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Kinder und Kranke schlafen ohne Heizung in Zelt

Notstand in Bramsche Kinder und Kranke schlafen ohne Heizung in Zelt

Das Erstaufnahmelager in Bramsche scheint hoffnungslos überfüllt zu sein. Es fehlt am Nötigsten, Helfer rufen mittlerweile den Notstand aus. Selbst Kinder und Kranke müssen in Zelten ohne Heizung übernachten, heißt es in einem Bericht.

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Das Lager in Bramsche.

Quelle: dpa (Archiv)

Hannover. Während die niedersächsische Landesregierung mit Hochdruck an Konzepten zum Umgang mit der Flüchtlingsnot arbeitet, droht die Lage in den Aufnahmelagern zu eskalieren. Offenbar gelingt es kaum noch, die vielen neu angekommenen Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen. Darauf macht die CDU-Fraktion in einem Papier aufmerksam, das in der Sondersitzung des Niedersächsischen Landtags am Donnerstag eine Rolle spielen wird.

Selbst Kinder und Kranke müssten in Zelten ohne Heizung übernachten - „auf Feldbetten, aber zumeist inzwischen auf Matratzen, die direkt auf dem Boden liegen. Dazu haben sie Wolldecken oder normale Decken ohne Bezüge erhalten“, heißt es in dem Bericht. Er wurde von zwei Mitarbeitern der CDU-Fraktion erstellt, die am vergangenen Wochenende das Gelände des Erstaufnahmelagers in Bramsche bei Osnabrück besucht haben.

Auch Mitarbeiter einer privaten Hilfsorganisation bestätigten der HAZ, dass die Situation in Bramsche zeitweise außer Kontrolle geraten ist. Journalisten selbst können sich kein Bild von der Situation vor Ort machen, sie haben kein Zugang zum Aufnahmelager.

Behörden kommen mit der Registrierung der Flüchtlinge nicht nach

Die Einrichtung ist für 700 Flüchtlinge ausgelegt, es sollen sich dort aber bis zu 3600 Personen aufhalten. Am Wochenende war bekannt geworden, dass es beim Verteilen von Spenden zu einer Schlägerei kam, die von der Polizei beendet werden musste. Ein Hauptproblem ist offenbar, dass die Behörden mit der Registrierung der Flüchtlinge nicht mehr hinterherkommen. Ohne Registrierung aber haben die Menschen keinen Anspruch auf finanzielle Hilfe. Sie seien dann auf die angebotenen Mahlzeiten und Sachspenden angewiesen, heißt es im CDU-Papier.

In der Sondersitzung des Landtags am Donnerstag zur Flüchtlingskrise dürften Beobachtungen zur Sprache kommen, die zwei Mitarbeiter der CDU-Fraktion im Erstaufnahmelager in Bramsche gemacht haben. Eine schriftliche Zusammenfassung liegt der HAZ vor.

Gespräche mit Helfern seien „teilweise schockierend“ gewesen, heißt es darin. „Allem Anschein nach weiß niemand, wie viele Personen sich gegenwärtig in der Einrichtung in Bramsche aufhalten.“ Die Johanniter, die auf dem Gelände mit Zelten aushelfen, rechneten mit etwa 3000 Menschen auf dem für 700 Flüchtlinge ausgelegten Gelände. Es dürften sogar mehr sein: „Es wurde eher von 3600 Flüchtlingen gesprochen“, sagte am Dienstag eine Helferin einer weiteren Flüchtlingsorganisation.

Neuankömmlinge müssen sich selbst Schlafplätze suchen

Offenbar fehlen laut CDU Schlafmöglichkeiten. Neuankömmlinge erhalten bei der Ankunft einen gelben Schein, den die Flüchtlinge „small yellow paper“, kleines gelbes Papier nennen. Normalerweise werde auf dem Schein angegeben, wo sie im Lager untergebracht sind. Inzwischen heiße es in dem betreffenden Feld zumeist „ohne“. „Eine Vermittlung von Schlafgelegenheiten scheint es nicht mehr zu geben“, notieren die Fraktionsmitarbeiter. „Jeder Neuankömmling muss sich selbst einen freien Platz suchen.“ Das bestätigt eine Flüchtlingshelferin: „Ein fester Schlafplatz wird nicht mehr zugewiesen. Das haben wir von Flüchtlingen gehört.“

Offenbar werden die Flüchtlinge sich selbst überlassen. Es dauert Wochen, bis sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) registriert werden – und das „big yellow paper“ erhalten. Nur mit diesem großen gelben Schein erhalten die Flüchtlinge aber finanzielle Hilfe und sind nicht mehr nur auf „die angebotenen Mahlzeiten und Sachspenden aus der Kleiderkammer angewiesen“. Die CDU-Mitarbeiter haben den kleinen gelben Schein einer Flüchtlingsfamilie gesehen. Dort ist ihre Ankunft im Lager am 1. September notiert. Beim BAMF erscheinen sollen sie gut sieben Wochen später, am 22. Oktober.

Auch das wird von einer Flüchtlingshelferin bestätigt: „Das ist das Hauptproblem“, sagte die Frau. „Sie bekommen diese Zettel und warten dann, dass die Bürokratie in Gang kommt. Es sind einfach viel zu viele.“ Das erklärt möglicherweise einen Vorfall in Bramsche vom vergangenen Freitag: Auf dem Parkplatz war es zu Schlägereien unter Flüchtlingen gekommen, als eine Hilfsorganisation Spenden an die Menschen verteilen wollte. Das Innenministerium äußerte sich auf Anfrage nicht.

Das Lager in Bramsche

In Bramsche waren schon einmal Hunderte Menschen untergebracht. Nach der Wende kamen bis zum 30. September 2000 etwa 520.000 deutschstämmige Aussiedler über das 17 Hektar große ehemalige Nato-Kasernengelände nach Deutschland. Gebaut wurde die Kaserne von den Niederländern. Seit 1989 ist das Gelände im Besitz des Landes, und seit Mitte 2014 ist Bramsche neben Braunschweig und Friedland eines der großen Erstaufnahmelager des Landes. Es ist für 700 Menschen ausgelegt. Im Normalfall sollen sich vier Menschen ein Zimmer teilen, getrennt nach Nationalitäten und ethnischen Gruppen. Familien und alleinreisende Frauen haben separate Unterkünfte. Eigentlich soll Bramsche Asylsuchende auffangen, wenn die Lager in Braunschweig und Friedland keine Kapazitäten mehr haben. Inzwischen ist Bramsche selbst überfüllt. Ähnliche Zustände wie in Bramsche werden aus zahlreichen Erstaufnahmelagern, auch in anderen Bundesländern, berichtet. Provisorische Schlafplätze, dreckige Matratzen in kahlen Räumen, überfordertes Sicherheitspersonal - das alles fand eine NDR-Reporterin in einer Zentralen Erstaufnahmestelle in Hamburg-Harburg vor. Ähnlich überfüllt wie Bramsche ist das Durchgangslager im niedersächsischen Friedland.

Von Karl Doeleke und Michael B. Berger

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