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Niedersachsen Kirsten Lühmann ist Strucks Nachfolgerin
Nachrichten Politik Niedersachsen Kirsten Lühmann ist Strucks Nachfolgerin
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22:34 04.02.2010
Von Reinhard Urschel
Kirsten Lühmann (SPD)

Natürlich hat sie einen Motorradführerschein. Über die Frage danach muss sie schon schmunzeln, weil sie ihr immer wieder gestellt wird. Sie muss nur sagen, dass sie in Berlin den Wahlkreis von Peter Struck vertritt. Kirsten Lühmann setzt dann gerne eine Pointe drauf: „Ich fahre aber einen Heinkel-Roller.“ Das sind die nostalgisch anmutenden Motorroller, die eine gewisse Eleganz ausstrahlen. Vielleicht lässt sich der stilistische Unterschied zu ihrem Vorgänger auf diese Weise anschaulich machen. Struck bevorzugt die schweren Maschinen, einschließlich der dazugehörenden Geräuschentwicklung.

Überhaupt hat die gebürtige Oldenburgerin, die heute mit ihrer Familie in Hermannsburg lebt, so einiges zu tragen an der Nachfolge des sozialdemokratischen Urgesteins. So ganz stimmt es zwar nicht mit der Nachfolge, weil Kirsten Lühmann den Wahlkreis Celle-Uelzen 2009 nicht direkt gewonnen hat. Aber das war auch Struck nicht auf Anhieb gelungen. Im Bundestag ist Lühmann also ein Neuling. Sie fällt auf, nicht allein wegen ihrer Größe und den langen, dunklen Haaren. Sie strömt eine Ernsthaftigkeit aus, die nicht allen Bundestagsneulingen eigen ist.

Sie ist ungefähr das Gegenteil von einem „Hoppla, jetzt komm ich“-Typ. Vielleicht ist das Mentalitätssache, vielleicht auch berufliche Prägung. Nach dem Abitur 1983 wollte sie zur Polizei, nicht zur Kripo, wie man ihr riet, nein, unbedingt in den Streifendienst. Der Innenminister in Niedersachsen hieß damals Wilfried Hasselmann, er wollte keine uniformierten Polizistinnen. Es ging dann doch. Im Rahmen eines „Versuchs“ trat sie als eine der ersten Schutzpolizistinnen in den Dienst des Landes Niedersachsen. Vielleicht muss man noch erwähnen, dass ihr Großvater Unterwachtmeister war, der Vater war Soldat.

Natürlich blieb es nicht beim Streifendienst, „obwohl ich die Zeit nicht missen möchte“. Sie war stationiert in Bergen, zuständig für die Kontrolle von Lastwagen. Während der Castor-Transporte hat sie die, gewiss nicht einfache Pressearbeit erledigt. Drei Töchter hat sie großgezogen, bevor sie an die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim wechselte. Dort wurde sie zur Fachfrau für „häusliche Gewalt“. Zur Politik ist sie über Gewerkschaftsarbeit gekommen. Als Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft war sie stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes und der Tarifunion. In Hermannsburg gehört sie in der Kirchengemeinde zum Lektorenkreis.

Es hätte sich angeboten, eine Frau mit so viel Erfahrung auf dem Gebiet der inneren Sicherheit in den Innenausschuss zu berufen, aber davor stehen die ungeschriebenen Gesetze des Parlamentarismus. Also zuerst Verkehrsausschuss, doch immerhin schon stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss. Auch wenn ihr die Polizei am Herzen liegt („der Beruf schreit nach Veränderungen“), kümmert sich Lühmann in dieser Legislaturperiode um den Bundesverkehrswegeplan.

Nun ist es nicht so, dass sie auf den legendären Touren, die Peter Struck mit dem Motorrad unternommen hat und künftig fahren wird, mit ihrem Roller dabei ist. Wenn nötig, das nimmt man ihr ab, kommt die Frau auch mit schwerem Gerät klar.

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