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Zahl der Einbrüche ist auf Zehn-Jahres-Hoch

Kriminalitätsstatistik Zahl der Einbrüche ist auf Zehn-Jahres-Hoch

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr um fast 2000 Fälle angestiegen - das ist ein Plus von 13 Prozent. Insgesamt sei die Kriminalitätsquote stabil, betont Innenminister Boris Pistorius. Flüchtlinge würden bei Kriminalität keine große Rolle spielen.

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Ein kriminaltechnischer Angestellter der Polizei Hannover sichert  Fingerabdrücke an einem Fenster. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Niedersachsen ist 2015 um 13,1 Prozent gestiegen.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. 16.575 Mal sind im vergangenen Jahr in Niedersachsen Einbrecher in ein Haus oder eine Wohnung eingestiegen, oder haben es zumindest versucht. Das ist ein deutliches Plus gegenüber 2014 von 1921 Taten (plus 13,11 Prozen) - das ist ein Zehn-Jahres-Hoch. Erwischt werden die Täter dabei kaum: Nur 22 Prozent aller Fälle wurden aufgeklärt, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 2,3 Prozentpunkten. Das wiederum ist die niedrigste Quote der vergangenen zehn Jahre.  

Wohnungseinbrüche seien für die Opfer eine große Belastung, vor allem auch psychisch, weiß Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius: "Zehn Prozent aller Einbruchsopfer ziehen nach der Tat um, weil sie sich in ihren vier Wänden nicht mehr sicher fühlen." Er lobte die Polizei aber noch für die Aufklärungsquote: Bundesweit liege sie mit 16 Prozent sogar noch deutlich darunter. "Dass so viele Taten aufgeklärt werden konnten, ist ein Beweis der engagierten Arbeit unserer Polizeibeamtinnen und -beamten", so der Minister. Doch er sei natürlich "nicht zufrieden" mit dieser Entwicklung.

Um die Zahlen zu senken, fordert Pistorius erneut, mechanische Einbruchsicherung bei Neubauten gesetzlich zur Pflicht zu machen. Den Vorwurf, den die Gewerkschaft der Polizei (GdP) derzeit in einer Plakatkampagne formuliert, wonach die geringe Zahl von Polizeibeamten den Einbrechern das Handwerk leicht mache, weist der Minister zurück: Man habe derzeit mit über 18.000 Vollzugsbeamten die höchste Zahl, die es jemals im Land gab. "Wir könnten auch 30.000 haben, ich behaupte, das würde die Zahl der Einbrüche nicht verringern", so Pistorius. "Einbrüche passieren, weil sie so schnell gehen." Innerhalb von 30 Sekunden sei eine Tür oder ein Fenster in der Regel aufgehebelt - das sei einfach zu leicht.

Flüchtlinge machten laut Pistorius keinen großen Anteil in der Kriminalitätsstatistik aus. 38.627 Fälle wurden registriert, bei denen Flüchtlinge als Täter galten. Das sei eine Zunahme von 20.702 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Rechne man aber die ausländerrechtlichen Straftaten wie das Verschweigen der Herkunft oder Wegschmeißen des Passes heraus, gebe es eine Zunahme von 11.100 Fällen - vor allem Diebstahl (eine Verdoppelung auf 6331 Fälle), Schwarzfahren (plus etwa ein Drittel auf 5182 Fälle) und Körperverletzung (plus etwa ein Drittel auf 3494 Fälle). Die Zahlen seien angesichts einer Zuwanderung von über 100.000 Menschen gering, sagte Pistorius, und betonte: "Hier wird nichts schöngeredet oder schöngerechnet. Wir bleiben bei den Fakten."

Flüchtlinge fallen als Schwarzfahrer auf

Rund 102 000 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Niedersachsen gekommen. Seit Anfang November wird in der Polizeistatistik auch erfasst, ob es sich bei Tätern oder Opfern einer Straftat um Flüchtlinge handelt. Das Ergebnis sei eindeutig, so Innenminister Boris Pistorius: „Flüchtlinge begehen in keinem unverhältnismäßig hohen Umfang Straftaten.“ Sie machten etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen aus, und seien für 0,8 Prozent der Straftaten verantwortlich. Bei 38 726 Straftaten wurde ein Flüchtling als Tatverdächtiger registriert. Das sind 20 702 Fälle mehr als 2014. Ein Großteil der Zunahme (11 100 Fälle) davon machen die ausländerrechtlichen Verstöße aus.

