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Land fürchtet um Grundwasser nahe Morsleben

Atomendlager Land fürchtet um Grundwasser nahe Morsleben

Die Landesregierung sieht Schwächen im Sicherheitskonzept für das Atommüllendlager Morsleben nahe Helmstedt.

In einer Stellungnahme des Ministeriums im Rahmen des derzeit laufenden Planfeststellungsverfahrens zur Schließung des Endlagers, die der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vorliegt, heißt es, eine Betroffenheit des Schutzgutes Grundwasser ist in Niedersachsen nicht auszuschließen“.

Zwar ist das hannoversche Umweltministerium nicht zuständig für Morsleben, es hat aber wegen der Nähe des Lagers zu Niedersachsen Mitspracherechte. Die Fachbeamten bemängeln nun, dass die Durchlässigkeit des Gebirges und die Grundwasserströme bei den Modellberechnungen des Betreibers, des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, nicht berücksichtigt worden sind.

Fachleute aus dem Umweltministerium in Hannover fürchten, dass die Deponie Morsleben in Sachsen-Anhalt das Grundwasser weiträumig bis hinein nach Niedersachsen gefährden könnte. Am Südwest-Rand des Endlagers auf niedersächsischem Gebiet befinde sich ein komplexes Störungssystem. Damit bezeichnen Geologen Trennflächen im Gestein, durch die sich Wasser Wegsamkeiten suchen kann. Es sei davon auszugehen, „dass die Gebirgsdurchlässigkeiten entlang der Querstörungen und entlang der gegeneinander verschobenen Bruchschollen erheblich höher sind“ als vom BfS angenommen, heißt es. Der Betreiber müsse die offenen Fragen klären und die Ergebnisse in den Langzeitsicherheitsnachweis aufnehmen; eine Überwachung des Grundwassers könne sinnvoll sein.

Kurt Herzog, Umwelt-Experte der Linken im Landtag, vermutet, dass eine radioaktive Verseuchung des Grundwassers im Raum Helmstedt nicht auszuschließen ist. Die Kritik aus Niedersachsen sei „eine echte Klatsche“ für das Konzept des BfS. Die Probleme in den Endlagern Morsleben und Asse seien vergleichbar, sagt Herzog. Es handele sich um stillgelegte Salzbergwerke, in die Salzlauge fließe, beide Gruben seien einsturzgefährdet. Auch in Morsleben müsse, wie in der Asse, die Rückholung des Atommülls geprüft werden.

Das Endlager Morsleben wurde für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall der DDR eingerichtet. Nach der Wiedervereinigung wurde hier westdeutscher Müll deponiert – insgesamt mehr als zu DDR-Zeiten gelagert wurde. Das Bergwerk wird derzeit mit einem Spezialbeton verfüllt.

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Von Redakteur Margit Kautenburger

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