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Niedersachsen Tonne: Inklusion in Schulen ist nicht gescheitert
Nachrichten Politik Niedersachsen Tonne: Inklusion in Schulen ist nicht gescheitert
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00:16 03.03.2019
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verteidigte die Inklusionspolitik der Landesregierung im Landtag. Quelle: Ole Spata/dpa
Hannover

Nach Hilferufen mehrerer Schulen und scharfer Kritik der Lehrerverbände hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Inklusion an Schulen verteidigt. Er räumte aber ein, dass die gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Handicap mehr Probleme mache als erwartet. „Die Umsetzung der inklusiven Schule ist ein Großprojekt – politisch ebenso wie pädagogisch und organisatorisch“, sagte Tonne am Donnerstag im Landtag.

Auslöser der Debatte war ein Brandbrief hannoverscher Gesamtschulleiter, die sich weigern, weiter die Hauptlast in der Betreuung lernschwacher Kinder zu tragen. Um die Schulen zu entlasten, kündigte Tonne Unterstützung an: Mehr als 450 Förderschullehrer hätten einen Versetzungsantrag gestellt. Ab dem nächsten Schuljahr sollen die Inklusionsspezialisten an allgemeinbildenden Schulen eingestellt werden. Die bisherigen Förderschulen für Kinder mit Lernschwierigkeiten soll es längerfristig nicht mehr geben.

Die Frage, ob die Inklusion gescheitert sei, dürfe sich gar nicht stellen, meinte Tonne – „weil Inklusion ein Menschenrecht ist“. Natürlich sei noch lange nicht alles gut, betonte der Kultusminister. Die Umsetzung benötige „langen Atem“. So werde das Land in diesem Jahr zusätzliches Personal einstellen, um die Arbeit der multiprofessionellen Teams in den Schulen zu fördern.

CDU will an Förderschulen festhalten

CDU-Fraktionsvize Mareike Wulf forderte einen „realistischen Weg zur Inklusion“. Sie könne nicht einfach per Gesetz verordnet werden, sondern erfordere gesellschaftlichen Willen und finanzielle Ressourcen. „Kindeswohl und freier Elternwille müssen im Mittelpunkt stehen.“ Der Kompromiss in der rot-schwarzen Koalition sehe vor, dass keine Förderschulen mehr abgeschafft würden, betonte Wulf.

FDP-Schulexperte Björn Försterling forderte eine bessere Wahlmöglichkeit für Eltern zwischen Förderschule und inklusiver Schule. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir jedes Kind erfolgreich inklusiv beschulen werden. Es gibt Kinder, für die ist die Förderschule der beste Weg.“

Grüne sehen auch Ober- und Hauptschulen belastet

Die Grünen-Abgeordnete Julia Willi Hamburg sagte, dass neben Gesamtschulen, die zum Teil doppelt so viele Schüler mit Förderbedarf hätten wie andere Schulformen, auch Ober- und Hauptschulen stärker durch die Inklusion belastet seien. Das müsse sich die Politik ankreiden. „Wahlfreiheit besteht nur, wenn die inklusive Schule so ausgestattet ist, dass sich Eltern dafür entscheiden können“, sagte Hamburg.

Die AfD spricht von einem Milliardengrab

„Die Inklusion ist gescheitert“, erklärte dagegen der AfD-Politiker Harm Rykena. Sie sei eine Utopie und eine Belastung. Das Projekt sei ein Milliardengrab, das bereits 1,5 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen verschlungen habe. Rykena forderte die Landesregierung auf, dass „weltweit einzigartige und vorbildliche“ deutsche Förderschulsystem nicht weiter herunterzuwirtschaften.

Laut Kultusministerium sollen bis 2022 rund 1,9 Milliarden Euro in die inklusiven Schulen investiert werden. SPD, CDU, FDP und Grüne arbeiten derzeit an einem gemeinsamen Entschließungsantrag im Landtag, um die Inklusion voranzubringen.

Von Marco Seng

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