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Niedersachsen Wie gefährlich sind die Kalihalden für das Grundwasser?
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00:15 20.02.2019
Die Luftaufnahme aus dem Jahr 2014 zeigt einen zum Teil begrünten Kaliberg in Sehnde in der Region Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

An fast allen der insgesamt sieben Kalihalden in Niedersachsen sind im Grundwasser die Grenzwerte für die Salzbelastung deutlich überschritten – alleine drei der fünf betroffenen Standorte liegen in der Region Hannover. Für keine der niedersächsischen Halden ist die Salzeinleitung ins Grundwasser genehmigt. Insgesamt wurden mehr als 150 Millionen Tonnen Rückstände aus dem Kalibergbau auf den Halden abgelagert. Das geht aus der Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Landtags-Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Nach Angaben des Ministeriums werden an fünf Standorten im Grundwasser die Grenzwerte von maximal 250 Milligramm Salz pro Liter Wasser überschritten – für zwei Standorte gibt es mangels Monitoring keine Angaben. Sechs Kalihalden verfügen demnach nicht über eine entsprechende Abdeckung, um das Einsickern von Salzwasser ins Grundwasser zu verhindern. Das Versickern von Salzwässern bei einer Halde ohne Basisdichtung sei ungewollt, heißt in der Antwort des Ministeriums. „Für die Halden wurde keine wasserrechtliche Erlaubnis oder Bewilligung und auch keine sonstige Genehmigung erteilt.“ Sie hätten grundsätzlich Bestandsschutz.

Gefahr für das Grundwasser

„Die Altlasten der Kali-Industrie sind eine Gefahr für das Grundwasser“, sagte die Grünen-Abgeordnete Imke Byl. Das Grundwasser unterhalb der Salzhalden sei an allen Standorten massiv belastet, die Landesregierung verweise jedoch lapidar darauf, dass die Halden Bestandsschutz hätten. Die Grünen fordern, die Betreiber in Haftung zu nehmen, um die Salzauswaschungen zu stoppen und das Grundwasser zu sanieren.

„Durch eine Abdeckung der Salzhalden sollen die Auswaschungen langfristig vermindert werden“, sagte Byl. Bislang sei aber völlig offen, ob das tatsächlich klappe. Die Haldenabdeckungen seien vor allem ein „profitables Geschäft“ für die Betreiber wie Kali+Salz, kritisierte die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion. „Auf den Halden werden Bauschutt und belastete Böden abgelagert und für diese Entsorgung lässt sich der Betreiber natürlich bezahlen.“

Zweite Halde in Giesen geplant

Laut Umweltministerium werden die Grenzwerte unter anderem bei der Halde in Wathlingen (Kreis Celle) sowie beim Kaliwerk Siegfried-Giesen im Landkreis Hildesheim überschritten. Dessen umstrittene Wiederinbetriebnahme wurde erst kürzlich auf Druck von Umweltminister Olaf Lies (SPD) genehmigt. Dafür soll eine zweite Kalihalde aufgeschüttet werden. Die Althalde soll abgedeckt werden, bislang gibt es dafür aber offenbar keinen konkreten Zeitplan. Der Betreiber K+S darf die salzhaltigen Abwässer in den Fluss Innerste einleiten.

Die Kalihalde im jüngst stillgelegten Kalibergwerk Sigmundshall in Wunstorf-Bokeloh soll mit Salzschlacken aus dem Aluminium-Recycling abgedeckt werden. Die Abwässer werden dort die Leine eingeleitet. Auch in Sigmundshall werden die Grenzwerte nicht eingehalten. Das gilt auch für die Kalihalde Friedrichshall in Sehnde. Für die Halden Hugo (Lehrte) und Albert (Ronnenberg) liegen laut Ministerium keine Erkenntnisse über die Belastung des Grundwassers vor. Dort seien noch Untersuchungen geplant. Bei der Halde Hansa in Empelde sei die Haldenabdeckung abgeschlossen.

Abdeckung mit belastetem Bauschutt

Die Grünen kritisieren auch, dass die Halden mit Abfällen abgedeckt werden, die sonst auf Deponien entsorgt werden müssten: belasteter Bodenaushub, Bauschutt und Recycling-Abfälle, die überwiegend aus dem Großraum Hannover/Braunschweig stammten.Dennoch werde die Abfallentsorgung durch die Haldenabdeckung nach Bergrecht und nicht nach dem strengeren Deponierecht genehmigt.

Von Marco Seng

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