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Sind die Niedersachsen beim Abitur im Nachteil?

Kritik vom Philologenverband Sind die Niedersachsen beim Abitur im Nachteil?

Geht es bei der Verteilung der Abiturnoten in Deutschland gerecht zu? Der Philologenverband, der rund 90.000 Gymnasiallehrer vertritt, hat daran erhebliche Zweifel. Der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger kritisiert, die Länder nähmen durch politische Entscheidungen Einfluss auf die Vergabe der Noten.

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„Auswärtige Bewerber schnappen Studienplätze weg“: Bei der Abitur-Durchschnittsnote liegen Schüler aus Niedersachsen auf dem letzten Platz.

Quelle: dpa

Hannover. „Es hat sich so eine Art Wettlauf der Bundesländer etabliert um die besten Noten, und der muss irgendwie gestoppt werden“, sagt Meidinger. Er begründet seinen Vorstoß damit, dass auch in diesem Jahr die Ergebnisse der Abiturprüfungen in den Ländern weit auseinanderklaffen. Niedersachsen liegt im Ländervergleich – wie schon in den Vorjahren – auf dem letzten Platz mit einer Abi-Durchschnittsnote von 2,58. Auf Platz eins liegt Thüringen mit einem Schnitt von 2,18.

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Zum Problem wird die starke Diskrepanz, wenn die Abiturienten aus den verschiedenen Bundesländern um Studienplätze konkurrieren. „Es kann nicht sein, dass Studienplätze in Niedersachsen von auswärtigen Bewerbern weggeschnappt werden und unsere Kinder in die Röhre gucken“, stellt Horst Audritz, Chef des niedersächsischen Philologenverbandes fest.

Bei den Gründen für die unterschiedlichen Noten gibt es verschiedene Meinungen. Meidinger meint, mündliche Noten würden aufgewertet. Audritz sieht verschiedene Bildungsphilosophien am Werk: Je mehr Schüler eines Jahrgangs Abitur machten, desto schlechter sei der Durchschnitt, betont Audritz. Wenn die schwächeren Schüler im Vorfeld schon ausgesiebt würden, wie in Bayern, sei es nicht verwunderlich, dass die verbleibenden Prüflinge besser abschnitten als die in Niedersachsen, wo prozentual mehr junge Leute Abitur machten.

Schüler in diesem Jahr doppelt bestraft

Doppelt bestraft seien in diesem Jahr viele Schüler, die bei der umstrittenen Mathe-Abiturklausur versagt hätten, bemängelt zudem Petra Wiedenroth vom Verband der Elternräte der Gymnasien. Nach massiven Protesten von Eltern, Lehrern und Schülern wegen der komplizierten Aufgabenstellung hatte das Land die Aufwertung des Notenschlüssels beschlossen. Dies hätte aber nur den besseren Schülern genutzt, sagt Wiedenroth, und nicht denjenigen, die völlig verschreckt worden seien: „Wer vorher null Punkte hatte, hatte auch hinterher null Punkte.“

Bildungsverbände werben deshalb für mehr Einheitlichkeit bei den Bildungsstandards deutschlandweit, nicht nur in den Abschlussprüfungen, sondern auch im Unterricht. Philologenchef Meidinger fordert: Jede Maßnahme für mehr Einheitlichkeit der Prüfungen sei sinnvoll. Mehr Vergleichbarkeit sei wünschenswert, nicht aber eine Vereinheitlichung des Unterrichts, sagt eine Sprecherin des niedersächsischen Kultusministeriums. So gibt es 2017 erstmals einen gemeinsamen, einheitlichen Abituraufgabenpool für alle Ländern in Deutsch, Mathematik und Englisch.

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