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00:18 01.02.2015
Sprachförderschulen wie die Albert-Liebmann-Schule in Hannover – hier ein Archivbild mit Schülern auf dem neu vor drei Jahren neu gestalteten Pausenhof – werden nicht aufgelöst. Quelle: Archivbild
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Hannover

Die rot-grüne Landesregierung bessert beim geplanten Schulgesetz nach. Nachdem Eltern und Lehrer monatelang vehement protestiert, Unterschriftenaktionen und Onlinepetitionen gestartet hatten, rudert Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) jetzt bei den Förderschulen für Kinder mit Sprachschwierigkeiten zurück. Anstatt sie - wie geplant - schrittweise aufzulösen, erhalten die neun niedersächsischen Förderschulen Sprache und die 53 Sprachheilklassen, die an Grundschulen oder an Förderschulen für Lernschwache angedockt sind, unbefristeten Bestandsschutz. Neue Sprachförderschulen sollen aber nicht genehmigt werden.

Insgesamt hatte es 46 Stellungnahmen zu der geplanten Novelle gegeben, sagte Heiligenstadt gestern. Sie sprach von einer breiten Zustimmung vor allem für die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien und die Abschaffung der Laufbahnempfehlung nach der Grundschule, aber auch von erwartbarer Kritik. Nicht rütteln will die Landesregierung an der geplanten rechtlichen Aufwertung von Gesamtschulen. Kai Seefried (CDU) sagte, mit dem Gesetz verabschiede sich Rot-Grün vom Leistungsgedanken an Schulen. Björn Försterling (FDP) forderte die komplette Rücknahme des Gesetzes.

Förderschule bleibt ein Auslaufmodell für Lernschwache

Ist der Fortbestand der Sprachförderschulen ein Rückschlag für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap?
Ministerin Heiligenstadt sagt, das Ziel Inklusion bleibe bestehen. Es nütze aber nichts, dies mit Gewalt durchzudrücken: „Eine Haltung können wir nicht verordnen, da müssen die Beteiligten überzeugt sein.“ Derzeit gibt es landesweit rund 3300 Kinder mit Sprachproblemen, ein Drittel davon besucht eine Regelschule, zwei Drittel gehen zu Förderschulen. Heiligenstadt sagt, sie hoffe, dass sich künftig mehr Eltern für eine Regelschule entscheiden werden.

Ein Auslaufmodell bleibt die Förderschule für Lernschwache. Die 24 Sprachheilklassen an diesen Förderschulen sollen an anderen Standorten, etwa an Grundschulen, weitergeführt werden. Die SPD warf der CDU vor, im Streit um die Sprachförderschulen bewusst Stimmung gegen die Inklusion gemacht zu haben. Lob für Heiligenstadts Kompromiss kam vom Verband Sonderpädagogik und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
n Bedroht die rechtliche Aufwertung der Gesamtschulen die Gymnasien?

Koalitionsziel: Das Sitzenbleiben überflüssig machen

Nach Ansicht des Philologenverbandes ja, und zwar nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten. GEW-Chef Eberhard Brandt glaubt jedoch nicht an eine Umwälzung der Schullandschaft. Solange Integrierte Gesamtschulen sogenannte Angebotsschulen sind, dürfen sie Schüler ablehnen, wenn sie mehr Anmeldungen als Plätze haben. Werden sie Regelschulen, müssen alle Eltern, die ihr Kind an einer IGS anmelden, dort auch einen Platz für es bekommen, die Schulen müssen also größer werden. Wenn Eltern ihr Kind auf eine Schulform schicken wollen, die es im Kreisgebiet nicht gibt, aber im benachbarten Kreis, bekommen sie jetzt doch die Schülerfahrkarte anteilig erstattet.
n Werden jetzt auch die Noten und das Sitzenbleiben abgeschafft?

Im neuen Schulgesetz steht dazu nichts. Koalitionsziel ist es, durch Förderung das Sitzenbleiben überflüssig zu machen. Grundschulen sollen auch in den Klassen drei und vier jahrgangsübergreifend unterrichten dürfen. In den Klassen eins und zwei ist das schon möglich.

Von Saskia Döhner

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