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Bildungspolitik

Künftige Landesregierung will Sitzenbleiben abschaffen


Zu Beginn des Jahres wartet mit den Halbjahreszeugnissen wieder die erste Stunde der Wahrheit auf Niedersachsens Schüler – Angst vor blauen Briefen und Sitzenbleiben inklusive. Doch es gibt Hoffnung: SPD und Grüne sind für die Abschaffung des Sitzenbleibens.
Für die Schüler in Niedersachsen gab es am Mittwochvormittag Halbjahreszeugnisse.

Für die Schüler in Niedersachsen gab es am Mittwochvormittag Halbjahreszeugnisse.

© dpa

Hannover. Die Tage des Sitzenbleibens in Niedersachsen sind gezählt: SPD und Grüne wollen nach ihrem Wahlsieg die Zwangsrückstufungen wegen schlechter Noten abschaffen, wie sie in ihren Regierungsprogrammen ankündigen. Wann es soweit ist, ist aber noch unklar, sagten die beiden Bildungsexpertinnen Frauke Heiligenstadt (SPD) und Ina Korter (Grüne) in Hannover.

Für die Schüler in Niedersachsen gab es am Vormittag Halbjahreszeugnisse: Wer zwei Fünfen oder sogar eine Sechs kassiert, muss bis zum Sommer ordentlich Gas geben, damit er nicht sitzenbleibt. Im Jahr 2011 mussten laut Kultusministerium landesweit 14 004 Schüler in der Sekundarstufe I das Schuljahr wiederholen - das entspricht einem Anteil von drei Prozent.

„Wir wollen niemanden überrumpeln“, betont SPD-Schulexpertin Heiligenstadt, der im geplanten rot-grünen Kabinett von SPD-Spitzenmann Stephan Weil beste Chancen für das Amt der Kultusministerin eingeräumt werden. Die SPD setze bei der Reform auf Transparenz und Dialog. „Mit uns sind keine Schnellschüsse zu erwarten. Wir werden in Ruhe mit allen Beteiligten erörtern, welche Schritte möglich sind.“

Bislang war die Abschaffung des Sitzenbleibens im noch CDU-geführten Kultusministerium kein Thema. „Es kann Schüler entlasten, durch das Wiederholen eines Schuljahrgangs andauernde Überforderungen zu beenden“, sagt eine Sprecherin. Die Schüler würden dadurch wieder Freiräume gewinnen und könnten auch neue Erfolgserlebnisse haben. „Sitzenbleiben bietet die Chance, Versäumtes nachzuholen und Themen vertiefen zu können.“ Jedoch sei es wichtig, durch Fördermaßnahmen die Zahl der Wiederholer möglichst gering zu halten.

Diese Sichtweise hat seit der Landtagswahl keine Mehrheit mehr in Niedersachsen. Jedoch hänge die Umsetzung der Pläne von der jeweiligen Schulform ab, betont Heiligenstadt. „An den Grundschulen ist das sicher ein nicht so großer Aufwand, an den weiterführenden Schulen wird es schwieriger.“ Eine individuelle Förderung der Schüler soll „Abschulungen und Sitzenbleiben ersetzen“, heißt es im SPD-Wahlprogramm. Wie entstehende Zusatzkosten etwa für Personal oder Förderstunden finanzierbar sind, muss aber geprüft werden.

„Ich halte Sitzenbleiben für völlig überflüssig und verzichtbar“, sagte Grünen-Schulexpertin Ina Korter. Es sei kontraproduktiv, wenn ein Schüler ein ganzes Schuljahr wiederholen müsse, obwohl er vielleicht nur in einem bestimmten Fach Defizite habe. Dies könne durch gezielte Förderung verhindert werden. Außerdem werde so auch die persönliche Demütigung des betroffenen Schülers verhindert. Auch die Schulnoten müssten auf den Prüfstand, meint Korter.

„Die Gesamtschulen zeigen ja bereits, dass sie sehr erfolgreich in den ersten Jahren weitgehend auf Ziffernzensuren verzichten können und stattdessen durch Lernentwicklungsberichte und kontinuierliche Beratung die Kinder fördern“, sagt die Grünen-Schulexpertin. Ferner ist es aus Sicht der Grünen wünschenswert, dass auch die Schüler bessere Möglichkeiten bekommen, Rückmeldungen über die Leistungen der Lehrer abgeben zu können.

Obwohl die Koalitionsgespräche zwischen SPD und Grünen erst am Freitag beginnen, sind die beiden Wunschkoalitionäre in diesem Punkt inhaltlich sehr nahe. Trotzdem betonen beide Seiten, dass über Details erst nach den Verhandlungen gesprochen werden kann.

dpa

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