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Niedersachsen Kultusminister halten sich mit Kritik zurück
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09:51 20.08.2011
Die Uni Potsdam muss klären, ob Kultusminister Bernd Althusmann in seiner Doktorarbeit betrogen hat. Quelle: dpa
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Hannover/Potsdam

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) halten sich seine Länderkollegen mit offener Kritik zurück. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa erklärten die Bildungspolitiker parteiübergreifend, zunächst die Entscheidung der Universität Potsdam über Althusmanns Doktorarbeit abwarten zu wollen. Am nächsten Freitag (26.8.) will sich die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens der Uni erstmals zusammensetzen.

Aller Voraussicht nach wird es dann aber noch kein abschließendes Ergebnis geben, da in der Sitzung unter Vorsitz des Jura-Professors Tobias Lettl auch noch zahlreiche andere Themen auf der Tagesordnung stehen. Wann die Kommission ein Urteil fällen wird, ist unklar. Althusmann, derzeit Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), werden in seiner Doktorarbeit viele Fehler beim Zitieren fremder Quellen vorgeworfen.

„Ich gehe davon aus, dass der KMK-Präsident mit seinem Amt und seinem Titel verantwortungsvoll umgeht“, sagte der Saarländer Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne). Bis zur Klärung des Plagiatsvorwurfes gebe es keinen Grund zu weiteren Stellungnahmen. Dies sehen die meisten seiner Amtskollegen genauso und geben sich betont gelassen.

Um das ungeliebte Thema nicht weiter anzustacheln, geben sich die Bildungsminister derzeit äußerst wortkarg - von Rücktrittsforderungen ist nichts zu hören. Die Plagiatsdebatte habe die KMK sogar enger zusammenrücken lassen, heißt es hinter den Kulissen.

In einigen Ministerien soll es jedoch sehr wohl rumoren. Einige Politiker fürchten eine lautstarke Debatte um den Verfall wissenschaftlicher Standards, sollte Althusmann seinen Doktortitel verlieren. Andere wollen die Arbeit des Gremiums nicht durch lautstarke Äußerungen erschweren. Auch Niedersachsens Regierungschef David McAllister (CDU) mahnt bei Fragen zur Zukunft seines Ministers zur Gelassenheit.

Althusmann will seinen Doktortitel nicht kampflos aufgeben

„Das Amt des Präsidenten der Kultusministerkonferenz erfordert eine besondere Verantwortung für die Bereiche Schule, Wissenschaft und Kultur“, betont der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Auch die ansonsten für ihre klaren Worte bekannte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) aus Nordrhein-Westfalen meidet kernige Aussagen: „Alle relevanten Fragen sind gestellt. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf lückenlose Aufklärung. Das können wir jetzt in aller Ruhe abwarten.“

In Brandenburg will die parteilose Wissenschaftsministerin Sabine Kunst der Überprüfung der Kommission nicht vorgreifen: „Es gibt natürlich bestimmte Regeln für das akademische Arbeiten - diese gelten auch für Herrn Althusmann. Sie sind der Maßstab.“

Althusmann will seinen Doktortitel nicht kampflos aufgeben. Für den CDU-Politiker geht es auch um seine politische Zukunft. Ein Rücktritt sei spätestens dann unvermeidlich, wenn der Doktortitel aberkannt würde, betonen Parteifreunde in Berlin und Hannover hinter vorgehaltener Hand.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seine Doktorarbeit hatte Althusmann bereits handwerkliche Fehler eingeräumt, vorsätzliche Täuschungsversuche aber vehement abgestritten. Wegen der Mängel in der 290-seitigen Arbeit mit dem Titel „Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung - Folgen für die Personalentwicklung“ hatte er die Note „rite“ (ausreichend) erhalten.

Im Vorfeld der Überprüfung durch die Kommission hatte der Hauptmann der Reserve zudem versucht, die gegen ihn gerichteten Vorwürfe in einer 25-seitigen Stellungnahme an die Uni zu entkräften. Nach dpa-Informationen enthielt das Schreiben auch eine Anlage mit einem wissenschaftlichen Gegengutachten von anderen Uniprofessoren. In dem Gutachten werden die Autoren der ersten Analyse, die den Stein ins Rollen brachten, massiv attackiert, weil sie unter anderem selbst gegen wissenschaftliche Zitierweisen verstoßen haben sollen.

dpa

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