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Kultusminister Althusmann soll bei seiner Promotion geschummelt haben

Doktor-Affäre im Landeskabinett Kultusminister Althusmann soll bei seiner Promotion geschummelt haben

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann bangt um seinen Doktortitel. Der CDU-Politiker soll bei seiner Promotion massiv gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen haben. Althusmann räumte am Mittwoch ein, ihm seien in seiner im Jahr 2007 bei der Universität Potsdam eingereichten Dissertation „unter Umständen Flüchtigkeitsfehler unterlaufen“.

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„Unter Umständen Flüchtigkeitsfehler“: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) am Mittwoch vor der Presse.

Quelle: dpa

Hannover. Vergleiche mit den Plagiatsfällen der Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin wies Althusmann jedoch zurück: „Es gab keinen Täuschungsversuch von meiner Seite“, sagte der 44-Jährige, der zurzeit auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz der Länder ist. In seinem Fall handle es sich „in erster Linie um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die korrekte Zitierweise“.

In ihrer Onlineausgabe hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ am Mittwoch eine Analyse von rund der Hälfte der Promotionsschrift Althusmanns veröffentlicht. Demnach finden sich auf 88 von 114 untersuchten Seiten Hinweise darauf, dass Althusmann sich aus fremden Quellen bedient hat, ohne dies in der vorgeschriebenen Weise kenntlich zu machen. Alt­husmann habe „verschleiert kopiert“ und „kosmetische Eingriffe“ vorgenommen. Seine zwischen den Jahren 2000 und 2007 entstandene Doktorarbeit weise „durchgängig und in großem Ausmaß“ bewusste oder unbewusste Irreführungen auf. Die Universität Potsdam hat eine Prüfung der Arbeit angekündigt: „Wir machen das so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig“, sagte eine Sprecherin.

„Ich nehme die Vorwürfe sehr ernst“, sagte Althusmann am Mittwoch. „Ich habe meine Arbeit nach bestem Wissen und den mir damals bekannten Zitierstandards angefertigt.“ Er war bereits Landtagsabgeordneter, als er seine Dissertation im Fach Betriebswirtschaftslehre verfasste. Konsequenzen für seine politischen Ämter schloss der CDU-Politiker vorerst aus: „Solange die Prüfung meiner Dissertation nicht abgeschlossen ist, stellt sich diese Frage nicht.“ Rückendeckung erhielt Althusmann von der Staatskanzlei. Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte: „Althusmann ist Minister, und er bleibt Minister.“

Die Opposition im Landtag legte Alt­husmann dagegen den Rücktritt nahe, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. „Althusmann ist durch diese Affäre politisch belastet“, sagte die SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt. „Wir erwarten, dass seine Ämter darunter keinen Schaden nehmen.“ Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel sagte: „Gerade von einem Minister, der Vorgesetzter von Landesbediensteten ist, die von Berufs wegen die Leistung Dritter bewerten, muss in dieser Frage besondere Sorgfalt erwartet werden können.“ Die Linken sprachen von „peinlichen handwerklichen Fehlern“: „Als amtierender Präsident der Kultusministerkonferenz soll er sich um die Qualitätssicherung an Hochschulen kümmern – da kann er jetzt gegebenenfalls bei sich selbst anfangen“, sagte Linken-Schulexpertin Christa Reichwaldt.

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