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Niedersachsen "Muss es erst Tote geben?"
Nachrichten Politik Niedersachsen "Muss es erst Tote geben?"
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00:15 13.07.2016
Vor diesem Geschäft in Cremlingen schlugen sie zuletzt zu: Burkhard Garweg (v.l.), Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. Quelle: dpa/BKA (Collage)
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Hannover

„Wir reden hier schließlich nicht von Ladendieben, sondern von hochgefährlichen und mit Sturmgewehr und Panzerfaust bewaffneten Terroristen, die durch das Land fahren und bewaffnete Raubüberfälle verüben“, sagte er der HAZ. Man dürfe nicht erst über Fehler bei den Ermittlungen diskutieren, „wenn jemand zu Tode gekommen ist“. Wilhus zeigte Unverständnis dafür, dass die Ermittlungsarbeit einzelnen Polizeidienststellen überlassen bleibe, statt zentral beim Bundeskriminalamt gebündelt zu werden. Zu prüfen sei auch, ob nicht der Verfassungsschutz eingebunden werden müsse, um eine eventuelle linksextreme Unterstützerszene in den Blick zu nehmen.

Den drei Ex-RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub (61), Burkhard Garweg (47) und Daniela Klette (57) werden mehrere Raubüberfälle zugeschrieben, zuletzt der am 25. Juni in Cremlingen bei Braunschweig. Dort hatten drei Täter einen Geldtransporter eingekeilt, der gerade die Tageseinnahmen eines Dänischen Bettenlagers abholen wollte. Sie bedrohten den Fahrer mit einer Panzerfaust und feuerten mit einer Kalaschnikow gegen den Wagen und in die Luft. Anschließend rasten die drei mit einem der Autos davon, im Gepäck eine beachtliche Beute – die Rede ist von 400.000 Euro. Es ist bereits der neunte Überfall der ehemaligen Terroristen in Niedersachsen seit 2011. Auch in Hildesheim, Wolfsburg, Osnabrück und Northeim schlugen sie zu. Oftmals mussten sie ohne Beute abziehen. Fahnder vermuten, dass die drei so viele Überfälle verübten, weil ihnen das Geld für das Leben im Untergrund ausgegangen war.

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Werden vom BKA gesucht: Burkhard Garweg (von links), Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette.

Pistorius: "Netz zieht sich zusammen"

Noch Anfang Juni hatte sich Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zuversichtlich gezeigt, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die früheren Terroristen ergriffen werden könnten. „Jetzt zieht sich das Netz wirklich zusammen“, hatte er gesagt. Doch die drei sind immer noch auf freiem Fuß.

Das Landeskriminalamt weist die Kritik an der Ermittlungsarbeit zurück: Die bundesweite Fahndung sei schon vor einem Jahr, als man erstmals DNA-Material der Täter habe sichern können, beim LKA zentralisiert worden, erklärte ein Sprecher. Das geschehe mit Unterstützung des Bundeskriminalamts. Als Erfolg verbuchen die LKA-Ermittler, dass sie viele Erkenntnisse über die Ex-RAF-Leute sammeln konnten. Sie wissen, wie und wo die drei ihre Fluchtfahrzeuge gekauft haben, wie sie beim Ausbaldowern eines Tatorts und bei den Überfällen vorgehen. Nachdem die Details der Öffentlichkeit präsentiert wurden, gingen über 600 Hinweise bei der Polizei ein. Doch der entscheidende Tipp war nicht dabei. „Das erstaunt uns schon“, räumt auch der LKA-Sprecher ein. Man müsse einfach sehen, dass das Trio bereits vor Jahrzehnten gelernt habe, sich zu verstecken und unauffällig zu bewegen.

Es gibt allerdings auch Klagen über Fahndungspannen. So soll die Polizei Ende Mai einen Tipp bekommen haben, dass Staub eben jenes Dänische Bettenlager ausspioniere, das vier Wochen später überfallen wurde. Tatsächlich ließ die Polizei den Laden vom Parkplatz aus zunächst observieren, zog aber nach zwei Wochen das Team wieder ab. Man habe nicht mehr an den Erfolg der Maßnahme geglaubt, heißt es intern.

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