestens im Juni. Gelten soll er bereits ab August. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, das Gesetz eröffne Schülern, Schulen und Schulträgern gleichermaßen neue Chancen. Die Regierung habe die 46 Eingaben von Verbänden und anderen Akteuren ausgewertet und den ursprünglichen Gesetzentwurf noch einmal modifiziert.

Während CDU und FDP angesichts der rechtlichen Aufwertung der Gesamtschulen um die Zukunft der Gymnasien fürchten, sagte Heiner Scholing, Bildungsexperte der Grünen, die Gleichstellung der Gesamtschulen sei mitnichten eine Diskriminierung der Gymnasien. Wenn Eltern ihre Kinder auf eine Gesamtschule schicken wollten, müsse dies überall möglich sei. In einigen Landkreisen werde ihnen diese Möglichkeit aber verwehrt. Das will Rot-Grün ändern.

Mit dem neuen Schulgesetz ändert sich in Niedersachsen viel

Mehr Zeit bis zum Abitur: Alle Schüler, die ab dem Schuljahr 2015/2016 in den Klassen fünf bis acht sind, sollen erst nach 13 Jahren ihre Abschlussprüfung ablegen. Besonders leistungsstarke Kinder können ein Schuljahr überspringen. Lehrpläne und Stundentafeln werden derzeit entsprechend überarbeitet. Dabei prangern die Musik- und Kunstlehrer massive Stundenkürzungen an. Die Rede ist von 30 Prozent weniger Unterricht im künstlerisch-musischen Bereich. Statt einer schriftlichen Klausur sollen Abiturienten in einem Fach auch eine sogenannte Präsentationsprüfung ablegen dürfen. Dabei lösen die Schüler die Aufgaben mithilfe eines Computers und zeigen dann zum Beispiel eine Powerpoint-Präsentation.

Mehr Berufsorientierung: Um die Schüler besser auf Studium und Beruf vorzubereiten, soll ein weiteres Pflichtpraktikum eingeführt werden, vermutlich im Jahrgang elf. Zudem wird das Fach Politik/Wirtschaft gestärkt.
Sprachförderschulen bleiben: Anstatt die Förderschulen für Kinder mit Sprachproblemen auslaufen zu lassen, bekommen diese wie auch die an Grundschulen angesiedelten Sprachheilklassen Bestandsschutz. Neue Sprachförderschulen dürfen aber nicht gegründet werden.
Pflichtganztagsschulen möglich: Erlaubt wird jetzt ausdrücklich auch die Gründung neuer gebundener Ganztagsschulen. Landesweit gibt es bislang 1700  Schulen mit einem Nachmittagsangebot.

Laufbahnempfehlung entfällt: Viertklässler bekommen künftig keine schriftliche Empfehlung mehr für den Besuch einer Haupt- und Realschule oder eines Gymnasiums. Stattdessen soll es für Eltern zwei Beratungsgespräche geben. Pflicht ist die Teilnahme daran aber nicht. „Wir können Schulen verpflichten, diese Gespräche anzubieten“, sagte Heiligenstadt, „nicht aber Eltern, diese auch wahrzunehmen.“ So werde der nicht kindgerechte Leistungsdruck aus dem Primarbereich genommen. Damit entfällt auch der automatische Wechsel auf eine  andere Schulform, wenn ein Kind mit einer Realschulempfehlung an einem Gymnasium zweimal die sechste Klasse nicht geschafft hat. Bislang mussten Schüler in diesem Fall das Gymnasium verlassen, während Schüler mit einer Gymnasialempfehlung, aber den gleichen schlechten Leistungen, bleiben durften.

Aufwertung der Gesamtschulen: Integrierte Gesamtschulen werden von der Angebots- zur Regelschule – das heißt, dass sie andere Formen des gegliederten Schulwesens ersetzen können. Ein Gymnasium muss allerdings unter zumutbaren Bedingungen erreichbar bleiben. Als zumutbar gilt, ein Fahrtweg von jeweils 60 bis 75 Minuten. Grundschulen und Gesamtschulen sollen organisatorisch enger miteinander verzahnt werden. Das Gleiche gilt auch für Oberschulen ohne und künftig auch mit gymnasialem Angebot und Hauptschulen. Einen Zusammenschluss von Grundschulen und Gymnasien sieht das Gesetz nicht vor. Das sei aufgrund des pädagogischen Auftrags des Gymnasiums auch noch von keiner Seite gewünscht worden, sagte die Ministerin. Die Philologen fürchten, dass Verbunde von Grund- und Gesamtschulen für Eltern deutlich attraktiver sein könnten als das weiter entfernt liegende Gymnasium.

Klassenfahrtenerlass noch nicht fertig

Neuer Klassenfahrtenerlass ist noch nicht fertig: Für Klassenfahrten will das Kultusministerium Vorgaben erarbeiten, die praktikabel und rechtssicher sind und Lehrern auch die Erstattung ihrer Kosten sicherstellen. Das könne noch einige Monate dauern, betonte Ministerin Frauke Heiligenstadt am Dienstag: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“ Lehrer, die Freifahrten annähmen, machten sich der Korruption schuldig. Ebenfalls unzulässig sei es allerdings, wenn Schulleiter Pädagogen vor Reiseantritt bedrängten, schriftlich auf die Erstattung von Kosten zu verzichten. Schulen hätten ein gemeinsames Budget für Klassenfahrten und Weiterbildung. Dies sei seit der Zusammenlegung dieser beiden Bereiche verdreifacht und im Jahr 2014 noch einmal erhöht worden. An finanziellen Gründen könne es also nicht liegen, wenn Fahrten nicht stattfänden. Die Reisen seien ein wichtiger Aspekt zur Festigung des Klassenklimas, betonte Heiligenstadt.

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Angriff auf das Gymnasium
Foto: Leistungsvergleich an einer Schule.

Elternvertreter und Philologenverband lehnen das neue Schulgesetz ab. Grund: Es gehe zu Lasten des Gymnasiums, weil Integrierte Gesamtschulen rechtlich aufgewertet werden. Tatsächlich plant die Landesregeierung Integrierte Gesamtschulen zur Regelschule umzuwandeln.

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