Wenn Flüchtlinge darüber hinaus straffällig werden, tauchen immer wieder drei Deliktfelder auf: Körperverletzung (3494 Fälle), Ladendiebstahl (6331 Fälle) und Schwarzfahren (5182 Fälle). Einen Fall massenhafter sexueller Übergriffe wie in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof habe es in Niedersachsen nicht gegeben, so Pistorius.     

Mehr Missbrauchsfälle

Sexuelle Gewalt, Kinderpornografie und Missbrauch haben in Niedersachsen im vergangenen Jahr die Polizei häufiger beschäftigt als noch ein Jahr zuvor. Aber auch die Aufklärungsquote ist gestiegen: um 3,8 Punkte auf 84 Prozent. Insgesamt 5227 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind in der Kriminalstatistik verzeichnet – das sind 77 Taten oder 1,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Deutlicher ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen angestiegen: Hier gibt es eine Zunahme von 205 Fällen auf 1581. 

Dagegen sind die Verfahren wegen Kinderpornografie in Niedersachsen leicht rückläufig: Die Polizeistatistik weist hier 1403 Verfahren aus, das sind 115 Fälle oder 7,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die niedersächsische Landesregierung unternehme alle Anstrengungen, um Kinderpornografie zu bekämpfen und „möglichst alle, die sich an diesen widerlichen Straftaten beteiligen, zu überführen“, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias.     

Todespfleger treibt Mordrate hoch

109 Morde verzeichnet die Kriminalstatistik für das Jahr 2015, und die Hälfte davon geht auf einen Fall zurück: Allein 55 Taten werden dem sogenannten Todespfleger Niels H. zur Last gelegt, der in Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg Patienten eine tödliche Dosis eines Medikaments gespritzt hatte, um anschließend seine Reanimationsfähigkeiten zeigen zu können. Niels H. hat seine Taten nicht 2015 verübt, sie wurden ihm aber in diesem Jahr nachgewiesen. Dadurch ergeben sich insgesamt 109 Mordfälle für 2015, im Jahr zuvor waren es 76. Die Gesamtzahl der Straftaten gegen das Leben, darunter Totschlag (minus 21 Prozent auf 167 Fälle) und fahrlässige Tötung (minus 22 Prozent auf 100 Fälle), geht dagegen zurück: um 35 Fälle auf 392, das ist ein Rückgang von 8,2 Prozent.

Mord und Totschlag werden meist als die spektakulärsten Verbrechen wahrgenommen, im Gesamtbild der Statistik machen sie aber nur 0,07 Prozent aller Straftaten aus. Dafür ist die Aufklärungsrate hoch: 95 Prozent aller Straftaten gegen das Leben werden aufgeklärt. Bei den vollendeten Taten seien es sogar nahezu 100 Prozent, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias.     

Beamte als Opfer

Rohheitsdelikte und Gewaltverbrechen gehen zurück – das gilt allerdings nicht, wenn die Opfer Polizeibeamte sind. Seit Jahren steigt die Zahl der Angriffe auf Vollzugsbeamte an. 1081-mal wurden Polizistinnen und Polizisten im vergangenen Jahr Opfer einer Körperverletzung. Das sind 147 Fälle oder 15,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Noch 2011 wurden gerade einmal 538 Fälle von Körperverletzung registriert.

Fast immer seien die Täter dabei alkoholisiert, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias. Das entschuldige die Taten aber keineswegs. Es müsse nun überlegt werden, ob eine bessere Schutzausrüstung hier helfen könnte. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte diese Entwicklung „beängstigend“. Kindern müsse bereits in der Schule mehr Respekt vor der Polizei vermittelt werden. GdP-Landeschef Dietmar Schilff wiederholte seine Forderung nach einem eigenen Strafrechtsparagrafen für Gewalt gegen Polizisten.     

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